Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Dollaremigranten flüchten ins Öl

Heizölkunden kommen glimpflich davon. Mit der Preissteigerung am internationalen Ölmarkt werden sie nicht in vollem Umfang belastet. Während Rohöl- und Gasölpreise binnen einer Woche um neun Prozent anzogen, legten die Heizölpreise kaum drei Prozent zu. Der Grund hierfür steht mittlerweile sogar in Deutschlands großer Boulevardzeitung. Dort wird er stielsicher aufbereitet als drohender Währungskrieg kolportiert. Gemeint ist damit der Wertverlust bedeutender Währungen, allen voran des US-Dollars. Die USA verfolgen damit das Ziel, ihre Schuldenlast zu senken und ihre Exportchancen zu steigern. Dagegen wehren sich die Exportnationen, die in den USA einen für sie bedeutenden Markt haben. Das sind China, Japan und Brasilien. Der vor Kurzem noch vollkommen übertrieben getretene Euro wird dadurch zu einer Fluchtwährung. Die plötzliche Wandlung zeigt, wie aufbrausend und irrational die Akteure an den Finanzmärkten agieren. Am Wesen der Wechselwirkungen und an den Intentionen der Staaten hat sich seit Monaten nichts geändert. Dennoch löste der Flügelschlag eines Schmetterlings Turbulenz im Finanzcasino aus.

Die aufgescheuchte Finanzszene schleust ihr spekulatives Geld in vermeintlich handfestere Anlagen. Das sind beispielsweise Gold, Öl und Aktien. Sie erfahren eine deutliche Preissteigerung. Während Gold seit jeher einen höheren emotionalen als am Nutzen orientierten Preis hat, entwickeln sich Öl- und Aktienanlagen neuerdings in die gleiche Richtung. Im Fall des Öls zeichnete sich die Wandlung vom Nutzwert zum Anlagepreis in der jüngeren Vergangenheit bereits ab. Seit dem vermeintlichen Ende der Finanzkrise nimmt sie Kontur an. In diesen Tagen wird sie deutlich. Für Aktien ist die Veränderung ein reines Nachkrisenphänomen, wenn man die großen Spekulationsblasen der Geschichte einmal außer Acht lässt. Klar hervorgehoben wird die Wandlung mit dem Hinweis auf die aktuellen Nutzwerte der Anlagen. Öl ist im Überfluss am Markt vorhanden. Die Wirtschafts- und Unternehmensentwicklung in den USA, wo Aktien die stärkste Wertsteigerung erfahren, sind eher schlecht als recht.

Besessen suchen Finanzjongleure nach Indikatoren, die die Geschichte zu ihren Anlagewillen darstellen. Ein Indikator für Öl soll in diesen Tagen wieder die Veränderung in den US-Vorratslagern sein. Die wird von den berichtenden Institutionen, ausnahmsweise einmal unisono, als rückläufig beziffert. Nun klingt diese Formulierung schärfer, als die Lage in der Realität ist. Sie zeigt Bestände, die gerade ein Prozent vom historischen Hoch abgestiegen sind und immer noch zwischen 10 und 15 Prozent über der mittleren Bevorratung früherer Jahre liegen. Der Rückgang der letzten Woche ist zudem so nahe an Null, dass er allenfalls qualitative Wirkung haben kann. Quantitativ ist praktisch nichts geschehen. Die Bestandszahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,6 (DOE) bzw. 0,5 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind deutlich geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Gleiches gilt für die Raffinerieauslastung, die auf 83 Prozent fiel. Sie ist ein Teil der Erklärung für das Plus beim Rohöl und das Minus bei den Produkten.

Nun könnte man die Begründung für den Ölpreisanstieg mit einer in Teilen gegebenen Ähnlichkeit zu Gold versuchen. Ähnlich sind sich die Stoffe in ihrer begrenzten Verfügbarkeit. Der Rohstoff Öl ist wie der Rohstoff Gold in einer absehbar noch zu fördernden Restmenge auf der Erde vorhanden. Anders ausgedrückt, das Ende der Ressourcen ist bezogen auf die Lebensgeschichte der Menschheit sehr nahe. Wenn man so argumentiert, liegt eine bevorstehende Ölpreisexplosion auf der Hand. Denn im Gegensatz zu Gold, das dem Menschen als Stoff erhalten bleibt, weil es recyclebar ist, wird Öl derzeit unwiederbringlich verbrannt. Um Öl aus diesem Teufelskreis herauszuholen, hilft nur, seinen Gebrauch auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Das vernünftige Maß ist dann erreicht, wenn die Ölwirtschaft nachhaltig funktioniert. Das heißt, das nur soviel Öl verbraucht wird, wie nachwachsende Rohstoffe erzeugen können, ohne dabei andere Bedürfnisse der Menschheit zu kannibalisieren. Am Ziel dieses Prozesses muss nicht auf mineralisches Öl verzichtet werden. Es sollte aber nicht mehr verfeuert werden, sondern nur in recyclebaren Materialien zum Einsatz kommen. Solche Materialien sind beispielsweise hochwertige Dämmstoffe.

Heute Morgen ist noch nicht absehbar, wohin die Preisreise gehen wird. Die starken Veränderungen der letzten Tage legen Gegenbewegungen nahe. Die Stimmung spricht allerdings eher für die Fortsetzung der Trends. Das hieße Öl rauf, Dollar runter. Die Tonne Gasöl kostet 727,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 83,71 Dollar und in London 85,39 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,49 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise bleiben ihrem Seitwärtstrend einigermaßen treu. Der Ölpreisanstieg am Weltmarkt wird recht gut vom Dollarverfall aufgefangen. Da Bewegungen an den Ölbörsen üblicherweise stärker sind als am Devisenmarkt, ist die Gefahr langsam steigender Heizölpreise allerdings gegeben. Auf den großen Preiseinbruch zu setzen, ist aus unserer Sicht ohne greifbare Aussicht auf Erfolg. Einen solchen kann nur ein Crash auslösen. Der steht in absehbarer Zeit nicht auf dem Programm. Für das Warten auf etwas tiefere Heizölpreise sollten sich nur die Verbraucher entscheiden, die einen Vorrat im Tank haben, der mindestens bis Februar 2011 reicht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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