Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Die Bullen toben wieder

Die Ölnotierungen befinden sich in einem klaren Aufwärtstrend. Auftakt für diese Bewegung war Freitag der 29. Juni. Das war der Tag, an dem Angela Merkel ihren Widerstand gegen die Sozialisierung europäischer Bankschulden lockerte. An diesem Tag löste sich die Katerstimmung der Finanzszene. Seit diesem Tag stiegen die Rohölnotierungen der Sorte Brent um 15 Prozent. Der Wert gilt für die Dollarbasis, in der sie abgerechnet werden. In Euro umgerechnet stiegen die Notierungen sogar um 17 Prozent.

Es gibt einige bullische Argumente, die einen Anstieg der Ölnotierungen untermauern. Da ist zum einen der Atomstreit mit dem Iran, der bisher im Ölboykott und im kalten Krieg mündete. Die fehlenden Ölmengen aus dem Iran haben die OPEC-Lieferungen reduziert. Da ist zum anderen die globale Nachfrage, die trotz launischer Konjunktur weiter steigt. Nun gibt es berechtigte Sorgen, dass der Markt in absehbarer Zeit in einer ähnlichen Lage sein wird wie in 2008. Damals war die Ölversorgung grenzwertig. Eine solche Lage liegt heute aber noch nicht vor. Im Gegenteil, der globale Markt ist derzeit überversorgt. Störungen sind regional und temporär begrenzt. Saudi Arabien als Hauptverursacher der Überversorgung macht keine Anstalten, seine Ölpolitik zu ändern.

Die aktuellen Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die wöchentliche Veränderung der US-Lagerbestände unterstreichen die Marktlage. Sie ist ausgewogen.

Rohöl: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,0 (DOE) bzw. 1,3 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist wieder auf immer noch starke 92 Prozent gesunken. Die Gesamtbevorratung ist seit drei Jahren kaum verändert, wie diese Grafik zeigt. Die US-Nachfrage ist im gleichen Zeitraum zurückgegangen.

Sorgen vor einer globalen Ölknappheit können genauso gut in Sorgen vor einem Einbruch der globalen Konjunktur umschlagen. Das würde die Ölpreisbildung wieder wenden. Trends wirken nur stabil. Sie sind es nicht. Die Preissituation ist extrem labil. Politische Maßnahmen können sie jederzeit aus der Bahn werfen. Die Finanzszene ist im Dauereinsatz, um solche Maßnahmen zu ihrem Gunsten zu erwirken. Derzeit bearbeitet sie die US-Notenbank, damit die ihre Geldpolitik lockert. Wenn das gelingen sollte, würde der Aufwärtstrend Unterstützung erfahren.

Da Politik die Realwirtschaft nicht vollkommen außer acht lassen kann, muss sie die erhoffte Wirkung einer lockeren Geldpolitik abwägen. Sie soll die Wirtschaft unterstützen. Sie unterstützt aber auch die Preise für Öl und andere Ressourcen. Sie wirkt in jedem Fall inflationär. Diese Tatsache scheint die US-Notenbank nun zu beachten. Deshalb kann es sein, dass alles Drängen der Finanzszene verpufft. In dem Fall würden die Ölpreise kaum über die alten Jahreshöchststände hinauskommen. Dort angekommen sorgen sie nämlich für gewaltige Konjunkturängste.

Heute Morgen geht der Aufwärtslauf unverändert weiter. Die Preise sind Getriebene. Die Tonne Gasöl kostet 944,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 90,50 Dollar und in London zu 106,06 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 81,37 Eurocent.

Unsere Heizölpreise befinden sich in einem scharfen kurzfristigen Aufwärtstrend. Den haben sie Politik und Finanzwelt zu verdanken. Mittelfristig sehen wir das Geschehen in einem breiten Seitwärtstrend. Langfristig gilt ein Aufwärtstrend. Das wird niemanden wundern. Hierin kommt die Begrenztheit der fossilen Ressourcen zum Ausdruck. In den kommenden Wochen erwarten wir nichts anderes als steigende Heizölpreise. Interessant könnte es in ein bis zwei Monaten werden, wenn am Weltmarkt neue Höchstpreise anstehen. Dann sehen wir durchaus die Chance auf einen erneuten Preiseinbruch. Heizöl dürfte bis dahin allerdings alte Jahreshochs deutlich überschritten haben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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