Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Die Bullen wollen raus

Die geopolitische Lage ist Wasser auf den Mühlen der Bullen. Mit Ignoranz für die historisch hohen Lagerbestände gelingt es ihnen, die Preise in die Höhe zu treiben. Der Seitwärtstrend hängt am seidenen Faden. Ein Aufwärtstrend droht sogar ohne Hurrikan in Fahrt zu kommen. Der Dollar verlor gestern an Wert. Zinsphantasien für den Euro und ein negativer Stimmungsindex zur US-Wirtschaft werden als Auslöser angegeben.

Es vergeht kaum ein Tag ohne Veröffentlichung eines US-Wirtschaftsindikators. Zu mehr als einer Begründung für die Tagesstimmung ist die Indexflut kaum zu gebrauchen. Der Trend wird wahrscheinlich der Zinserwartung folgen. Und die sollte nun längerfristig am Euro und nicht am Dollar hängen. Das letzte signifikante Dollartief datiert vom Januar 2005. Es lag rund 8 Prozent tiefer als der aktuelle Kurs.

Auf Grund des langen Wochenendes um den Unabhängigkeitstag wurden die US-Vorratsdaten gestern mit einem Tag Verspätung gemeldet. Die Erwartungen waren negativ. Ein hoher Benzinverbrauch sollte die Vorräte belasten. Im Gegensatz zu den ersten Monaten des Jahres scheint der Verbrauch nun wieder zu steigen. Für Juni wird ein Plus von1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat angegeben. Der Verbrauch in der letzten Juni-Woche sei der zweithöchste jemals gemessene gewesen. Die Daten, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) präsentierten, sind aber gar nicht so schlecht. Sie lauten:

Rohöl: -2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,7 (DOE) bzw. von 0,8 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche aber höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit liegt bei 93 Prozent. Der Wert ist den Umständen entsprechend akzeptabel. Im letzten Jahr war er 5 Prozent höher. Aber das war vor den zerstörerischen Hurrikanen.

Die weniger schlecht als erwartet ausgefallenen Bestandsmeldungen konnten die Preise nicht nachhaltig drücken. Der gestiegene Benzinverbrauch und politische Einflussfaktoren bekamen mehr Beachtung. Wie beim Dollar werden auch hier wechselhafte Einzelindikatoren gehandelt und nicht der übergeordnete Sachverhalt. Der sieht, was die Versorgung betrifft, gut aus. Die Vorräte stehen nahe einem historischen Hoch. Der Ölverbrauch der USA ging in 2005 um 0,2 Prozent zurück. Das ist zwar verglichen mit anderen Industriestaaten kein guter Wert. Aber er deutet einen Trendbruch an. Zum Vergleich: In Deutschland ging der Verbrauch im letzten Jahr um 1,7 Prozent zurück.

Es sieht so aus, als baue sich mit der aktuellen Preisentwicklung deutliches Abwärtspotenzial auf. Kurzfristig scheint es sich aber nicht entladen zu können. Die diplomatischen Krisen mit dem Iran, mit Nordkorea und zwischen Israel und Palästina erzeugen Ängste. Sie treiben die Preise. Und dann sind da noch die anstehenden Hurrikane im Golf von Mexiko, die, wenn sie losbrechen, den Preisen Flügel geben werden.

Heute Morgen hält die Entwicklung der Gasölpreise zwar inne. Die Tonne kostet 641 $. Gestern wurden über 645 $ erreicht. Die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Anstieg im Tagesverlauf ist aber hoch.

Unsere Heizölpreise befinden sich wieder an der Kante zu einem Aufwärtstrend. Die Entwicklung am internationalen Markt gibt nur noch wenig Anlass auf Besseres zu hoffen. Der Dollar sollte zwar dämpfend wirken. Verhindern kann er steigende Preise, die sich trotz guter Versorgungslage durchzusetzen drohen, aber kaum.

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