Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Einer ist schuld?

BP ist ein fürchterliches Unternehmen. Es ist für den Tod von Menschen, von Tieren und von einem beträchtlichen Stück Natur verantwortlich. Und es ist unfähig, eine Krise zu managen. So sehen US-Bürger die Ölfirma mit dem grünen Logo. Dabei ist die Katastrophe im Golf von Mexiko nicht das erste schwere Problem, das BP in den USA hat. 2005 explodierte eine Raffinerie in Texas. Dabei starben 15 Menschen. 2006 brach eine Pipeline in Alaska. Über eine Mio. Liter Öl flossen ins Erdreich. In Europa gilt BP als umweltfreundliches Ölunternehmen. Da scheint ein gravierendes Führungsproblem in den USA vorzuliegen. Wie sonst sollte es möglich sein, dass die Firma soviel Schuld auf sich lädt. Die trägt BP ohne Zweifel für die genannten Vorkommnisse.

Nun ist Schuld schnell zugewiesen, bei Umweltschäden an Unternehmen, bei Finanzkrisen an Spekulanten, bei Missbrauch von Zöglingen an die katholische Kirche. Geht man den Dingen tiefer auf den Grund, stellt man fest, dass die Katastrophen keineswegs auf einseitiges Versagen zurückzuführen sind. Fast immer sind Fehler der Regel gebenden Organe und der Kontrollinstanzen im Spiel. Im Fall der BP-Probleme in den USA ist es eindeutig. Nicht nur das Unternehmen, sondern auch der Staat mit seinen Behörden hat versagt. Er bzw. seine Beamten ließen sich mit sex and drugs and rock and roll von BP kaufen. Wenn man noch die allgemeine Gier nach Öl hinzunimmt, stellt man fest, dass die Schuld auf den Schultern der gesamten Gesellschaft liegt. Hierzulande gerieren sich Ölunternehmen umweltfreundlicher. Wahrscheinlich funktionieren die Behörden besser. Das gesellschaftliche Bewusstsein für die Umwelt ist weiter entwickelt. Das ist allerdings kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Der Ruf nach billigem Öl ist aus allen Richtungen unserer Gesellschaft laut zu hören, nicht zuletzt von vielen Menschen, die wir mit unserem Dienst bedienen. Und in der Finanzkrise funktioniert hier gar nichts besser als andernorts.

Die durch den Untergang der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ hervorgerufene Katastrophe ist übrigens nicht die schlimmste ihrer Art. Beim bekanntesten Vorfall, der Havarie des Tankers Exxon Valdez im Jahr 1989, ergoss sich mehr Öl in die Natur als bisher freigesetzt wurde. 1979 explodiere schon einmal eine Bohrplattform im Golf von Mexiko. Damals trat 35 Mal mehr Öl aus, als das offene Bohrloch bis heute ausspuckte.

Auf die Preisbildung hat das ausströmende Öl keinen Einfluss. An den Börsen spielen weder Umwelt noch die Lebensgrundlagen der darin agierenden Menschen eine nennenswerte Rolle, zumindest nicht, solange beide fern der Finanzzentren liegen. Dort wird aktuell auf steigende Ölpreise gesetzt, weil, so wird kolportiert, die Benzinnachfrage in den USA steigen soll. Das glauben Spekulanten aus den neuen US-Bestandsdaten ablesen zu können. Folgende Zahlen brachten DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Bestandsänderung heraus:

Rohöl: +2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,0 (DOE) bzw. ein Abbau von 4,1 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. Die US-Raffinerieauslastung steht weiterhin bei 88 Prozent.

Traditionell folgt man eher den Daten des DOE, weil diese als zuverlässiger gelten. Wenn Benzin wirklich die Handelsidee war, wich man gestern von der Tradition ab. Die DOE-Daten zeigen jedenfalls einen weiteren Aufbau der Gesamtbestände an. Er führt schon wieder zu einem neuen Höchstvorrat in einem Betrachtungszeitraum von mehr als 20 Jahren.

Heute Morgen ziehen die Ölpreise steil an. Der Dollar fällt rasant. Beide Bewegungen sind zunächst überfällige Reaktionen auf heiß gelaufene Trends. Dass in ihnen eine generelle Trendwende steckt, darf noch bezweifelt werden. Die Tonne Gasöl kostet 613,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 72,50 Dollar. Der US-Dollar wird zu 81,13 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen wieder. Sie konnten wegen des zuvor starken Dollaranstiegs nicht von fallenden Ölnotierungen profitieren. Nun werden sie von steigenden Ölpreisen getrieben. Einmal mehr zeigt sich, wie plötzlich Preiswechsel in einem börsenabhängigen Umfeld vonstatten gehen können. An den realen Marktverhältnissen hat sich zeitgleich gar nichts verändert. Wir sehen es nicht als abwegig an, dass sich nach einem Zwischenanstieg der Preise ein weiterer Abgang ergibt. Hierfür spricht die Sorge um die Stabilität der Finanzsysteme. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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