Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Die Politik soll es richten

Die Ölpreise konsolidieren auf höchstem Niveau. Ein Ende der Hochpreisphase ist nach wie vor nicht in Sicht. Marktlage und Marktstimmung sind kaum verändert zur Vorwoche. Die aktuelle Versorgung läuft reibungslos. Als angespannt aber nicht als kritisch wird die Lage für Heizöl und Diesel angesehen. Diese Produkte sind weltweit am stärksten gefragt. Die zu dieser Jahreszeit übliche Dominanz des Benzinpreisauftriebs als Folge der zu erwartenden US-Nachfrage während der beginnenden Fahrsaison wird kaum thematisiert. Komfortable Vorräte und eine sinkende Benzinnachfrage in den USA nehmen dem Thema die Spitze. Benzin ist in diesem Jahr kein Preistreiber des Ölmarkts. Der Benzinpreis wird vom Ölmarkt getrieben. Die Versorgung mit Rohöl ist auskömmlich. Verbraucher und Politik wünschen sich mehr. Sie möchten einen deutlichen Überschuss sehen. Davon erhofft man sich eine abschreckende Wirkung auf die Hochpreisspekulation.

Die Förderländer sind zu keinem über die gegebenen Zusagen hinausgehenden Angebot bereit. Sie nehmen den hohen Ölpreis gerne mit. Er hilft ihnen, dem noch vor wenigen Jahren drohenden Staatsbankrott zu entkommen. Um alte Schulden abbauen zu können, benötigt Venezuela einen Rohölpreis von über 94 Dollar pro Barrel. Selbst das mit Reichtum assoziierte Saudi Arabien, das in Wirklichkeit keine reiche Gesellschaft ist, muss rund 60 Dollar pro Barrel erlösen, damit es seinen Haushalt sanieren kann. Heute sieht die Lage für diese Länder blendend aus. Lange haben sie aber noch nicht das Vergnügen von Haushaltsüberschüssen. Vielmehr blicken sie auf zwei Jahrzehnte finanziellen Desasters zurück.

Der Zweifel, dass die Förderländer mehr Öl produzieren könnten, ist Teil der durch Spekulation aufgetriebenen Preise. Eine abschließende Erkenntnis zum Sachverhalt gibt es nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass bei höheren Investitionen in Infrastruktur mehr drin wäre. Gleichzeitig findet die Meinung, dass wir an der Grenze des Fördermaximums operieren, eine breite Basis. Daraus ein Ende des Ölzeitalters zu konstruieren, ist allerdings unseriös und dient mehr der weiteren Preistreiberei. Die bekannten und erreichbaren Reserven waren selten höher als heute.

Die Vorgänge in Russland zeigen exemplarisch, wie schwierig eine Lageeinschätzung ist. Der Vizechef von Lukoil hat vor Kurzem Peak Oil für sein Land verkündet. Lukoils Chef hält die russische Förderung dagegen für steigerbar. Beide Aussagen sind politischer Natur. Sie zielen auf die als Problem empfundenen sehr hohen Steuern und Zölle auf Rohöl. Diese sorgen dafür, dass fast der gesamte über 50 Dollar pro Barrel erzielte Außenhandelserlös an den Staat fließt. Damit ist es vollkommen unattraktiv, mehr Öl für den Export zu fördern. Ein Aufbau der Förderkapazitäten bleibt also aus. So wird in der Tat Peak Oil festgeschrieben aber nicht natur- sondern staatsbedingt.

Das nehmen Spekulanten dankend auf, um die Preise weiter aufwärts zu treiben. Zu den üblichen Verdächtigen, den Banken und Investmentfonds, gesellen sich als größte Gruppe die Ölfirmen selbst. Die privaten Gesellschaften geben mehr Geld in das Finanzsystem als in die Entwicklung neuer Ölvorkommen. Damit sind sie Teil einer möglichen Verknappung. Diese zeigt sich in einem Förderrückgang gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Prozent bei ExxonMobil, um 5 Prozent bei Shell und um 3 Prozent bei BP. Das System der wundersamen Geldvermehrung durch Nichtinvestition in Produktion funktioniert ausgezeichnet. Unangenehmer Nebeneffekt ist nur, dass viele Kunden sauer sind. Ihre Stimmungslage ruft den von niederen Instinkten getriebenen Populismus vieler Politiker auf den Plan. Die schwadronieren über Steuersenkungen und sogar über die Einflussnahme auf die Börsen.

Nun wäre ein deutscher Politiker gut beraten, seinen Einfluss auf den internationalen Börsenhandel als gegen Null gehend einzuschätzen, wenn selbst der US-Präsident nicht in der Lage ist, die Spekulation einzudämmen. Außerdem muss sich jeder Einflussnehmer fragen, der nicht der Linkspartei angehört, ob er die freie Preisbildung aushebeln kann, ohne den Kapitalismus aufzugeben. Ein wesentlicher Teil der hoch gelobten freien Marktwirtschaft ist ihre zerstörerische Kraft, aus der Neues geschaffen wird. Diese konstruktive Selbstzerstörung findet derzeit an den Rohstoffbörsen und besonders an den Ölbörsen statt. Ihre Kraft geht weit über die Möglichkeiten des Fiskus hinaus. Bis hierzulande ein eventueller Steuernachlass Wirkung zeigte, wäre dieser von weiteren Preissteigerungen längst überholt. Das wissen Politiker sehr wohl. Daher ist dieser Teil ihrer Reden nur und ausschließlich Opium für das Volk.

Die Geister, die man mit den Börsen rief, muss man nun ertragen. Es bleibt nur der Blick in eine weniger öl- und rohstoffabhängige Zukunft, die erst durch die hohen Preise möglich wird. Damit diese richtig in Gang kommt, werden die Preise noch weiter steigen müssen. Wem diese systemimmanente Tatsache nicht gefällt, sei an die 1970er Jahre erinnert. Damals stieg der Ölpreis noch stärker als heute und das sogar ohne eine Rohölbörse. Nach der Episode ist der Wohlstand in Deutschland erneut rasant gestiegen und das nicht zuletzt, weil die Abhängigkeit vom Öl reduziert wurde.

Heute Morgen ist noch nicht zu erkennen, wohin die Preisreise gehen wird. Konsolidierung scheint weiterhin angesagt zu sein. Die Tonne Gasöl kostet 1.198,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 127,58 Dollar.

Unsere Heizölpreise laufen seitwärts. Wie der Weltmarkt zeigen auch sie eine Konsolidierung. Das lässt weiterhin wenig Hoffnung auf einen kräftig sinkenden Preis. Dieser wird am Ende einer Rallye kommen. Die Frage ist nur, wann und auf welchem Niveau die aktuelle Rallye zu Ende sein wird. Derzeit macht sie lediglich Pause. Nach unserer Meinung ist es allemal besser, sich mit verbrauchssenkenden Maßnahmen zu beschäftigen, als sein Wohl an die Hoffnung auf einen sinkenden Ölpreis zu knüpfen. Unser Gratisinstrument zum Thema ist esytrol.

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