Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Der Iran weiter auf Atomkurs

Der Iran macht den Preis. Für den viertgrößten Ölexporteur der Welt läuft heute die Frist für die Beantwortung eines Kompromissvorschlages um den Atomkonflikt ab. Es wird nicht erwartet, dass der Iran den Vorschlag annimmt. Nachdem die Preise in der Vorwoche erst fielen, dann sich stabilisierten stiegen sie nun wieder. Dies war zu erwarten. Die Nachrichtenlage hat sich auch jetzt kaum verändert. Dass der Iran nicht einfach einlenken würde, muss dem Beobachter des Vorgangs vertraut gewesen sein. Immerhin hatte der Iran bisher kein Angebot einfach angenommen. In den Fokus ist der Atomstreit trotzdem wieder geraten und zeigt seine Wirkung an den Preisen. Ob wir den Seitwärtstrend deswegen nach oben verlassen, ist zunächst zweifelhaft. Ein wenig profitieren wir vom Fall des Dollar. Immerhin ist der Euro zum Dollar von 1,27 Euro bis auf 1,29 Euro gestiegen.

Das Engagement der großen Spekulanten - Banken, Versicherungen, Investmentfonds - für Rohöl ist leicht bullisch. Nachdem sie den Markt als überverkauft eingestuft hatten, wurden nun wieder Positionen aufgebaut. In Erwartung der Antwort aus dem Iran verharren die Teilnehmer in Lauerstellung. Gestern hatte man ihre Reaktion auf die Äußerungen des obersten iranischen Führers Chamenei erleben dürfen. Die Preise zogen stark an. Nach wie vor werden bei apokalyptischen Vorstellungen vom weiteren Verlauf des Atomstreits Preishöhen von über 100 oder sogar 150 Dollar vorhergesagt. Dass diese Vorstellungen aber eintreten, wird für wenig wahrscheinlich gehalten.

Für das nächste Jahr rechnen Marktbeobachter trotz der heutigen Spannungen mit einem leicht tieferen Preisniveau. So wird insbesondere ins Feld geführt, dass die Förderung neben der OPEC-Produktion auch von Nichtmitgliedern gesteigert wird. Dazu passt es, dass Russland seine Ölgewinnung seit Jahresbeginn um 2,3 Prozent steigern konnte. Dabei stieg die Ölgewinnung der russischen Ölunternehmen auf 235,8 Millionen Tonnen im ersten Halbjahr 2006.

Zusätzlich wirken sich die zunehmend Erfolg versprechenden Ergebnisse bei der Suche nach Alternativen aus. Es ist zwar ein Irrtum zu glauben, dass man langfristig mit alternativen Energien für sich selbst eine bessere Preissituation schafft. Aber jeder Schritt zu einer Verbreiterung der Basis, aus der der Energiebedarf gedeckt wird, führt dazu, dass sich die Preise insgesamt entspannen können. So meldete die -Washington Post-, dass die brasilianische Regierung bald ebenso viel Rohöl exportieren, wie einführen will. Dies liege insbesondere am Ethanol-Programm des Landes, bei dem der
Ersatz-Treibstoff aus Zuckerrohr hergestellt wird.

Ebenso wirken sich ein geringerer Verbrauch auf Grund klimatischer Veränderungen (wärmere Temperaturen), Modernisierungen der Heizanlagen sowie der Gebäude aus, natürlich auch das Heiz- und Verbrauchsverhalten der Menschen auf die Preise aus. Für Deutschland und das Jahr 2005 hat das der Mieterbund festgestellt. Danach seien die Verbräuche für Öl- und Gasheizungen um 5 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

Zum Abschluss noch einmal zum Iran. Für den Iran liefen zwei Fristen. Die eine Frist lief bis heute. Hierbei ging es um einen Vorschlag der fünf Veto-Mächte des UN-Sicherheitsrates und Deutschland, in dem im Gegenzug auf einen Verzicht auf die Atomenergie wirtschaftliche Hilfen zugesagt wurden.
Bei der anderen Frist, die am 31.08.2006 ausläuft, droht der Sicherheitsrat mit Sanktionen, wenn der Iran bis dahin seine Atomanreicherung nicht gestoppt hat. Diese Frist ist eine völkerrechtlich verbindliche Frist.

Heute Morgen ist der Gasölpreis höher als gestern. Mit einer deutlichen Steigerung kostet die Tonne 649 $.

Unsere Heizölpreise steigen weiter. Die geopolitische Unsicherheit und das spekulative Umfeld machen eine wiederkehrende Verbilligung erst einmal unwahrscheinlich. In der nächsten Woche sind nennenswerte Preischancen eher gering und Preisgefahren noch beachtlich groß.

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