Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Die Abkehr vom Realen

Die Ölpreise befinden sich im Schnittpunkt zweier Kraftfelder, von denen sie angezogen werden. Im Süden liegt die „profane“ Realwirtschaft, im Norden thront die „heilige“ Geldwirtschaft. Süden ist unten, Norden ist oben. Die Mitte ist absolut instabil. Chaotische Bewegungen sind der Normalfall. Damit ist eigentlich alles zur aktuellen Lage und zu den Preisaussichten gesagt.

Ergänzend sei noch erwähnt, dass sich die Realwirtschaft mindestens in den alten Industrienationen in schlechter Verfassung befinden. Um sich nicht permanent mit den niederschmetternden Daten konfrontiert zu sehen, ist man dazu übergegangen, eine Ableitung des Wirtschaftswachstums zu betrachten. In der ersten oder zweiten Ableitung findet man positive Werte. Experten sind sich noch nicht im Klaren, ob die Basisdaten noch fallen und lediglich der Fall gebremst wird, die positive Nachricht entstammte in dem Fall der zweiten Ableitung, oder ob die Basisdaten das Tief durchlaufen haben, die positive Nachricht läge dann in der ersten Ableitung. Wenn Sie diese Zusammenhänge schon in der Schule nicht verstanden haben, können Sie nun leider keine positiven Nachrichten empfangen. Sie müssen dann diese Tatsachen zur Kenntnis nehmen: Die Arbeitslosigkeit wie auch die Staatsverschuldung werden steigen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse fast aller Menschen werden sich verschlechtern.

Sollten Sie hingegen in den Sphären der Ableitungen denken können, haben Sie die notwendige Voraussetzung, sich der Realität zu entziehen. Sie haben die Möglichkeit, die Lage schön zu reden. Machen Sie es doch so wie die Geldwirte. Die kümmern sich fast ausschließlich um Ableitungen, auch Derivate genannt. Es geht ihnen damit prächtig. Sie haben sich dem Profanen vollkommen entzogen. Man könnte sagen, sie sind erleuchtet. Zugegeben, zuletzt bedurfte es hoher rhetorischer Künste, der bodenständigen Politik eine ordentliche Ausstockung der Spielgeldbestände abzuverlangen. Nachdem der Sündenfall einmal herbeigeführt wurde, eröffnen sich nun weitere Möglichkeiten für die Geldwirtschaft. Sie ist im besten Sinn des Worts aufgestiegen. Ihre Protagonisten sind sich selbst im Spiel mit den großen Zahlen genug.

Ihre Sache ist derartig attraktiv, dass sogar der Ölpreis als Wert eines eigentlich profanen Stoffes angezogen wird. Der hätte dazu gar keinen Grund, denn Öl ist auf Jahre hinaus alles andere als knapp. Das besagen sämtliche Prognosen zu Angebot und Nachfrage. Das zeigen erneut die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) erhobenen Daten zur wöchentlichen Veränderung der US-Bestände. Diese Daten sind zwar sehr widersprüchlich. Der gemeinsame Nenner wird aber deutlich. Die Bestände bleiben außerordentlich hoch. Die gemeldeten Werte lauten wie folgt:

Rohöl: -1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,2 (DOE) bzw. 4,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen auf dem Niveau der Vorwoche. Sie sind geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist um zwei Prozent auf 86 Prozent gefallen. Während ein solcher Fall früher ein starkes bullisches Signal darstellte, ist er heute Ausdruck zu hoher Raffineriekapazitäten. Das jahrelange Bottleneck existiert nicht mehr. Bedingt durch den Aufbau neuer Anlagen in Asien und durch den weltweiten Nachfragerückgang gibt es nun Überkapazitäten. Das erfordert das bis vor Kurzem noch Undenkbare. Raffinerien müssen aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet oder sogar stillgelegt werden.

Heute Morgen wird im Ölmarkt nicht die reale Lage gehandelt. Erneut ist dieser Markt Teil der globalen Geldwirtschaft. Und die befindet sich im Aufwind. Charttechnisch wird die Situation mittlerweile aber selbst für das abgehobene Spiel zur Wackelpartie. Es gibt deutliche Signale einer Überhitzung. Die Preise drohen zu fallen. Die Frage ist, ob es ein Fall in der laufenden Aufwärtsbewegung sein wird, also eine Gegenbewegung, oder ob es ein Rückfall in die übergeordnete Abwärtsbewegung werden wird. Die Geldgötter scheinen letzterem derzeit nicht gnädig gestimmt zu sein. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 545 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 65,47 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,25 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen weiter an. Der Weltmarkt lässt Ihnen keine andere Wahl. Ursächlich sind die gewaltigen Mittel, die der Geldwirtschaft durch die Politik zur Verfügung gestellt wurden. Die treiben nun den Preis. Verbraucher werden am langen Ende leider doppelt zur Kasse gebeten, durch unsinnig erhöhte Ölpreise und durch Steuererhöhungen, mit denen die Staatsmittel für die Geldwirtschaft finanziert werden müssen. Auf derartig verwerfliche Erscheinungen kann man nur mit drastischer Reduzierung des Verbrauchs sinnvoll reagieren. Ihr Haus bietet hierfür mit Sicherheit beachtliches Potenzial. Prüfen Sie das doch mal mit dem Logbuch für den Heizölverbrauch.

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