Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Der blinde Fleck

Die Finanzindustrie regiert die Welt. Ob die Regierungen der Welt das wissen? Wer mit etwas Sinn für die Hintergründe die Ölpreisentwicklung verfolgt, kennt die Machtordnung. Sie ist manipulativ, undemokratisch und inakzeptabel. Manipuliert werden nicht nur Preise, manipuliert werden auch Regierungen. Womit eine Antwort auf die einleitende Frage gegeben ist, natürlich keine umfassende. Die Finanzkrise führte nicht zum Ende der Finanzmacht sondern zu ihrer Stärkung. Seit einem Jahr kann man den unglaublichen Aufstieg einer hasardierenden Industrie beobachten. Nach wie vor kennt diese Industrie keine Regeln, die sie in die Schranken weist. Regierungen beschränken sich bis heute auf Ankündigungen. Handlungen stehen auf keiner Agenda. Als Stimme gegen die Machenschaften der Finanzindustrie ist allenfalls Barack Obama zu hören. Angela Merkel machte vor Ausbruch der Krise auf das Problem aufmerksam. So wie die Dinge im Folgenden liefen, liegt die Frage nahe, ob sie wusste, was sie damals sagte?

Wie gesagt, wer die Ölpreisentwicklung verfolgt, kann die Probleme mit der Finanzindustrie erkennen. Aber es ist beileibe nicht der einzige Weg zur Erkenntnis. Aus vielen anderen Blickwinkeln ergeben sich gleiche Eindrücke.
Sie alle reichen nicht aus, um die Regierungen in den Kampf zur Rückeroberung der politischen Macht zu führen. Viele Möglichkeiten, derartige Schlachten zu schlagen, wurden ausgelassen. Die letzte verstrichene Chance war die Kriegserklärung des amerikanischen Präsidenten an die Finanzindustrie. Europäische Staatsoberhäupter reagierten darauf diplomatisch gelassen. Und immer wieder muss der geneigte Ölpreisbeobachter das Treiben und das Nichttreiben mit Kopfzerbrechen zur Kenntnis nehmen.
Wohl gemerkt handelt es sich um eine Ölpreis- und nicht um eine Ölmarktbeobachtung. Letzte gehört hier zwar auch zum Angebot. Der Ölmarkt hat aber nur noch wenig mit der Ölpreisentwicklung zu tun, was ja der Kern des Anstoßes ist. Gestern gab es übrigens mal wieder so einen seltenen Moment, an dem der Preis durch einen Markteinfluss bewegt wurde. Die Nachricht, dass die Quotendisziplin der OPEC mittlerweise auf rund 50 Prozent gesunken ist, führte zu einem temporären Durchsacken der Ölpreise.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Dass dieser Satz kein Zitat ist, wie wir heute wissen, macht ihn nicht minder bedeutsam. Einst bekam die DDR-Regierung die Konsequenzen bitter zu spüren. Heute laufen europäische Regierungen Gefahr, mit Konsequenzen konfrontiert zu werden. Und nun, oh Wunder, ist die Ursache plötzlich Regierungsthema. Die drohende Pleite Griechenlands zieht die Finanzindustrie magisch an. Ihre Jongleure stehen bereit, um sich daran zu bereichern. Sie haben nicht nur die Möglichkeit, Gewinne aus dem Absturz der Staatsfinanzen und dem Niedergang einer Nation mitzunehmen. Sie können den Vorgang sogar steuern. Ölpreisbeobachter kennen das, wenngleich die Wette hier meist in andere Richtung verläuft. Aus einem Überangebot werden steigende Preise gezaubert. Nun also, da die Europäische Union durch die Finanzindustrie im Bestand erschüttert wird, wachen Regierungen endlich auf. Sie sehen und sie begreifen die Gefahr. Ob sie schon begriffen haben, dass sie die Angreifer durch die sogenannten Krisenhilfen erst stark gemacht haben? Wie dem auch sei, Maßnahmen gegen die Finanzjongleure gibt es immer noch nicht. Wieder hören wir nur Worte, die aber besonders bildhaft. "Wir haben die Folterwerkzeuge im Keller, und wir zeigen sie, wenn es nötig ist" sagte Jean Claude Juncker jüngst. Ob das gegen das zu spät Kommen hilft? Unsere Kanzlerin will jedenfalls nicht foltern.

Ideen zur Regulierung der Finanzmärkte sollen im Sommer vorgelegt werden. Im Herbst wird man die Vorstellungen zum Energiemarkt präsentieren. In Regierungskreisen hat man es nicht eilig. Dabei laufen die Dinge in beiden Märkten seit Jahren aus dem Ruder. Das Grundproblem ist in beiden Märkten ähnlich. Es ist die ans Fundamentalistische grenzende Vorstellung vom Wohl des freien Wettbewerbs. Freier Wettbewerb ist ein erfolgreiches Modell für bestimmte Gesellschaftssituationen. Er darf niemals Dogma sein. Als solches erweist er sich als Killermodell. Aus der Nummer müssen wir nun herauskommen.

Um den Ölpreis ist es derweil auf hohem Niveau ruhig geworden. Die erwartete Abwärtsbewegung stockt. Aufwärts geht es auch nicht weiter. So pendelt sich der Preis auf eine immer engere Bandbreite in einer Seitwärtsbewegung ein.
Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 625,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 78,88 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,95 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben langsam und mühevoll nach. Von den Börsen kommt zu wenig, um daraus eine echte Abwärtsbewegung zu formen. Und der Dollar strebt stabil aufwärts. Das wird wohl länger so bleiben. Darunter leiden die Erwartung und die Hoffung auf tiefere Heizölpreise. Der Ölmarkt gäbe diese allemal her. Die Finanzindustrie hält mit Macht dagegen. So bleibt als wirklich sinnvoller Rat nur dieser: Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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