Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Der Tag danach

Deutschland bewegt. Die Ad-hoc-Maßnahmen der Bundesregierung zur Regulierung der Finanzmärkte sorgten gestern für mehr Gesprächsstoff an den Börsen als Wirtschaftsthemen und Nachrichten aus dem Ölmarkt. Dabei haben beide Themenfelder etwas zu bieten. Die Wirtschaft in den USA läuft immer besser. Die US-Notenbank erhöht ihre Prognose zum US-Wirtschaftswachstum deutlich auf 3,2 bis 3,7 Prozent. Ähnlich gute Zahlen gibt es über die Entwicklung des deutschen Außenhandels und den Ifo-Index zum Weltwirtschaftsklima. Um den europäischen Binnenhandel steht es allerdings nicht gut. Auf ihm lasten durch staatliche Schuldenberge implizierte Sparzwänge. Über den Kampf gegen die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gibt es erste Erfolgsmeldungen. Ein Teil des ausströmenden Öls kann mittlerweile eingedämmt und abgepumpt werden. Der Iran stellt zwar nach wie vor eine Bedrohung der Welt als potenzielle neue Atommacht dar. Eine Bedrohung des Ölmarkts durch das Einfrieren von Lieferungen im Falle von Sanktionen geht aber kaum noch von ihm aus. Die Ölkunden des Landes haben sich größtenteils abgewendet und andere Lieferbeziehungen aufgebaut. Vermutlich ist das der Grund, warum Teheran beginnt, im Atomstreit einzulenken. Die neuen US-Bestandsdaten sind unspektakulär. Zwar weisen sie einen Rückgang auf. Gleichwohl unterstreichen sie weiterhin die Überversorgung des Marktes. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten folgende Zahlen zur wöchentlichen Bestandsänderung vor:

Rohöl: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,1 (DOE) bzw. 0,1 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die US-Raffinerieauslastung steht weiterhin bei 88 Prozent.

Die Preisentwicklung reagiert auf die Marktlage folgerichtig. Öl wird billiger. Die Notierungen befinden sich in einem soliden Abwärtstrend. Abweichend wurde Rohöl gestern in den USA teurer. Dabei handelt es sich um eine überfällige Korrektur der im Vergleich zu den anderen Ölwerten deutlich tiefer gefallenen Notierungen. Am Gesamttrend des Ölkomplexes ändert der Tagesausreißer nichts.

Wer den Markt und die Preisentwicklung verfolgt, weiß, dass es um die Folgerichtigkeit der Ölpreisbildung nicht so bestellt ist, wie es aktuell den Anschein hat. Denn nicht der physische Ölmarkt, sondern die Positionierung der Finanzindustrie bestimmt das Preisgeschehen. Sichtbar wird dieser Umstand derzeit am Aktienmarkt. Trotz guter Wirtschaftsdaten fallen die Börsenindizes. Offensichtlich werden die Investoren von anderen Reizen geleitet als den scheinbar logischen, denen, die mit Angebot und Nachfrage und mit Konjunkturaussichten zu tun haben. Dass die Ölnotierungen fallen, liegt nicht an der Überversorgung des Marktes. Die gibt es als offensichtliches Phänomen mindestens seit dem großen Finanzcrash. Dennoch stiegen die Ölpreise in den letzten 15 Monaten. Dass Öl und Aktien billiger werden, liegt unter anderem an attraktiveren weil sichereren Wettmöglichkeiten. Aktuell richten sich diese gegen den Euro und für den Dollar. Dass klingt nach Zockerschelte. Soll es auch. Dennoch haben die Finanzjongleure ein Recht auf Schutz bzw. auf eine Beurteilung, die mildernde Umstände rechtfertigt.

Um das Finanzsystem im Allgemeinen und das europäische im Speziellen steht es schlecht. Diese Tatsache bringen die Finanzmarktakteure mit ihren Positionen und Wetten zum Ausdruck. Das ist ihr Recht und, solange es entfesselte Finanzmärkte gibt, sogar ihre Pflicht in Form von Aufträgen ihrer Kunden. Um die Positionierung zum Euro verhält es sich derzeit ähnlich wie in den Jahren 2007 und 2008 zum Öl. Damals herrschte die weitverbreitete Meinung, dass Öl als Rohstoff knapp ist. Der Finanzmarkt handelte diese Meinung, die sogar von den Chefs der Ölunternehmen, von Politik und Wissenschaft sowieso, getragen wurde. Sie trieb die Ölpreise auf ihren bisherigen Höhepunkt von annähernd 150 Dollar pro Barrel. Auch wenn wir damals ahnten und heute wissen, dass es keine reale Knappheit gab, erkennen wir die Sinnfälligkeit des Geschehenen an. Gleiches gilt heute für die Euro-Dollar-Spekulation. Mit Blick auf absehbare Wirtschaftsentwicklungen ist sie folgerichtig. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Finanzindustrie Nutznießer der letzten staatlichen Verschuldungswelle ist und deshalb aus moralischen Gründen eine gewisse Zurückhaltungspflicht hätte. Die steht in keinem Gesetz. Also gibt es sie rechtlich nicht. Es war die Entscheidung der Politik, der Finanzindustrie Geld hinterher zu werfen. Und es war die Entscheidung der Politik unter anderem Griechenland Geld zum EU-Beitritt zu schenken, für das das Land keine im Sinn der EU-Statuten zielgerichtete Verwendung hatte. Anders sieht es übrigens mit der Ölpreis- und Aktienwertsteigerung nach dem Finanzcrash aus. Diese hat gar nichts mit realwirtschaftlichen Phantasien über Knappheit und Wirtschaftswachstum zu tun. Sie ist ausschließlich die Folge überflüssigen Geldes in den Händen der Finanzindustrie, das nach Anlage sucht.

Auch wenn Finanzjongleure derzeit zu recht Antipathien anziehen, muss sich die Klage über die Verhältnisse in erster Linie an die Politik richten. Das sollte ihr wohl bekannt sein. Deshalb reagiert sie nun panisch mit dem Erlassen von „Antispekulationsgesetzen“ im Eilverfahren. Beim näheren Hinsehen stellt man fest, dass der jüngste Coup für die Show ist und wenig Einfluss auf das Börsengeschehen haben wird, wenn man mal von einem Tageszucken der Kurse absieht. Die Diskussion um die Wiedereroberung der politischen Macht über die Märkte ist in den USA, Barack Obama sei Dank, deutlich weiter fortgeschritten als hierzulande. Statt späte Showeinlagen für die Ränge zu bieten, hätten sich unsere Führungskräfte längst mit ihren amerikanischen Kollegen ins Benehmen setzen müssen, um einen ordentlichen Plan für die anstehende Schlacht auszuarbeiten. Die Unterlassung war und ist eine Einladung an die Finanzindustrie, ihre Macht zu zelebrieren.

Heute Morgen nimmt die Preisentwicklung einen weniger pathetischen Lauf. Die Ölnotierungen dümpeln seitwärts. Der Dollar fällt. Er muss sich nach viel Anstieg in den letzten Wochen mal hängen lassen. Die Tonne Gasöl kostet 616 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 70,54 Dollar und in London 74,02 Dollar. Der US-Dollar wird zu 80,55 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Sie durchlaufen eine zweite Abwärtswelle in diesem Monat. Die Trends sprechen dafür, dass noch mehr Abgang eintreten wird. Die realwirtschaftlichen Indikatoren legen allerdings das Gegenteil nahe. Trotz einer eindeutig erscheinenden Situation, nämlich tiefere Preise, sollte man diese nicht zu fest einkalkulieren. Die Börse ist für ihre schnellen Wechsel berüchtigt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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