Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Dumm oder bösartig

Die Finanzmärkte treiben den Ölpreis in die Höhe. Angebot und Nachfrage sind für die Preisentwicklung eine unbedeutende Randnotiz. Für Ölkonsumenten, also für fast jeden Bürger einer Industriegesellschaft, ist diese Tatsache mindestens ärgerlich. Für manche Verbraucher ist sie gar bedrohlich. Da der Ölpreis ein bedeutendes öffentliches Interesse darstellt, immerhin ist Öl sowohl national als auch global der meistgebrauchte Energieträger, wäre eine seriöse politische Stellungnahme zum Thema das Minimum, was Bürger erwarten dürfen. Der Komplex ist zutiefst mit der Finanzkrise und den sogenannten Rettungsmaßnahmen verwoben. Deshalb tun sich Politiker schwer, diesen sachlich korrekt zu debattieren. Ihr Fehlverhalten beim Krisenmanagement ließe sich kaum wegdiskutieren. Schnelle Statements, die den Kern der Sache in keiner Weise treffen, sind alles, was geboten wird. Unsachgemäße Äußerungen aus politischem Mund gehören zum Alltagsgeschehen. Die Gewöhnung an Dummheit lässt jede emotionale Reaktion des Zuhörers im Keim ersticken. Gestern kam eine dumme Äußerung aus dem Mund einer Person, die es besser wissen muss. Sie kam von Ben Bernanke, dem Chef der US-Notenbank. Auf die Höhe des Ölpreises angesprochen wird er mit den Worten zitiert: „Schließlich könne die FED kein zusätzliches Öl produzieren.“ Durch diesen Blödsinn ausgesprochen von diesem Man in seiner Funktion fühlt sich der Schreiber dieser Zeilen nun doch hingerissen, emotional zu reagieren, durch einen Fluch des Entsetzens. Er, dieser Bernanke, kann unmöglich glauben, was er da sagt. Das ist im besten Sinn des Wortes Verarschung.

Man muss kein profunder Kenner der Geschichte des Ölmarkts sein, um den sachlichen Fehler der Aussage zu erkennen. Es reicht, die letzten Monate der Ölpreisentwicklung und der realen Marktlage im Blick zu haben. Als US-Amerikaner wird dem Mann nicht entgangen sein, dass die Rohölvorräte in den öffentlichen Lagern seines Landes seit Beginn des Jahres steigen. Über die Monate ist ein Plus von fast zehn Prozent aufgelaufen. Die Vorräte befinden sich nahe den historischen Höchstständen. Und auch die Gesamtvorräte, zu denen zusätzlich Heizöl, Diesel und Benzin gehören, lassen alles andere als Knappheit und Mangel erkennen. Dieser Tatsache zum Trotz stieg der Ölpreis seit Jahresbeginn um deutlich über 20 Prozent. Unter höheren Ölzuflüssen würden die US-Amerikaner ertrinken. Der Preis würde dennoch nicht sinken, weil die Massen an Geld, die Herr Bernanke drucken lässt und in die „Märkte“ pumpt, angelegt sein wollen. Die „Märkte“ sind einzig Finanzmärkte, die besser als Casinos betitelt wären. Und die Anlagen sind zu Papier gewordenes Öl, das einen rechtlich erzwungenen aber keinen sachlich begründeten Zusammenhang mit dem Rohstoff hat.

Die aktuellen Zahlen über die wöchentliche Veränderung in den US-Lagern geben DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) übrigens wie folgt an:

Rohöl: +6,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,9 (DOE) bzw. 4,3 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf schwache 83 Prozent gestiegen.

Einige unbelehrbare Zeitgenossen bemühen sich, den jüngsten Preisanstieg mit dem relativ starken Rückgang der Benzinvorräte vor der US-Fahrsaison zu begründen. Sie meinen, dass Benzin knapp werden könnte. Würden sie nur ein kleines Stück weiter blicken, stellten sie fest, dass Raffinerien in den alten Industrienationen weiterhin stillgelegt werden, weil nach wie vor überschüssige Kapazität im Markt ist. Das Rohöl in den US-Eingangslagern ist, wie bereits angemerkt, ebenfalls überschüssig. Knappheit ist in dieser Lage ein Hirngespinst, das auf die eigene Verdummung gerichtet ist, die ein Finanzjongleur braucht, um das Spiel überhaupt spielen zu können, oder dass der bewussten Irreführung wirklich unwissender Marktteilnehmer dienen soll. Knappheit ist derzeit ein Mantra aber keine Tatsache.

Heute Morgen verharren die Preise auf sehr hohem Niveau. Ein Rückgang ist überfällig. Angesichts der beschriebenen Lage ist er dennoch unwahrscheinlich. Unterstützt wird der Drang zu neuen Ölpreishöhen durch den niedergehenden Dollar. Dieser Niedergang ist immerhin plausibel. Wenn eine Notenbank so massiv Geld druckt wie die FED, ist die Entwertung dieses Geldes die logische Konsequenz. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 1.041,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wir in New York zu 113,22 Dollar und in London zu 125,54 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 67,35 Eurocent.

Unsere Heizölpreise zeigen keine klare Bewegungsrichtung. Das ist angesichts der gegensätzlichen Entwicklung an den Öl- und Devisenbörsen folgerichtig. Nach Lage der Dinge sollte man nicht von einer grundsätzlichen Änderung der Preisentwicklung ausgehen. Wahrscheinlich ist, dass die Ölpreise weiter steigen und der Dollarkurs weiter fällt. Die beste der möglichen Erwartungen für den Heizölpreis lautet dabei „relativ konstant“. Über eine Steigerung sollte man sich auch nicht wundern. Nur ein deutlicher Einbruch wäre erstaunlich. Nicht zuletzt deshalb ist es gut, weniger Energie zu verbrauchen. So kann das beispielsweise zuhause geschehen.

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