Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Der letzte Strohhalm

Mit den US-Bestandsdaten konnte man gestern keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken. Mit China ging das hingegen ausgezeichnet. Euphorisch reagierte die Rohstoffszene auf die Ankündigung, die Infrastruktur des Landes im Rahmen eines Konjunkturprogramms auszubauen. Beton- und Stahlbauer, Kabelverleger und wer sonst noch für die Sache gebraucht wird, sieht nicht nur Licht am Horizont, er sieht die Sonne aufgehen. Die Sonne ging auch für die Ölnotierungen auf und das recht steil. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die Notierungen in einer sonnigen und ruhigen Bahn weiterlaufen. Wahrscheinlich ist hingegen, dass dieser Aufgang, wie der in der letzten Woche, ein Strohfeuer sein wird. Denn außer dem Sonnenaufgang in China hat der Lagebericht zur weltweiten Konjunktur nur Dunkelheit zu bieten. Und dass die chinesische Konjunktur wieder aufsteht, ist bisher nur ein Traum. Der schaffte es immerhin, die Anlegerschaft aus dem Dollar in andere Gelegenheiten zu locken. Damit wird der erwartete Aufwärtstrend für die US-Währung in die Zukunft verschoben. So schlagen sich Öl- und Dollarkurse weiterhin auf einem Seitwärtstrend durch.

Die Preisausschläge auf den Seitwärtsbahnen sind zeitweise heftig. Das ist ein Zeichen für große Unruhe in den Märkten. Offensichtlich ist man noch weit von einer Stunde Null einer neuen Weltwirtschaft entfernt. Die alten Geister der spekulativen Geldströme sitzen in den Startlöchern, bereit jederzeit ihr verheerendes Spiel fortzusetzen. Solange das der Fall ist, dürfte die nachhaltige Genesung keine Chance haben. Jedes zarte Konjunkturgewächs würde dem hinlänglich bekannten Wahnsinn zum Opfer fallen. Für die Ölwelt wurden die Warnungen davor mehrfach ausgesprochen. Ein Anziehen der Wirtschaft würde die Ölpreise rasant in die Höhe treiben. Dabei könnten alte Spitzenwerte schnell übertroffen werden. Die gerade aufgestiegene Wirtschaft würde von exorbitant hohen Preisen umgehend erstickt werden. Diese Gefahr kann nur gebannt werden, wenn Geld nicht mehr der wundersamen Vermehrung seiner selbst dient, sondern in reale Projekte gesteckt wird, die den Lebensbedürfnissen der Menschen entsprechen. Das können Projekte zur Verbesserung von Angeboten, beispielsweise Energie, sein. Es müssen auch Projekte zur Reduzierung der Energienachfrage sein. Hier liegt die größte technische und soziale Herausforderung der industrialisierten Welt. Es geht um nicht weniger als um die Frage nach Wachstum ohne Ausweitung des Angebots. In der alten Denkweise war das unmöglich. Aber nur wenn das bisher Unmögliche gedacht wird, wird man sich aus dem Abwärtsstrudel der Konjunktur befreien können.

Losgelöst von den chinesischen Phantasien und dem Versuch der Spekulanten, sich wieder in Szene zu setzen, verläuft die Ölwelt aktuell in ruhigen Bahnen. Die Nachfrage ist reduziert. Das Angebot ist auskömmlich und es ist mit einem großen Bestandsvolumen gegen kurzfristige Störungen abgesichert. Ausdruck findet dies in den Daten über die wöchentliche Veränderung der US-Bestände. Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) präsentierten Zahlen zeigen eine relativ ungewohnte Übereinstimmung. Und sie zeigen wenig Veränderung.

Rohöl: -0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,2 (DOE) bzw. 0,5 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 83 Prozent gestiegen. Der Wert ist schwach. Doch mehr wollen die Raffineure nicht herausholen, weil es unwirtschaftlich sei. Man rechnet mittlerweile damit, dass in den USA demnächst Raffineriekapazität durch Stilllegung von Anlagen abgebaut wird.

Heute Morgen zeigen die Preise noch keine Tendenz, den gestern übertriebenen Anstieg zu annullieren. Dass das in Kürze geschieht, ist allerdings sehr wahrscheinlich. Die Tonne Gasöl kostet 370,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York bei 44,90 Dollar gehandelt. Die Sorten WTI und Brent haben sich auf eine halbwegs plausible Differenz angenähert. Der US-Dollar kostet 79,33 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Da der Anstieg von einem neuen Tief aus erfolgt, ist das Niveau weiterhin attraktiv. Mit einem längerfristigen Anstieg rechnen wir nicht. Die Preise dürften für einige Zeit seitwärts laufen. Dabei könnten sogar neue Tiefstände erreicht werden. Ausgelöst durch das letzte Preistief schwappte eine weitere Nachfragewelle über den Handel. Die ließ die Lieferzeiten in einigen Regionen wieder steigen. Dennoch halten wir an der Idee fest, dass sich der Markt in den kommenden Wochen beruhigt und zu normalen Lieferzeiten zurückfindet. Trotz der attraktiven Preise raten wir dringend zur Beschäftigung mit dem eigenen Verbrauch an, um diesen mittelfristig zu senken. Schauen Sie hierzu mal auf www.esytrol.com.

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