Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Die Lektion verstanden

Die Rohölpreise befinden sich im Abwärtstrend. Produktenpreise folgen vorsichtig. In der letzten Woche wurde Öl insgesamt billiger. Am Freitag verhielt sich der Markt unentschieden hinsichtlich der weiteren Entwicklung. Der Dollar verlor in der letzten Woche erheblich an Wert. Auslöser für den Kursrutsch, der den Aufwärtstrend in Frage stellt, waren schlechte Daten über die US-Wirtschaft.

Die Preisbewegungen im Ölmarkt entspringen einem hoffnungsvollen Stimmungswandel. Die Panikmache mit unerhörtem Kurspotential ist bis auf weiteres abgelöst. Zwar sind die Verwüstungen und Zerstörungen durch die Hurrikane Katrina und Rita erheblich. Selbst die Auswirkungen des Hurrikans Dennis sind noch nicht überwunden. Aber sie sind weniger gravierend als die ausufernden Krisenphantasien der Börsianer dies prophezeiten. Sie wurden durch die Freigabe der strategischen Reserven gedämpft. Und sie haben einen Effekt gehabt, der langfristig zu einer nachhaltigen Senkung der Ölpreise beitragen könnte. Die USA haben das Energie-Sparen entdeckt.

Die Ölproduktion im Golf von Mexiko ist nach wie vor erheblich gestört. Rund dreiviertel der Förderleistung liegt noch still. Die Förderung im dritten Quartal wird deutlich unter der des zweiten Quartals erwartet. Aber die Lage belastet den Markt kaum, weil er prinzipiell mit Rohöl überversorgt ist. Rohöl, das in den USA dennoch fehlt, wird aus den strategischen Reserven geliefert. Die wurden bisher um 7,5 Mio. Barrel erleichtert. Die Zahl zeigt, dass der Beitrag eher symbolischer Natur ist. Sie entspricht nämlich weniger als zwei Prozent der Staatsreserven. Die Raffinerien in den Hurrikangebieten wurden erheblich getroffen. Im Gegensatz zu den Förderanlagen im Golf von Mexiko, sind sie inzwischen aber zum größten Teil wieder in Betrieb. Hauptausfallursache waren Ausfälle des öffentlichen Stromnetzes. Die sind mittlerweile behoben.

Insbesondere den Raffinerieausfällen wird der drastische Anstieg der Benzinpreise zugeschrieben. Der hat dazu geführt, dass die US-Verbraucher im September weniger Kraftstoff konsumierten. Die US-Regierung bilanziert eine Belastung aus den gesamten Energiekosten in Höhe von annähernd neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Einen so hohen Wert gab es das letzte Mal im Jahr 1985. U.a. die hohen Ölpreise hatten damals zu einer ernsthaften Wachstumskrise geführt. Die Lage wird von der Bush-Administration nun so ernst genommen, dass der Präsident selbst zum Energiesparen aufruft. Er fordert u.a. zu Einschränkungen beim Autofahren auf. Das Energieministerium wird in den kommenden Wochen mit einer Sparkampagne herauskommen.

Das ist eine ernste Bedrohung für Spekulanten auf hohe Ölpreise. Sie ist für den Rückwärtsgang der Preise äußerst hilfreich. Zumindest der rein spekulative Anteil am hohen Ölpreis sollte nun teilweise abgebaut werden. Er wird auf 15 bis 20 Dollar beim Rohöl geschätzt.

Die IEA (Internationale Energie Agentur, Paris) sieht nach den Worten ihres Chefvolkswirts Fatih Birol gute Chancen für rückläufige Preise in den nächsten Jahren, weil die Versorgungslage weniger kritisch sei als behauptet und weil die hohen Preise den Nachfrageanstieg dämpften. Die Entdeckung der Sparsamkeit wirke zudem unterstützend. Die IEA erwies sich mit ihren Prognosen bisher leiden nicht als besonders treffsicher. Forderungen nach mehr Transparenz im Ölmarkt, die bisher eher eine Kanzlersache waren, werden nun auch aus dem Pariser Haus gestellt.

Ob die aktuelle Korrektur der Ölpreise in einen langfristigen Abwärtstrend übergeht, bleibt hohe Spekulation. Die Bullen sind momentan zwar beeindruckt. Dass sie sich aber dauerhaft aus dem Markt jagen lassen, erscheint höchst zweifelhaft. Schließlich wird es bald Winter. Sollte der Auftakt mit einer heftigen Kältewelle einhergehen, bekämen die Preistreiber wieder Oberwasser. Und die neue Sparsamkeit existiert erst als Modell. Reale Wirkung kann sie noch nicht zeigen.

Heute Morgen halten sich die Gasölpreise auf dem Freitagsniveau. Damit ist die Tages- und Wochenrichtung vollkommen offen. Die Tonne kostet 599,50 $.

Unsere Heizölpreise geben leicht nach. Die Bewegung ist wenig aussagekräftig für den weiteren Verlauf. Es wird lediglich etwas Restpotential der letzten Woche abgelassen. Spekulativ sehen wir der Wochenentwicklung positiv entgegen. Vorsicht vor den Verlockungen der Wunschpreisideen ist dennoch angebracht. Der Ölmarkt hat sich zu oft als Diva der Preisbildung erwiesen.

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