Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Die Märkte haben einen Lauf

Öl folgt Aktien. Diese Devise gilt seit einigen Tagen für die Preisentwicklung. Am Aktienmarkt feiert man jede Konjunkturmeldung, die nicht so negativ ist wie ihre Prognose, mit satten Kursgewinnen. Dass fast alle Meldungen Abschwung und steigende Arbeitslosenzahlen anzeigen, wird geflissentlich ausgeblendet. Spekulanten haben schon wieder eine Blase erzeugt. Am Ölmarkt hielt man lange still. Die Preise liefen näher an den realwirtschaftlichen Bedingungen. Damit ist nun Schluss. Der Funke ist übergesprungen. Gestern durchbrach Rohöl in New York eine No-Go-Marke bei 56 Dollar pro Barrel. Zuvor wurde der höchste Bestandswert in den US-Tanklagern seit 1990 gemessen. Der Dollar hält sich neutral. Die zuletzt typische Gegenbewegung zum Aktienmarkt fällt aus.

Die Wirtschaft wird für lange Zeit schrumpfen. In den letzten Wochen wurden Prognosen über die Dauer der Krise erhöht. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wagte man jüngst mit einer Rückkehr zu Wirtschaftwachstum im Jahr 2013 zu spielen. Das industrielle Produktionsniveau von 2008 würde erst in den darauf folgenden Jahren wieder erreicht werden. Ein Spiel mit Möglichkeiten, deren Verlauf niemand vorhersagen kann. Vielleicht liegen die Spekulanten, die jetzt auf Aufschwung setzen, richtig. Wahrscheinlich ist das nicht. Über der Euphorie liegt der langfristige Abwärtstrend der Kurse. Der wurde noch nicht nach oben durchbrochen. Die Geschichte zeigt, dass nennenswerte Kursgewinne auch in Krisen möglich sind. Nachhaltig sind sie nicht. Und die Geschichte zeigt, dass sich niedrige Ölpreise nach Krisen lange halten.

Die Ölnachfrage ist dermaßen stark eingebrochen, dass der Markt überversorgt ist. Eigentlich leidet er unter einer Ölschwemme. Nichts anderes zeigen die aktuellen US-Bestandsdaten. Allenfalls nehmen sie etwas Schärfe aus der Lagebeschreibung. Möglicherweise ist es dieser Umstand, der den Ölpreisen den Weg nach oben freigab. Ähnlich wie die Aktienkurse auf Konjunkturdaten reagieren, reagieren die Ölpreise auf Lagerdaten. Weniger negativ ist aus Sicht eines Haussespekulanten positiv. Das ist eine Lektion für all diejenigen, die im Mathematikunterricht den praktischen Sinn der Kurvendiskussion infrage gestellt haben. Gehandelt wird hier die erste Ableitung. Mit der kann man bisweilen Geld verdienen. Hat Ihnen Ihr Mathelehrer das nicht gesagt?

Die als relevant angesehenen Bestandsdaten des DOE (Department of Energy) zeigen in absoluten Zahlen den höchsten Lagerbestand seit Beginn unserer Datenbank im Jahr 1990 an. Der Aufbau für Rohöl fiel allerdings weniger deutlich als erwartet aus. Dafür wurden Heizöl und Diesel getoppt. Benzin war gegen die Erwartung rückläufig, was den Preis des Produkts gerade zu explodieren ließ. Die Daten des API (American Petroleum Institute) unterstützen den Spaß, den die Bullen mit den Werten haben. In Zahlen zeigt sich die wöchentliche Veränderung wie folgt:

Rohöl: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,8 (DOE) bzw. ein Abbau von 2,9 (API) Mio. Barrel. Die Importe waren geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit stieg auf 85 Prozent. Das ist für amerikanische Verhältnisse ein guter Wert.

Heute Morgen geht der bullische Lauf weiter. Die Tonne Gasöl kostet 466 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 56,67 Dollar. Der US-Dollar wird zu 75,29 gehandelt. Eine Richtungsumkehr der Preise wäre aus fundamentaler Sicht logisch. Charttechnisch ist sie nicht zwingend. Momentan deutet nichts darauf hin.

Unsere Heizölpreise folgen dem Weltmarkt. Sie steigen. Und das durchaus deutlich. Die Bewegung ist noch nicht abgeschlossen. Die Spekulation auf steigende Kurse bei Aktien und nun auch beim Öl hat wieder einen nennenswerten Einfluss auf die Preisbildung. Wir vermuten, dass diese früher oder später zu Kurseinbrüchen führen wird, da sie nicht mit der realen Wirtschaftslage in Einklang zu bringen ist. Einstweilen gehen wir weiter von einer Preisspanne für Heizöl in den Grenzen der Märzpreise aus. Die Übergeordnete Preisbildung verläuft seitwärts. Und hier wieder unser Aufruf für eine bessere Welt: Schauen Sie nicht nur auf die Preise. Schauen Sie auf den Verbrauch. Wir helfen dabei mit www.esytrol.com.

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