Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Der unheimliche Gewinnwille

Die Marschrichtung steht. Die Stimmung ist gut. Der eine oder andere Knüppel, der dem Kommando Ölgewinne unter der Leitung von Goldman Sachs zwischen die Beine geworfen wurde, konnte mit Bravour beseitigt werden. Es gibt keinen Grund am langfristigen Erfolg der Unternehmung zu zweifeln. Ölgewinne haben nicht die Gewinnung neuer Ölquellen zum Ziel, sondern am Preis zu gewinnen. Neue Quellen sind dabei eher kontraproduktiv, weil sie die Moral des Kommandos beeinträchtigen könnten. Denn seine Losung heißt: Das Ölangebot wird knapp, deshalb muss der Ölpreis gewinnen. Die Kämpfer beweisen immer wieder mentale Stärke, wenn sie die harte Realität des Ölangebots ausblenden und treu ihrer Losung folgen. Gestern war wieder so ein Tag, an dem die ganze Willenskraft gefordert war. Die Veröffentlichung der US-Bestandszahlen war nicht nur ein Knüppel, sie war ein Baum zwischen den Beinen. An dem hätte das Kommando nicht scheitern können, sondern scheitern müssen. Aber als genau das drohte, blitzte wieder dieser unheimliche Gewinnwille auf. Und tatsächlich, keine zwei Stunden nach dem drohenden Desaster war man wieder klar am Ziel orientiert, nämlich mit dem Ölpreis zu gewinnen. Ein deutlicher Preiseinbruch war mehr als ausgebessert.

Die Zahlen, die das DOE (Department of Energy) zur wöchentlichen Veränderung in den US-Tanklagern nannte, zeigten einen außergewöhnlich hohen Aufbau und stellten die Idee, die mit der konjunkturell bedingten Nachfragesteigerung verbunden ist, ad absurdum. Die zuvor erschienenen, anders lautenden Zahlen des API (American Petroleum Institute) wurden traditionsgemäß untergewichtet. Im Einzelnen mussten sich die Kämpfer für höhere Ölpreise folgenden Fakten stellen:

Rohöl: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 7,6 (DOE) bzw. ein Abbau von 5,5 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung bleibt bei 86 Prozent. Dass die auf kurzfristige Veränderungen ausgerichteten Zahlen die Realität tatsächlich treffen, wird zu Recht in Zweifel gestellt. Gleichwohl fügen sich diese Zahlen in die längerfristige Betrachtung der Bevorratung ein. Und die zeigt nach wie vor außerordentlich hohe Bestände, genauer gesagt die zweithöchsten der jüngeren Geschichte. Dass die konjunkturell bedingte Nachfragesteigerung den Markt auch nur ansatzweise anspannen könnte, ist zumindest für die USA und für Europa eine Schimäre.

Zur Rettung der Losung wurde schließlich die Aufhebung des Flugverbots in Europa aus der Schublade gezogen. Dieses Verbot brachte dem weltweiten Markt einen täglichen Gewinn an Öl von einer Mio. Barrel. In die US-Bestandsdaten konnte es kaum eingehen, weil die bereits am letzten Freitag erhoben wurden. Bis dahin waren lediglich ein paar wenige Intercontinentalflüge ausgefallen. Gleichwohl nutzte das Kommando Ölgewinne die Lage, um besonders Heizölkontrakte, die auch Kerosin repräsentieren, in die Höhe zu treiben. Dabei kam ihm zugute, dass das allgemeine Engagement in diese Papiere reduziert ist, so dass eine massierte Einzelaktion preisbedeutender wird.

Keine hervorgehobene Erwähnung fand China in seiner Eigenschaft als globale Wirtschaftslokomotive und ölfressendes Ungeheuer. Dabei ist das Land die Wunderwaffe für Ölgewinne. Es bleibt aber selbst für hart gesottene Kämpfer in der Sache ein kommunikatives Fragezeichen. Die letzte veröffentlichte Zahl zur Steigerung der Rohölimporte für März dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr von 29 Prozent findet kein hohes Vertrauen als Aussage über den Verbrauch. Das meiste Öl, so die Vermutung, fließt in den Lageraufbau. Immerhin kann man argumentieren, wenn die Chinesen trotz der hohen Preise große Mengen zur Bevorratung kaufen, gehen sie davon aus, dass Öl bald noch teurer sein wird. Daran lässt das Kommando Ölgewinne in der Tat kaum einen Zweifel zu.

Heute Morgen ist es wieder auf dem Vormarsch, nachdem in der Nacht etwas Preis hergegeben wurde. Der Zug nach vorn ist deutlich spürbar. Einzig der Preis für US-Rohöl hängt hinterher. Das deutet auf eine plötzlich wahrgenommene Nachfrageschwäche in den USA hin. Im Sinne des Kommandos handelt es sich dabei um einen Betriebsunfall. Ein solcher tritt von Zeit zu Zeit auf. Bisher waren alle diese Vorkommnisse unbedeutend für die übergeordnete Zielorientierung an der Losung vom knappen Öl und mit hohem Preis. Die Tonne Gasöl kostet 704 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 83,57 und in London 85,65 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,60 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen ordentlich an. Sie erfüllen die Erwartungen zum Leidwesen der Verbraucher. Aktuell kommt der Auftrieb sowohl von den Öl- als auch von den Devisenbörsen. Insgesamt besteht die Sorge, dass beide für den Heizölpreis wichtigen Teilbereiche auch zukünftig eher von Auf- als von Abtriebswetten geleitet werden. Deshalb scheint es uns keine empfehlenswerte Handlungsanweisung zu sein, den gegenwärtig als relativ hoch empfundenen Heizölpreis auszusitzen. Das Resultat birgt die nicht unerhebliche Gefahr, zu einem noch höheren Preis kaufen zu müssen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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