Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Dollar korrigiert Öl

Dass die Ölpreise weiter steigen, löst selbst bei Insidern Verwunderung aus. Gestern haben sie erneut einen kurzfristigen Höchstwert markiert. Charttechnisch ist die Lage eindeutig bullisch. Fundamental ist sie eher bärisch.

Der Nachrichtenstrom hat Ebbe. Keine OPEC-Meldungen, keine neuen Skandale in Russland, Venezuela und Nigeria bringen nichts, aus dem Irak dröhnt der zur traurigen Normalität gewordene Terror und die USA haben wie so oft Raffinerieprobleme. Letzteres diente dann allerdings doch als fundamentales Argument für anziehende Preise. Wetterämter sehen die Temperaturen noch längere Zeit auf dem aktuellen Niveau. Das sollte eigentlich auf die Preise drücken. Doch davon ist wenig zu spüren.

Alles wartet gespannt auf die heute Nachmittag zur Veröffentlichung anstehenden Bestandsmeldungen. Davon sollten Impulse ausgehen. Niemand glaubt, dass diese Daten eine Neubewertung der Versorgungslage nötig machen. Aber wenn die derzeit stärksten Kräfte im Markt, die Fonds, ihre Entscheidungen über Positionsverschiebungen von den Daten abhängig machen, werden sich die Preise bewegen.

Möglicherweise hat ein Kommentar des Direktors der IEA (Internationale Energie Agentur) Claude Mandil zum weiteren Preisanstieg beigetragen. Er meint, dass die weltweite Versorgung zu knapp sei, und begründet das mit dem Umstand, dass die Ölvorräte unter einem 5-Jahres-Durchschnitt liegen. Das impliziert die Frage, ob die OPEC mit ihrer strickten Politik der Lieferkürzung zu weit gegangen ist. Die Aussage von Mandil scheint allerdings nicht die gewollten Reduktionen in der Lagerhaltung der großen Ölgesellschaften zu berücksichtigen. Die Produktionskosten werden u.a. durch Kapitaleinsparungen bei den Vorräten gesenkt.

Der OPEC-Korbpreis ist mittlerweile wieder über die 28$-Marke gestiegen und hat damit den Zielpreiskorridor verlassen. Dieser Umstand bestätigt eine alte Befürchtung. Wenn der Preis kurzzeitig immer wieder unter die 28$-Marke fällt, muss die OPEC ihrer eigenen Vorgabe, die Liefermengen zu erhöhen, wenn der Preis 20 Tage ununterbrochen über der Marke liegt, nicht Folge leisten. Im Mittel befindet sich der Preis inzwischen aber weit mehr als 20 Tage über der 28$-Marke. Die kurzen Preiseinbrüche kommen der OPEC also sehr gelegen.

Europäische Verbraucher sind erneut von der realen Ölpreisentwicklung abgekoppelt. Der Dollar hat seinen jüngsten Aufwärtstrend unterbrochen. Die gegenläufige Bewegung sorgt für konstante Preise in der alten Welt.

Der Gasölpreis bleibt weiterhin in der Nähe der 260$-Marke. Heute Morgen kostet die Tonne 261,50$.

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Ihnen kommt die Dollarschwäche zu Gute. Derzeit wird unsere Erwartung, dass die Preise sich seitwärts bewegen, voll bestätigt. Die Bewegungslosigkeit könnte heute Abend nach Bekanntgabe der US-Vorratsdaten ein Ende haben. Für größere Einkäufe sind die Preise weiterhin unattraktiv. Für notwendige Käufe wegen leergefahrener Tanks sind sie akzeptabel. Da wir den kurzfristigen großen Preiseinbruch nicht sehen, raten wir Verbrauchern mit leeren Tanks umgehend zum Kauf. Sparen Sie sich den Mehrpreis für eine Notbelieferung. Der ist höher als das kaum vorhandene kurzfristige Einsparpotential aus der mittelfristigen Preisbewegung.

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