Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Die Bullen sind los

An der Ölbörsen herrscht Goldgräberstimmung. Die Preise durchbrechen alle Widerstände. Seit Tagen kennen sie nur eine Richtung. Aufwärts. Gestern wurde diese Richtung durch die US-Bestandsdaten gefestigt. Bereits vor Veröffentlichung der Zahlen war klar, dass der Drang nach oben nur durch einen unerwartet starken Anstieg der Vorräte gestoppt werden könnte. Ein Anstieg wurde nicht gemeldet. Zur Freude der Spekulanten kam ein überraschend starker Rückgang der Benzinbestände auf den Tisch. Er wird als Versinnbildlichung für die Auferstehung der US-Konjunktur angebetet. Die dargebotenen Opfergaben in Form von spekulativ eingesetztem Geld machen sich bezahlt. Die vor dem bullischen Ausbruch getätigten Investments haben den Vergleich mit einer Opfergabe durchaus verdient. Die Aussicht auf Rendite war beileibe nicht selbstverständlich. Denn nach wie vor ist der Markt mit Öl erheblich überversorgt. Die nahe liegende Wette lautete also auf fallende Preise. Geld in eine gegenteilige Wette zu stecken, hieß, es sinnlos herzugeben, es zu opfern. Die Opfer haben ihren Zweck erfüllt.

Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) vorgelegten Daten zur wöchentlichen Veränderung der US-Vorräte lauten wie folgt:

Rohöl: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 6,0 (DOE) bzw. 2,7 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 81 Prozent gesunken. Damit liegt eine plausible Erklärung für den Rückgang der Vorräte vor. Da weder das Angebot auf dem Weltmarkt noch der technische Zustand der Raffinerien derartig schwache Zahlen rechtfertigen, kann daraus nur der Schluss gezogen werden, dass die Ölgesellschaften ihre Aktivitäten drosseln. Diese Tatsache deutet nicht auf ein Anziehen der Konjunktur hin sondern auf die Erwartung einer weiterhin schwachen Wirtschaftsentwicklung. Das wird den Opfer gebenden Spekulanten herzlich gleichgültig sein, solange ihr Gott ihnen gnädig gestimmt ist.

Aus konjunktureller Sicht gibt es große Bedenken zur Höhe des Ölpreises. Durch Angebot und Nachfrage ist der Preis definitiv nicht gerechtfertigt. Das heißt allerdings nicht, dass alles an diesem Preis verkehrt ist. Öl und seine Produkte müssen gefördert, gereinigt, produziert und transportiert werden. Zuvor muss Öl gefunden werden. Die potenziellen Quellen müssen erschlossen werden. Das alles kostet Geld. Die Kosten steigen, weil das billige Öl mittlerweile weitgehend verbraucht ist. Allein das Finden und Erschließen einer Ölquelle schlägt heute mit über 25 Dollar pro Barrel zu Buche. Saudi Arabien kalkuliert auf einer Vollkostenbasis von 43 Dollar pro Barrel. Das Land verdient beim aktuellen Ölpreis also gewaltig viel Geld. Das geht aber nicht allen Produzenten so. Volkswirte nehmen an, dass Venezuela einen Ölpreis von 80 Dollar benötigt, um eine langfristig stabile Ölwirtschaft betreiben zu können. Noch höher ist der Preisanspruch im Fall der kanadischen Ölsände. Viele Länder haben ihre Investments in den Ausbau oder den Ersatz der Ölinfrastruktur zurückgefahren, damit die Kostenbasis zu einem erwartet niedrigeren Preis passt. Im Iran kalkuliert man nach Anpassung mit Vollkosten unter 40 Dollar pro Barrel. Dort wird nun also ebenfalls ausgezeichnet verdient. Es darf aber bezweifelt werden, dass das Geschäft langfristig stabil ist. Man lebt derzeit von der Substanz. Der aktuelle Preis böte beste Voraussetzungen, das zu ändern und in eine verlässliche Ölwirtschaft zu investieren. Da die Lenker dieser Wirtschaft aber nicht an die Stabilität eines hohen Preises glauben, unterbleiben die Investitionen. Die unerhofften Gewinne werden gerne mitgenommen. Sie tragen aber in keiner Weise zu einer Stabilisierung der Ölwirtschaft bei. Das wiederum birgt die Gefahr, dass die Preise früher oder später erneut vollkommen aus dem Ruder laufen. Ein verlässlicher Preis auf dem aktuellen Niveau wäre hingegen eine solide Basis für eine verlässliche Ölwirtschaft und einen langfristig deutlich stabileren eventuell sogar tieferen Ölpreis.

Heute Morgen halten die Spekulanten das hohe Niveau stabil. Verlässlichkeit kommt dadurch natürlich nicht ins Spiel. Der Aufwärtstrend ist dermaßen überzogen, dass er nicht mehr als verlässlich angesehen werden kann. Aber er lebt. Die Tonne Gasöl kostet 616 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 77,90 Dollar. Der US-Dollar wird zu 67,04 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise zieht es immer weiter in die Höhe. Der sinkende Dollar schafft nur wenig Entlastung. Immerhin gehen die Auswirkungen der Transportprobleme auf den Wasserstraßen zurück, so dass die Preise innerhalb Deutschlands wieder näher zusammenrücken. Das alles geschieht zwar nach wie vor nicht auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Die Preise sind immer noch erheblich günstiger als vor einem Jahr. Es geschieht gleichwohl auf einem Niveau, dass nicht zur realen Marktlage passt. Öl müsste günstiger sein. Dass es das wird, glauben wird derzeit nicht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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