Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Die Gier ist zurück

Öl ist teuer geworden. Dem Preis der Rohölsorte Brent fehlt nur noch ein Plus von 15 Prozent, um den Rekordwert vom Sommer 2008 zu toppen. Der Heizölpreis hat eine Lücke von kaum 12 Prozent, um den alten Höchstwert einzustellen. Die geringere Differenz gegenüber dem Rohöl ist Folge des Währungsunterschieds. Der Dollar war vor drei Jahren billiger als heute. Im Preischart wird die Wucht des Anstiegs deutlich. Seine Steilheit ist Zeugnis der zurückgekehrten Gier. Seit dem letzten Herbst trommelt die Finanzindustrie auf Öl und andere Rohstoffe wieder so ein wie vor der Finanzkrise. Die in Zahlen ausgedrückte bullische Einstellung übertrifft die der Vorkrisenzeit. Diese Tatsache gibt vielen Verbrauchern Anlass, auf den erneuten Absturz zu hoffen und zu setzen. Die aktuelle Lage ist allerdings nicht mit der vor drei Jahren vergleichbar.

Derzeit ist der Markt besser mit Öl versorgt als damals. Er ist es, obwohl Ausfälle aufgrund der bekannten Unruhen in einigen Lieferländern zu beklagen sind. Die gute Versorgung wird in den USA besonders deutlich. Das Land droht in einer partiellen Rohölschwemme zu ersaufen. Auch hier gibt es ein Obwohl anzumerken, obwohl die Versorgung aus dem Golf von Mexiko als Folge des Deepwater Horizon Unglücks litt. Die Vorräte in den öffentlichen Lagern sind zehn Prozent höher als im Frühjahr 2008. Beim Heizöl beträgt das Plus 35 Prozent. Die jüngsten Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Veränderung in den US-Lagern ändern an diesem Bild nichts. Sie lauten folgendermaßen:

Rohöl: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,8 (DOE) bzw. ein Abbau von 3,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt unverändert 84 Prozent.

Die Finanzindustrie hat es angesichts der realen Marktlage schwer, ihren bullischen Wahn argumentativ hinreichend zu unterfüttern. Sie verwendet zukünftige Ereignisse mit zweifelhafter Eintrittswahrscheinlichkeit wie den Benzinverbrauch während der kommenden Fahrsaison, der höher angenommen wird als in den letzten Jahren, und die zu erwartenden Hurrikane im Spätsommer, deren Zahl natürlich ebenfalls über dem langjährigen Mittel liegen soll. Dass jeder weiß, wie unseriös derartige Argumente sind, spielt keine Rolle, solange alle am Finanzzirkus Beteiligten sich einig sind, ihnen zu folgen. Nicht minder vage sind Szenarien über Lieferausfälle aus der arabischen Welt, weil niemand den Gang der sozialen Unruhen vorhersehen kann. Einzig die Tatsache, dass diese Erde die bestehenden Wachstumsforderungen für die Wirtschaft langfristig nicht mit ausreichend Öl decken kann, ist ein stichhaltiges Argument. Es hat aber nichts mit den aktuellen Marktanforderungen zu tun. Es betrifft die zukünftige Lebens- und Politikausrichtung. Man kann nur hoffen, dass diese wichtigen Fragen nicht dem Wahnsinn der Finanzmärkte geopfert werden.

Nun sind solche Argumente nicht das, was die Finanzindustrie im Kern umtreibt. Dort geht es außerordentlich technokratisch zu. Ziel ist es, Gewinn zu machen. Auf wessen Kosten das geschieht, ist allenfalls eine moralische aber keine zielorientierte Frage. Gesellschaftlich verhält es sich genau umgekehrt. Ziel ist es, ein Gemeinwesen zu formen, das alle Menschen mitnimmt. Wenn es der Sache dient, dass einzelne Menschen dabei mehr Gewinn machen, ist das gut. Es ist aber nicht das Ziel, sondern nur das Mittel zur Zielerreichung. Das Problem ist, dass maßgebliche Teile der Politik das allgemeine Ziel aus den Augen verloren haben oder zumindest den Weg zu diesem Ziel nicht mehr kennen. Sie haben die Volksvertretung zugunsten der Vertretung der Interessen der Finanzwirtschaft aufgegeben. Interessanterweise erfolgte der ultimative Schulterschluss genau in dem Moment, da die fehlerhafte Aufstellung der Finanzindustrie offenkundig wurde, im Moment der Krise. Anders als im aktuellen Fall der Krise der Atomindustrie zog die Politik vor drei Jahren aber nicht die Notbremse. Stattdessen verschrieb sie sich der Rettung des Finanzsystems, dessen Ausprägung für die Menschheit nicht minder gefährlich ist wie die der Atomwirtschaft.

Weil politische Doktrin dem Erhalt des bestehenden Finanzsystems oberste Priorität einräumt, genießt es eine Art absoluten Bestandsschutz. Ihm werden alle anderen Interessen untergeordnet. Anders als vor drei Jahren, ist ein Zusammenbruch heute sehr unwahrscheinlich. Deshalb hat die Spekulation auf einen Einbruch der Ölpreise kaum Aussicht auf Erfolg. Gegen diesen Einbruch spricht derzeit auch, dass die in Aktienkursen manifestierte Wirtschaftserwartung mit den Ölpreisen steigt. Vor drei Jahren stiegen die Ölpreise, während die Aktienkurse bereits sanken. Mit anderen Worten, heute verhält sich die Finanzszene konsistent, während sie vor drei Jahren bereits Zweifel signalisierte.

Heute Morgen bewegen sich die Ölpreise auf annähernd konstantem Niveau. Sie haben ein neues Hoch erreicht, das vermutlich eine Konsolidierung erfahren wird. Dabei können die Notierungen auch ein Stück zurückkommen. Der bullischen Fortgang nach einer Konsolidierungsphase ist sehr wahrscheinlich. Die Tonne Gasöl kostet 1033,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 108,67 und in London zu 121,87 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69,99 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bewegen sich so gut wie gar nicht. Gestern hielt der Dollar erneut gegen den Ölpreisanstieg. Diese Paarung der Notierungen, Öl rauf und Dollar runter, erwarten wir auch in den kommenden Wochen. Dabei wird es vermutlich zu einer verhaltenen Heizölpreissteigerung kommen. Auf einen nahenden Preisabsturz zu setzen, halten wir nach wie vor für wenig aussichtsreich. Deshalb sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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