Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Doppelte Wirkung

Gestern war Gegenreaktion. Die US-Bestandsdaten, ein Raketentest im Iran und die Erwartung solider Wintertemperaturen in den USA gaben Spekulanten die Möglichkeit, eine Preisrallye zu veranstalten. Dabei kam ein Plus von rund drei Prozent heraus. Die allgemeine Marktlage ist durch die jüngsten Ereignisse nicht infrage gestellt. Sie wird durch ein hohes Angebot, überbordende Lagerbestände und eine schleppende Nachfrage charakterisiert. Rational lässt sich damit kein Aufwärtstrend begründen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er auch nicht stattfinden wird. Heute Morgen deutet sich bereits die Gegenreaktion zur Gegenreaktion an. Im Zuge der allumfassenden Spielsucht der Finanzindustrie wäre ein Aufwärtstrend gegen alle Rationalität selbstverständlich denkbar. Hierzu benötigen die Geldjongleure wenigstens den Hauch eines schönen Scheins in Form positiver Konjunkturerwartungen als Anregung ihrer Phantasien. Den kann man derzeit kaum noch herbeireden. Die über Monate lancierte Wir-sind-über-den-Berg-Propaganda verliert ihre Wirkung. Die US-Notenbank betont zwar erneut, dass die Wirtschaft weiter an Fahrt gewinnt. Dennoch will sie noch lange an der Null-Zins-Politik festhalten. Vertrauensvoll kann diese Ankündigung allenfalls auf kurzfristig ausgerichtete Spekulanten im Devisenmarkt wirken. Die schlugen auch prompt zu und ließen den Dollar abermals kräftig steigen. Für den deutschen Heizölkäufer ist das ärgerlich. Ihm wird die grundsätzlich freundliche Entwicklung der Ölpreise auf diese Weise vorenthalten.

Über den Raketentest im Iran lässt sich anmerken, dass man mit einem funktionierenden Aggregat eine Atombombe transportieren kann. An einer solchen Bombe wird unter anderem im Iran gebaut. Die damit verbundene Gefahr ist eine unausweichliche Konsequenz der Atomenergienutzung. Die Konsequenz für den Ölpreis ist mittel- und langfristig marginal.

Ölpreisentwicklungen, die ihre Ursache in Wetterprognosen haben, passen wunderbar in ein Börsenumfeld. Dort ist man auf das Setzen von Nebelkerzen und das Lesen von Kaffeesätzen spezialisiert. Mit einer soliden Markteinschätzung hat das wenig zu tun. Fakt ist, dass kalte Temperaturen nicht in der Lage sein werden, die bis zum Anschlag gefüllten Heizöltanks in den USA auf ein Normalmaß zu leeren.

So bleibt als dritter Aspekt, die US-Bestandsdaten im Detail zu betrachten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lieferten in dieser Woche wieder Datensätze, die zwei unterschiedliche Welten zu beschreiben scheinen. Das ist ein Grund, ihnen den kurzfristigen Respekt zu verweigern. Für die langfristige Beurteilung der Vorratsentwicklung ist die Wochensicht ohnehin ein unbrauchbares Mittel. Die Daten lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: -3,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,8 (DOE) bzw. ein Aufbau von 0,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Rohölimporte zeigen einen besonders starken Rückgang. Die Raffinerieauslastung ist auf 80 Prozent gesunken. Die Daten untermauern in allen Aspekten die schwache Nachfrage in den USA.

Die Ölpreise entwickeln sich derzeit nahe an den charttechnischen Erwartungen. Nach dem deutlichen Absturz seit Ende November musste man mit einer Gegenreaktion rechnen. Diese fand gestern in ausgeprägter Form statt. Als Trend bleibt die Abwärtsrichtung dominant. Es liegt nahe, dass sie in Kürze auch als Tagesrichtung wieder aufgenommen wird. Die langfristige Entwicklung wird durch die Nachfrage und durch die Liquiditätssituation der Finanzwelt bestimmt werden. Aus heutiger Sicht ist auf Basis dieser beiden Aspekte noch keine kohärente Einschätzung möglich. Einzig die Tatsache, dass Öl eine endliche Ressource ist, spricht dafür, dass es teurer werden wird. Bleibt die Frage nach dem Wann.

Heute Morgen ist der Zeitpunkt definitiv nicht gekommen. Die Preise kommen von ihren gestrigen Höhen zurück. Die Tonne Gasöl kostet 594 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 72,15 Dollar. In London kostet es 73,75 Dollar. Der US-Dollar wird zu 69,46 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise werden vom teueren Dollar in die Höhe getrieben. Die kurzfristig gestiegenen Ölpreise am Weltmarkt unterstützten die Entwicklung. Während Rohöl und Gasöl im weiteren Verlauf wahrscheinlich billiger werden, scheint der Dollar seinen Aufwärtstrend zu verstärken. Diese Tendenz wird mit wachsender Unsicherheit zur Genesung der Wirtschaft steigen. Daraus folgt als Konsequenz, die Wahrscheinlichkeit für einen Abwärtstrend der Heizölpreise zu reduzieren. Es wird in den kommenden Wochen wohl eher auf einen Seitwärtstrend hinauslaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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