Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


EZB übernimmt

Die Politik wird die Geister, die sie vor drei Jahren rief, nicht mehr los. Sie kämpft minderbemittelt gegen die Zeit und für Europa. Sie wirft sich für die Banken ins Zeug und hofft darauf, dass die ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Sie buhlt um die „Märkte“ und möchte diese am liebsten stilllegen. Sie bemüht sich nach Kräften, aber die sind schwach. Gestern versuchte die EZB mit ihren Mitteln der Politik Luft zu verschaffen. Sie flutete das Geld- und Finanzsystem mit Billigkrediten im Wert von fast einer halbe Billion Euro. Damit soll der erlahmte Interbankenhandel angekurbelt werden. Wenn die Börsenreaktion ein Indiz für Erfolg ist, muss die Aktion als mäßig gelungen bezeichnet werden. Die Aktienindizes konnte sie nicht beflügeln. Der Ölpreis stieg, wobei andere Gründe ausschlaggebend gewesen sein dürften. Der Euro verlor an Wert. Der von einigen Verbrauchern befürchtete spekulative Run auf Ölpapiere lässt sich nicht identifizieren. Für die letzten Monate ist sogar das Gegenteil zu beobachten. Die Finanzszene deinvestiert beim Öl. Diese Haltung ist angesichts der großen Unsicherheit zur konjunkturellen Entwicklung plausibel.

Anders sieht es bei den Ölkonzernen aus. Von amerikanischen Unternehmen ist bekannt, dass sie für 2012 mehr Geld als je zuvor in Exploration und Gewinnung stecken werden. Bei steigenden Ölpreisen werden die Investitionen sogar noch weiter erhöht. Das ist ein Indiz für die Stärkung der Realwirtschaft. In Nordamerika wird diese von der Möglichkeit einer autarken Energieversorgung angespornt. Es ist aber auch ein Indiz für eine reale Kostensteigerung der Ölprodukte. Wenn es billigeres Öl irgendwo auf der Welt in ausreichenden Mengen gäbe, würde niemand in teure Exploration vor der eigenen Haustür investieren. Damit ist nicht gesagt, dass die Ölpreise frei von spekulativen Umtrieben sind. Wie so oft in dieser Welt gibt es weder einen einzigen Grund noch eine einzige Wahrheit, die ein Phänomen beschreiben. Das gilt auch für das Phänomen Ölpreis.

Gestern wurde dieser im Wesentlichen durch die US-Bestandsdaten getrieben. Die weisen aktuell kräftige Rückgänge auf. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) mussten in allen Disziplinen negative Zahlen melden. Sicher ist, dass dem Rückgang keine plötzliche Nachfragesteigerung zugrunde liegt. Es handelt sich eher um unterlassene Zukäufe zur Reduzierung der Vorräte aus steuerlichen Gründen zum Stichtag 31.12. Danach werden erneut steigende Lagerbestände erwartet. Man nimmt an, dass die dann wachsende Nachfrage preistreibend wirken wird. Diese Erwartung wurde gestern vorweggenommen. Wenn sie nicht eintreten sollten, werden Spekulanten sie in der gegenwärtigen Gesamtlage zurücknehmen. Damit erfüllt die Börse momentan die ihr zugedachte Rolle in akzeptabler Weise. Die beklagenswerte Preissteigerung durch Liquiditätserhöhung, die Anfang 2009 eine neue Dimension bekam, spielt beim Öl seit einigen Monaten keine nachweisbare Rolle mehr. Das wird nicht zuletzt in den Preischarts für Rohöl und Gasöl deutlich. Die Zahlen über die wöchentliche Veränderung in den US-Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: -10,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 13,4 (DOE) bzw. 7,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung liegt weiterhin bei 85 Prozent. Die Gesamtbestände sind fünf Prozent geringer als vor einem Jahr.

Heute Morgen halten die Preise das Niveau der gestrigen Schlussnotierungen. Der kurzfristige Aufwärtstrend ist intakt. Charttechnisch wirkt er allerdings recht ausgereizt. Die Tonne Gasöl kostet 932,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,27 Dollar und in London zu 108,16 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,32 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legten kräftig zu. Der Anstieg kam mit Ansage. Er wurde durch die Ölnotierungen und den Dollarkurs erzwungen. Der kurzfristige Abwärtstrend beim Heizöl droht zu kippen. Auch dieser Umstand liegt im Rahmen der Erwartungen. In den kommenden Tagen und Wochen sind steigende Heizölpreise wahrscheinlicher als fallende Preise. Politische Überraschungen erwarten wir momentan nicht. Die würden gegebenenfalls eine grundsätzlich neue Lage schaffen. Das ist aus der jüngsten Geschichte hinlänglich bekannt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab. Der hilft auch den Spekulanten unter den Heizölkäufern. Denn es gilt das Motto: Was nützt Ihnen der Preis, wenn Sie Ihren Tankinhalt nicht kennen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen