Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Die fetten Jahre sind vorbei

Die US-Wirtschaft läuft nicht so, wie man es von ihr erwartet. Diese Feststellung wirkt zwar immer noch ungewöhnlich. Sie ist es aber schon länger nicht mehr. Als Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, die Konjunkturentwicklung seines Landes gestern Abend als "außergewöhnlich unsicher" bezeichnete, reagierten Finanzjongleure so, als hörten sie die miese Nachricht zum ersten Mal. Sie sorgten für ein kräftiges Minus am Aktienmarkt. Natürlich hinterließ das eine Bremsspur bei den Ölpreisen. Die hatten am Nachmittag bereits eine andere Hiobsbotschaft aus Sicht der gleichen Klientel zu ertragen, die die Preise noch härter drückte. Die US-Bestände sind deutlich höher, als das erwartet wurde. Die USA scheinen sich in absehbarer Zeit nicht aus ihrer überversorgten Lage befreien zu können. Über zuviel Öl zu verfügen, ist immer noch ein unfassbarer Zustand. Ihm fehlt nach wie vor die gebührende Würdigung im Ölpreis.

Folgende Zahlen meldeten DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die Veränderungen der letzten Woche in den Öllagern:

Rohöl: 0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +3,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,0 (DOE) bzw. 0,4 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind etwas höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung stieg auf 92 Prozent. Angesichts der Nachfragesituation und der überbordenden Produktenbestände ist das ein außergewöhnlich hoher Wert. Er wirkt so, als weigerten sich die Raffineure, die Überversorgung zu Kenntnis zu nehmen. Welcher Geschäftsidee sie dabei folgen, erschließt sich uns nicht. Hierzulande sind die Auslastungen mindestens zehn Prozent geringer.

Insgesamt haben die US-Bestände ein neues Rekordniveau erreicht. Die deutliche Abweichung der Lagebeschreibung durch die beiden berichtenden Institutionen liegt an Abgrenzungsproblemen in den Statistiken. In der letzten Woche meldete das API einen erheblichen Bestandsaufbau. An den Börsen folgt man eher den Daten des DOE. Insofern war die gestrige Preisreaktion angebracht.

Aus Sicht des Ölvertriebs ist die Wirtschaftskrise nicht beendet. Anders stellt sich die Lage auf der Beschaffungsseite der Ölindustrie dar. Nachdem die Aufwendungen für Exploration, Förderung und Verarbeitung im letzten Jahr sanken, steigen die Kosten seit Monaten bereits wieder. Sie haben das Niveau von vor Beginn der Krise erreicht. Welchen Einfluss die Katastrophe der Deepwater Horizon auf die Gesamtkostenlage haben wird, ist noch nicht abschätzbar. Als momentane Schlussfolgerung der Beobachtung ergibt sich für die Ölindustrie das Fazit, die fetten Jahre sind vorbei. Diese Feststellung dürfte dem Gros der Menschheit kein Mitleid abringen.

Heute Morgen kann man eine verhaltene Tendenz zu weiterem Preisnachlass erahnen. Ein starker Impuls für eine Abwärtsbewegung ist allerdings trotz der gestrigen Preisreaktion nicht zu erkennen. Die Seitwärtstrends sind noch vollkommen intakt. Mehr als eine Abwärtsbewegung innerhalb dieser Trends liegt nicht vor. Die Tonne Gasöl kostet 627,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 76,48 Dollar. Der US-Dollar wird zu 78,29 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sinken. Dieser Umstand kommt nicht unerwartet. Unerwartet war allenfalls die Begünstigung durch ein erneutes Wachsen des Überangebots auf dem US-Ölmarkt. Die weiteren Preisaussichten sehen wir für Käufer verhalten positiv. Die Heizölpreise nehmen Kurs auf ein Drei-Monats-Tief. Zu mehr als der Prognose eines solchen nicht gerade ambitionierten Preisziels können wir uns derzeit nicht hinreißen lassen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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