Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Die normale Schizophrenie

Der Fachmann staunt. Der Laie ärgert sich. Die Ölnotierungen folgen immer noch einem Aufwärtstrend. Man könnte meinen, dass die Geschichten über den Ölreichtum Nordamerikas reine Fiktion seien und die Realität eine andere ist. Es gibt aber Zahlen, die zumindest als Beleg für die gute Versorgungslage taugen. Die US-Bestandsdaten sind solche Zahlen. Seit Monaten signalisieren sie die pure Entspannung auf dem US-Ölmarkt. Und auch in dieser Woche werden Aufbauten in den Lagern gemeldet. Eine Ausnahme ist Heizöl. Die Tankinhalte dieses Produkts sinken. Im Winter ist das generell nicht ungewöhnlich. Schließlich zehrt man von zuvor aufgebauten Vorräten. Die Pegel sind allerdings bemerkenswert tief. Der Markt ist trotzdem gut versorgt. Offensichtlich reichen immer kleinere Mengen zur Deckung der Nachfrage aus. Die schrumpft, weil Verbraucher sparsamer werden, aber auch weil der Winter in den US-Heizölregionen relativ warm ist.

Im Einzelnen melden DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die berichtenden Institutionen, folgende Bestandszahlen:

Rohöl: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,3 (DOE) bzw. 3,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 84 Prozent. Das ist gering. Der Wert spiegelt die schwache US-Binnennachfrage wieder. Sie zwingt Raffineriegesellschaften, ihr Angebot durch Stilllegung von Kapazitäten zu reduzieren, um einem Preisverfall entgegenzuwirken. Bisher ist ihnen das bestens gelungen.

Ein Teil der Ölindustrie kämpft gegen sinkende Nachfrage. Ein anderer Teil pumpt immer mehr Öl aus dem Boden, für das es keine Verwendung gibt. Und die Finanzindustrie sorgt für steigende Preise. Das tut sie im Auftrag der Regierung. Letzte würde das so natürlich nicht ausdrücken. Sie will kein teureres Öl. Sie tut aber alles dafür, indem sie den Finanzmarkt mit Geld flutet. Dort werden mit diesem Geld unter anderem Ölpapiere gekauft. Anleger träumen nämlich davon, dass die Ölnachfrage bald steigt und der Rohstoff knapp wird. Solange sie das glauben, funktioniert der Aufwärtstrend der Ölnotierungen. Wenn sie aufhören, daran zu glauben, platzt die Blase.

Heute Morgen ist im Ölhandel alles beim Alten. Das Preisniveau ist hoch. Der Aufwärtstrend ist intakt. Am Ende des Tages wird also wahrscheinlich wieder ein Plus stehen. Der Dollar bildet nicht mehr das Spiegelbild zum Ölpreis ab. Er gewinnt, weil der Euro wieder an Vertrauen verliert. Für die Tonne Gasöl werden 1.010,75 Dollar bezahlt. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,52 Dollar und in London zu 116,79 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,93 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Die Ölbörsen zwingen ihnen die Bewegung auf. Der Dollar hält nicht dagegen. Die Teuerung kommt erwartungsgemäß. Sie deutete sich seit Tagen an. Wahrscheinlich wird sie eine moderate Fortsetzung finden. Dramatisch ist die Lage nicht. Heizöl ist immer noch günstiger als vor einem Jahr. Und es gibt gute Gründe anzunehmen, dass es im Jahresverlauf billiger wird. Wer jetzt kaufen muss, weil der Tank das von ihm verlangt, zahlt zwei bis drei Prozent mehr als vor ein paar Wochen aber auch zwei bis drei Prozent weniger als vor einem Jahr. Irgendwann in diesem Jahr wird Heizöl vielleicht acht bis zehn Prozent günstiger sein. Leider weiß niemand, wann das sein könnte. Insofern macht es auch keinen Sinn, darauf gezielt zu spekulieren. Wenn der Moment gekommen ist, sollte man ihn ergreifen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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