Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Dollar treibt Heizölpreise in die Höhe

Internationaler Markt

Die Meinung von Salem el-Badri, Generalsekretär der OPEC, hat Gewicht. Sie kann Ölpreise bewegen. Die Taten von Janet Yellen, Chefin der FED (US-Notenbank), bewegen den Dollar. Das hört sich unspektakulär an, ist aber allemal gewichtiger als eine Ansicht über den Ölmarkt. Der sei in der Tat überversorgt mit rund einer Mio. Barrel pro Tag. Daran solle die OPEC nichts ändern. Der Preis würde dafür sorgen, dass Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht kommen, meint el-Badri. Die FED beendet am Monatsende ihr waghalsiges Experiment, der US-Wirtschaft mit 3,5 Billionen Dollar auf die Beine zu helfen. In anderen Worten, nun ist Schluss mit dem exzessiven Gelddrucken. Der Ölpreis stieg gestern. Das ist eine unpassende Reaktion auf den Tatbestand Überversorgung. Der Dollar sprang gestern in die Höhe. Das ist eine extreme, aber durchaus passende Reaktion auf die Rückkehr zur Politik der Geldwertstabilität.

Die unerwartete Reaktion des Ölpreises mag mit der Erkenntnis zu erklären sein, dass eine Mio. Barrel nicht gerade ein üppiger Wert für Überversorgung ist. Man hat wohl mit mehr gerechnet. Zudem ist die Übersorgung in keiner Weise in den gestern veröffentlichten US-Bestandsdaten zu erkennen. In den Lagern herrscht mehr Rückgang als Aufbau. Die Diagnose wird von den beiden für die Datenerhebung zuständigen Institutionen, DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), geteilt. Zur Vorwoche geben sie folgende Veränderung an:

Rohöl: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -5,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,4 (DOE) bzw. 3,5 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung steht unverändert bei 87 Prozent. In dieser Zahl steckt die Erklärung für den Bestandsaufbau bei Rohöl. Raffinerien sind teilweise im Wartungsintervall und produzieren nicht. Sie brauchen demzufolge kein Rohöl. Die anderen Zahlen deuten auf eine relativ hohe Nachfrage in den USA hin.

Nicht zuletzt diese Nachfrage ist für Frau Yellen der Grund, das Gelddrucken zu beenden. Sie sei der Beleg für eine anziehende US-Wirtschaft. Man wird noch lange diskutieren, ob das Gelddrucken der Wirtschaft auf die Beine half oder ob es sich als ihr Sargnagel erweisen wird. Fakt ist, dass die Maßnahme die USA um 3,5 Billion Dollar tiefer in den Schuldensumpf trieb und dass sie die Schere zwischen Arm und Reich immens vergrößerte. Nachfrage wird durch breit verteilten Volkswohlstand und nicht durch hoch aufgetürmten Elitewohlstand erzeugt. Diese Tatsache ist den USA aus eigener Praxis in der Nachkriegszeit des 20. Jahrhunderts bestens bekannt. Und Gelddrucken ist nur gesund, wenn die Wirtschaft brummt. In dem Fall wird frisches Geld gebraucht, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Geldwachstum ohne treibendes Wirtschaftswachstum führt zu Blasenbildung. Sie ist krank und führt irgendwann zum Knall.

Mit dem nun gestoppten Geldwachstum in den USA mag die Hoffnung verbunden sein, dass der Knall ausbleibt. Schauen wir mal. Damit die Blase keine Blase mehr ist, wird die Wirtschaft über Jahrzehnte ordentlich wachsen müssen. Ob reife Industrienationen dazu in der Lage sind? Reife Menschen sind es jedenfalls nicht.

Heute Morgen geben Ölnotierungen die gestern aufgebauten Gewinne wieder ab. Dollarnotierungen bauen ihre Gewinne weiter aus. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 748,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 81,63 Dollar und in London zu 86,53 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,7956 Euro . Damit kostet der Euro 1,25700 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise werden vom Dollar ordentlich aufwärts getrieben. Dadurch entsteht eine neue Situation. In die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz haben wir einen Keil eingezeichnet, der sich in der Zukunft öffnet. Er deutet die unklare Lage für den Trend an. Dieser kann sich nun zu einer veritablen Aufwärtsbewegung entwickeln. Er kann aber auch erneut abwärts drehen.

Der Binnenmarkt ist gut belebt. Die Fähigkeiten des Handels werden gleichwohl nicht überfordert. Die Lieferzeiten sind lediglich etwas länger als üblich. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht weiterhin auf der höchsten Stufe.

Der Glaube an günstigeres Heizöl ist wankelmütig. Die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung schwankt von Tag zu Tag deutlich. Sie folgt der Preisentwicklung selbst. Abwärts macht Hoffnung, aufwärts dämpft diese. Die Erwartung auf tiefere Preise schwindet mal wieder. Die aktuelle Preisentwicklung dürfte die meisten Leser überraschen.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt in Teilen Deutschlands Kaufsignale. Sie decken sich mit dem Verhalten der Käufer. Nun handeln diejenigen, die die Hoffnung auf tiefere Preise aufgeben. Wer diesem Reflex trotzt und weiterhin auf fallende Preise setzt, braucht starke Nerven und einen ausreichend gefüllten Tank. Das Auftreten eines neuen Preistiefs in diesem Winter ist alles andere als sicher.

Die Preistrends weisen in den längerfristigen Bereichen abwärts. Im kurzfristigen Bereich ist der Abwärtstrend beendet. Die Konstellation kann man natürlich noch als Einladung auf erneut fallende Preise interpretieren. Man sollte die Spekulation aber nicht übertreiben, sonst kann sie in einem persönlichen Misserfolg enden.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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