Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Die Welt will mehr Öl

Zum Wochenschluss beruhigten sich die Gemüter an den Börsen. Eine vorausgegangene Panikattacke mit steigenden Preisen wegen des ersten Tropensturms in der Karibik wurde überwunden, nachdem die Wetterämter Entwarnung meldeten. Die Preise sind hoch. Übertreibung ist aber nicht zu erkennen. Diese ist eher der Dollarentwicklung zuzuschreiben. Die US-Währung fliegt dem Euro nach einem leichten Rückgang des Handelsbilanzdefizits erneut davon.

Die bereits evakuierten Ölarbeiter im Golf von Mexiko sind auf ihre Plattformen zurückgekehrt. Das nahm den angstbedingten Auftrieb aus den Preisen. Wie zuvor die EIA (Teil des US-Energieministeriums) schreibt nun auch die IEA (Internationale Energie Agentur) die Nachfrage Chinas leicht herunter. Diese Einschätzung trägt zusätzlich zur Preisdämpfung bei. Lange wird sie aber nach den Prognosen nicht halten, denn auf Jahressicht erhöht die europäische Agentur ihre weltweite Bedarfsprognose und damit die Preisschätzung. Deutschland ist am Nachfragewachstum nicht beteiligt. Im Gegenteil, hierzulande wird weniger Öl verbraucht. Mit -9% sank die Nachfrage nach Heizöl besonders stark.

Die OPEC bemüht sich ebenfalls um Dämpfung der Preisentwicklung. Die Förderung übersteige die Nachfrage, sagt der saudische Ölminister Naimi. Bei Bedarf werde sein Land die Produktion weiter erhöhen. Dazu stehen momentan 1,5 Mio. Barrel pro Tag als Reserve zur Verfügung. Die gut gefüllten Rohöllager sind ein Zeichen für die entspannte Versorgungslage. Einen Preis von 50$ pro Barrel sieht Naimi dennoch als Mittelwert des Jahres an.

Die gewichtigste Ursache für die anhaltende Preissteigerung ist die mangelnde Raffineriekapazität weltweit. Es sind zu wenig Raffinerien im Einsatz und sie sind nicht mehr bedarfsgerecht ausgelegt. Das aktuelle Wirtschaftswachstum der Welt basiert auf Diesel und Heizöl. Benzin verliert dagegen an Bedeutung und das sogar im Mutterland des Benzins, den USA. Insbesondere dort sind die Raffinerien aber erheblich stärker für die Benzinproduktion aufgestellt. Wahrscheinlich werden die Benzinpreise in Zukunft eher sinken, während die Diesel- und Heizölpreise deutlich steigen. Vergleichsweise billigen Dieselkraftstoff gibt es schon lange nicht mehr. Im Herbst wird diese Problematik aller Vorrausicht nach zu weiter steigenden Heizölpreisen führen.

Um die Raffinerieknappheit zu überwinden, würden die G8-Staaten gerne Steuererleichterungen für Bau von Anlagen verteilen. Diese Maßnahme ist zwar als Steuerungsinstrument gut gedacht. Sie wäre aber gesellschaftspolitisch eine Katastrophe. Die ganz großen Profiteure der Situation sind gerade die Raffineriebetreiber. Ihre Einrichtungen werfen unglaubliche Profite ab. Diesen Gesellschaften den Gewinn durch Steuerverzicht seitens der nahezu bankrotten Staaten zusätzlich zu steigern, könnte die ohnehin verunsicherten Steuerzahler zur Raserei treiben.

Die Preisbewegung der letzten Wochen ist zwar auf Steigerung gepolt. Euphorisch ist diese aber nicht. Wenn ein deutscher Verbraucher einen anderen Eindruck gewinnt, liegt das an der Änderung des Vorzeichens bei der Dollarentwicklung. Seit März läuft hier ein kräftiger Aufwärtstrend. An den Ölbörsen lassen sich kaum spekulative Prioritäten bestimmter Gruppen feststellen. Die großen Spekulanten sind für Rohöl neutral. Langsamer als erwartet kommen sie nun bei den Produkten in den bullischen Zustand. Zum Herbst erwarten wir eine deutliche Zunahme der preistreibenden Einstellung bezüglich Heizöl.

Charttechnisch ist noch nicht unbedingt zu erkennen, dass die Preise auf neue Höhen klettern werden. Sie könnten im Jahresverlauf durchaus noch in der bereits markierten Handelsspanne bleiben. Aber die saisonale Beobachtung der letzten Jahre lässt vermuten, dass es ab dem Sommer teuter wird.

Heute Morgen ist Preisrückgang angezeigt. Die Tonne Gasöl kostet mit 507,50$ weniger als am Freitag.

Unsere Heizölpreise geben nach. Diese Möglichkeit deutete sich Freitag bereits an. Mehr als eine sogenannte technische Reaktion nach unten erwarten wir nicht. Verbraucher sind gut beraten, wenn sie sich auf höhere Heizölpreise im Herbst einstellen und sich in den kommenden Wochen einen Kaufmoment suchen. Nur wer mit seinem Vorrat sicher bis in das neue Jahr kommt, könnte die kommenden Monate aussitzen. Ob das angesichts des langfristigen Aufwärtstrends eine gute Haltung ist, steht in den Sternen.

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