Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Die FED macht’s wie erwartet

Der Ölmarkt in den USA entwickelt bemerkenswerte Erscheinungen von Überversorgung. Das Angebot wächst. Hierzu tragen sowohl die Förderung im eigenen Land als auch ihre mittlerweile durchrenovierten Raffinerien bei. Die Nachfrage sinkt. Verbraucher entdecken das Sparen gewollt oder gezwungen als neuen Lebensstil. Er stellt alle Bemühungen der Regierung, den über Jahrzehnte erfolgreich praktizierten Konsumismus zu beleben, infrage. Die Daten aus den US-Tanklagern sind der wöchentlich wiederkehrende Beleg für diese These. Mit den aktuellen Veröffentlichungen legen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) ähnlich lautende Zahlen vor.

Rohöl: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +5,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 8,8 (DOE) bzw. 6,7 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 90 Prozent. Das ist ein ordentlicher Wert, um das Problem der schwachen Heizölbevorratung zu überwinden. Im Nordosten des Landes, der Region mit den meisten Ölheizungen, stieg die Bevorratung bereits auf das Septemberniveau. Sie bietet damit keinen Anlass mehr, Knappheit zu befürchten. Milde Wintertemperaturen sorgen für zusätzliche Entspannung.

Der Zwang des US-Wirtschaftssystems zum Konsum, prinzipiell besteht er in allen an Wachstum ausgerichteten Staaten, ist ein Kernproblem der verfahrenen Situation des Landes. Als solches fällt er nur solange nicht negativ auf, wie die Anreize für Wachstum, die tatsächlichen Lebensverhältnisse und das Geld- und Finanzsystem im Gleichtakt schwingen. Derzeit ist alles aus dem Ruder gelaufen. Es gibt mehr Geldvermögen als die reale Wirtschaft benötigt. Dieses Vermögen ist auf zu wenige Menschen verteilt, sodass es seiner „Konsumpflicht“ nicht nachkommen kann. Wenige Reiche können unmöglich soviel konsumieren wie viele Nichtreiche. Aber selbst wenn das Geld gerechter verteilt wäre, stünden dem Konsum die real begrenzten Ressourcen entgegen. Derzeit fällt das nicht auf, weil auf die Ressourcen nur gedrosselt exzessiv zugegriffen wird.

Wo soll die Regierung den Hebel zur Wiederherstellung des Gleichtakts ansetzen? Naheliegend wäre die Umverteilung der überschüssigen Geldvermögen, um damit eine an Nachhaltigkeit ausgerichtete Gesellschaft aufzubauen. Diese muss allen Menschen Lohn und Brot bieten. Damit das funktioniert müssen überkommene Vorstellungen von Produktivität und Profit, die einzig den Shareholdern dienen, überwunden werden. Das zu akzeptieren, sind die Halter der Geld- und Finanzvermögen noch nicht bereit. Sie blockieren die Einigung zwischen Regierung und Opposition, die die Voraussetzung für einen zukunftsweisenden Weg ist. Und sie zwingen die FED zur vermeintlichen Rettung ihrer Vermögen, indem sie immer neues Geld, das keine Entsprechung in der Realwirtschaft hat, auf den Markt wirft. Damit begünstigt sie nicht nur den kleinen vermögenden Teil der Bevölkerung, sondern vergrößert das Problem beim überwältigenden Rest, weil dieser das untrennbare Gegenstück zum frischen Geld, die frischen Schulden, zu tragen hat. In Griechenland wird das Prinzip derzeit besonders deutlich. Dort werden Massen von Geld ins System gepumpt, die einzig den Banken und ihren vermögenden Kunden im In- und Ausland zugute kommen. Die Bevölkerung sieht nichts von den „Hilfen“.

Gestern war wieder so ein „Hilfstag“. Dieses Mal handelte die FED und die „Märkte“ goutierten das. Der Vorgang kam nicht überraschend. Er kam nur früher als erwartet, jedenfalls für mich. Aber er deutete sich in den letzten Tagen bereits an. Insofern kam er doch erwartet. Die Ölnotierungen wurden trotz der durch und durch bärischen Realmarktlage in die Höhe getrieben. Der Dollar gab wegen der erhöhten Liquidität nach. Der Euro legt demzufolge zu.

Darüber hinaus hatte der Tag noch ein paar durchwachsene Konjunkturdaten zu bieten und die Entscheidung der OPEC, ihren alten Generalsekretär mangels einer Einigung auf einen neuen wiederzuwählen. Kontinuität bewahrte das Kartell auch hinsichtlich der Quotierung. Alles bleibt wie gehabt.

Heute Morgen zappeln die Ölbörsen auf erhöhtem Niveau. Man tut sich offenbar schwer damit, das neue Geld beherzt in immer höhere Öl- und Aktiennotierungen zu überführen. Irgendwie beißt die fehlende Realmarktperspektive doch an der plumpen Geldgier der Finanzjongleure. Die Tonne Gasöl kostet 921,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 86,51 Dollar und in London zu 109,28 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,46 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen zu. Das ist eindeutig auf die Frischgeldmaßnahme der FED zurückzuführen. Wie in den letzten Tagen bereits angedeutet, kann daraus eine kleine Weihnachtsrallye werden. Deshalb erging der Rat, Heizöl zu ordern. Er wurde bereits von vielen Verbrauchern umgesetzt. Noch ist es nicht zu spät, ihm zu folgen. Die Heizölpreise sollten nach dem Jahreswechsel eigentlich noch tiefer fallen. Das jedenfalls wäre angesichts des Realmarkts logisch. Marktlogik ist aber nicht die Sache von Notenbanken und Regierungen. Insofern ist die Prognose mit Vorsicht zu verwenden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dieser Gewinn würde Sie dabei kräftig unterstützen.

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