Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Ein Minister kämpft

Die Akteure an den Börsen entschlossen sich gestern, die Konjunkturaussichten als unbefriedigend zu bewerten. Deshalb ließen sie Aktien und Ölnotierungen sinken. In Europa war der Effekt größer als anderswo auf der Welt. Dem Entschluss gingen Zahlen voraus, die es angesichts der Fülle ähnlicher und anderer Daten nicht wert sind, genannt zu werden. Ihre Halbwertzeit beträgt kaum einen Tag. Gleichwohl schaffen sie die Aufnahme in die als seriös geltenden Medien.

Losgelöst vom Tagesgeschehen sieht die Lage wie folgt aus. Mit der Finanz- und Wirtschaftkrise 2008 wurde der Widerspruch, der dem gültigen Wirtschaftsmodell innewohnt, offensichtlich. Vor der Krise konnte man sich dem Eindruck hingeben, dass Finanzwachstum und Wirtschaftswachstum einander bedingen und befruchten. Mit der Krise zeigte sich, dass das Wachstum der Finanzvermögen aus einem von der Realwirtschaft abgekoppelten Schnellballsystem erzeugt wurde, das Wenige auf Kosten der Allgemeinheit begünstigt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Wirtschaftswachstum bei ungenügender Verfügbarkeit von Öl und anderen Rohstoffen nicht möglich ist. Die Krise ist der Moment, in dem erforderliche Weichenstellungen erfolgen können. Diese blieben aus. Stattdessen wurde das desolate Finanzsystem mit Hilfe erheblich vergrößerter Kosten der Allgemeinheit notdürftig geflickt. Um der Belastung durch diese Kosten Akzeptanz zu verschaffen, wurde ein Mehr an Wirtschaftswachstum versprochen. Dieses Mehr tritt gemessen an früheren Wachstumszahlen nicht auf. Hierzulande fehlt der Bedarf. Global ist er vorhanden. Er wird unter anderem durch unsere Industrie bedient. Allerdings besteht die Voraussetzung einer genügenden Ausstattung mit Öl und anderen Rohstoffen weiterhin. Diese ist nicht im erforderlichen Umfang gegeben. Nun haben wir einerseits überschuldete Gesellschaften, deren Konjunkturentwicklung die Entschuldung unmöglich macht, und andererseits finanziell ausgewogene Gesellschaften, die zum Wirtschaftswachstum bereit sind, denen aber die umfängliche Rohstoffbasis fehlt, auf das gewünschte, nämlich unser Niveau wachsen zu können. Das Problem ist so offensichtlich, dass es selbst den optimistischsten Finanzjongleuren immer wieder die Chuzpe nimmt, an die Mehrung ihres Reichtums zu glauben. Ihre Fluchtreflexe sind hellwach. Sie sind bereit, sich jederzeit von ihren Investments zu verabschieden. Diese Tatsache verhindert immerhin einen weiteren Anstieg der Ölpreise.

Ein solcher Anstieg könnte zwar durch einen Waffengang mit dem Iran oder durch andere politische Störungen in einem der ölreichen Staaten ausgelöst werden. Ihm würde allerdings postwendend die Herabstufung der Konjunkturentwicklung folgen. Damit wäre erneut eine ähnliche Situation wie vor Ausbruch der Krise 2008 gegeben. Die Folgen wären vermutlich ähnlich.

Für einen an der langfristigen Entwicklung seiner Gesellschaft interessierten Politiker ist die Lage extrem kompliziert. Gefragt sind hohe Kreativität, Ideenreichtum, Mut zur Veränderung, außergewöhnliches kommunikatives Talent und Altruismus im Übermaß, um dem Job gerecht zu werden. Und selbstverständlich sind willige Mitstreiter gefragt. All das ist im politischen Alltag kaum anzutreffen. Stattdessen treffen wir Leute, die die Teuerung von Benzin, die im globalen Kontext ein natürliches Phänomen ist, im nationalen Kontext durch eine Behörde verhindern wollen. Sie sind bereit, neue Kosten für Beamte und an Tankstellen für die Produktion bisher ungekannter Datenmengen zu erzwingen, und behaupten damit den vergleichsweise marginalen nationalen Einfluss auf die Benzinpreise zugunsten der Verbraucher wenden zu können. Das Gegenteil wird geschehen. Aus solchen Köpfen kommen keine zukunftsfähigen Ideen. Aus solchen Köpfen kommen Abwrackprämien und Wortblasen wie „Wachstum durch Sparen“. Zudem wird über ungebührliche Gewinne der Ölgesellschaften fabuliert, ohne diese in Bezug zu Umsätzen und zur Gewinnverwendung zu stellen. Bei der Verwendung ist so ziemlich jeder Bürger dabei, der über eine Lebensversicherung verfügt. In deren Portfolios sind Aktien der Mineralölgesellschaften nämlich Toppositionen großen Umfangs.

Das an einer Wahl ausgerichtete Handeln eines deutschen Ministers war bei der Ölpreisbildung gestern kein Thema. Hingegen unterstützen die aktuellen Bestandsdaten aus den USA die auf Abgang eingestellten Finanzakteure. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zeigten mit den Zahlen einmal mehr, dass die USA momentan sehr gut mit Öl versorgt sind. Die Rohölbestände sind so hoch wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Dabei spielt die erwartete Öffnung der Pipeline vom Zentrallager in Cushing Oklahoma zur Südküste sicher eine Rolle. Sie wird die Mengen bald abfließen lassen. Die USA brauchen sie nicht im bisher gekannten Umfang. Ihre Nachfrage sinkt. Besonders deutlich wird das an den wöchentlichen Meldungen von den Tankstellen. Dass die Produktenvorräte dennoch deutlich reduziert sind, liegt am steigenden Export der Ware. Die Veränderung der Bestandsdaten sieht im Detail wie folgt aus:

Rohöl: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,1 (DOE) bzw. 6,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 86 Prozent. Die Gesamtbestände liegen knapp unter Vorjahresniveau. Angesichts des Nachfragerückgangs in den USA kommt dieser Sachverhalt einem Bestandsaufbau gleich.

Heute Morgen herrscht wenig Bewegung an den Ölbörsen. Die deutsche Aktienbörse legt nach einem deutlichen Verlusttag zunächst zu. Die Gesamtkonstellation im Handelgeschehen ist typisch für die unsichere Haltung der Akteure. Sie wird andauern. Die Tonne Gasöl kostet 1.008,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 105,06 Dollar und in London zu 118,21 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,04 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Sie folgen dem internationalen Finanzgeschehen. Das lässt ein wenig Spielraum nach untern zu. Nach oben ist mehr Luft, ohne dass der kurzfristige schwache Abwärtstrend dadurch gefährdet wäre. Spannend dürfte die Preisentwicklung in den kommenden Wochen nicht werden, es sei denn, die Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm enden mit einem Misserfolg. Derzeit sieht es eher danach aus, dass sie gar nicht enden. Mittelfristig dürfte in dem Fall das aktuelle Niveau der Heizölpreise erhalten bleiben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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