Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Der große Bluff

Die Ölpreise steigen, weil die brummende Konjunktur Öl braucht. Nach dieser simplen Idee gestaltet die Finanzszene derzeit das Spiel ums Öl, genauer gesagt um Gewinne mit Ölpapieren. Wenn alle das Gleiche tun, gibt es zwar viele Gewinner aber keinen Sieger. Ein paar besonders gerissene Finanzjongleure handeln konträr, um das Spiel zu ihren Gunsten zu manipulieren. Dabei hat sich der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI vom Rest der Ölnotierungen abgekoppelt. Statt zu steigen, sanken die WTI-Kontrakte. Eine solche konträre Bewegung kam in der Vergangenheit schon mehrfach vor. Sie hielt nie lange und sie erreichte nie die Differenz des aktuellen Spreads. Ende der letzten Woche fühlten sich schließlich diverse Analysten aufgerufen, uns zu erklären, warum die Differenz so groß ist und dass diese noch größer werden wird. Die geringe US-Nachfrage und die spezielle Konstruktion der Ölinfrastruktur in den USA seien ursächlich. Wir halten diese Argumente bei genauer Betrachtung für wenig stichhaltig. Der Spread als solcher gab uns aber Anlass, über eine abrupte Angleichung der Ölpreise verbunden mit einer starken Abwärtsbewegung zur Entladung der Spannung zu sinnieren. Just an dem Tag, an dem auch wir uns von der Stärke der klaffenden Preisdifferenz beeindrucken ließen und unsere Position überdachten, schoss der WTI-Preis wieder in die Höhe und reduzierte den Spread. Wer hier von realen Marktgegebenheiten spricht, muss ein Schelm sein. Gut gepokert würden wir sagen. Die gerissenen Burschen von Goldman Sachs oder der Deutschen Bank haben ihre Konkurrenz ordentlich verladen. Der Trend gilt also doch für alle Ölwerte. Der Anlass für die Preiswende mag übrigens die Besorgnis um den Suez-Kanal aufgrund der Unruhen in Ägypten sein.

preistreibende (bullische) Einflüsse: Sorge um Verfügbarkeit es Suez-Kanals
Gute Konjunkturdaten für die USA
Positive Erwartungen an Welt-Konjunktur
China wird strategische Reserven in 2011 weiter aufstocken
EIA, IEA und OPEC heben Nachfrageprognose an
Reduzierte Ölversorgung aus der Nordsee
Rückläufige europäische Ölbestände
Winterliches Heizen
Finanzsystem bekommt alle erdenkliche Hilfe

preisdrückende (bärische) Einflüsse: Steigende US-Bestände
Negative Daten vom US-Arbeitsmarkt
Negativwachstum in Großbritannien
OPEC denkt über Liefererhöhung nach
China wird Leitzins anheben müssen
Markt ausreichend mit Öl versorgt

Unsere Heizölpreise schossen am Freitag getrieben von den Ölbörsen in die Höhe. Zu allem Überfluss stieg auch der Dollar. Die im Januar langsam erarbeitete Preissenkung wurde von nur zwei Anstiegstagen in der letzten Woche glattgestellt. Damit zeigt der Aufwärtstrend Zähne. Hoffnungen auf Preissenkung lösten sich in Luft auf. Die seit Wochen proklamierte Richtung der Preise nimmt ihren Lauf. Im besten aller Fälle wird sie mehr oder weniger seitwärts ziehen. Für eine freundliche Wende der Preisrichtung, die wir am Freitag gerade zu erahnen begannen, sehen wir heute keine Grundlage mehr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir heute eine wirklich sparsame Heizung.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen