Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Einstimmige Meinung, Ölpreise zu hoch

Die Rallye an den Ölbörsen geht unvermindert weiter. Die Marke von 100 Dollar für das Barrel Rohöl scheint magische Anziehungskräfte zu entwickeln. Gestern wurde ein Spitzenwert von 93,67 Dollar an der New Yorker Börse erreicht. Angesichts der Wucht, mit der die Preissteigerung verläuft, müsste eklatanter Ölmangel herrschen. Das ist nicht der Fall. Die Versorgung ist derzeit weitgehend störungsfrei. Und das wird sie wahrscheinlich auch in Zukunft bleiben. Die Gegenbewegung zum Ölpreis vollzieht der Dollar. Mit dem gestrigen Ölpreishoch erreichte er ein neues Kurstief. Dem billigen Dollar wird eine Mitwirkung an der Teuerung des Öls zugeschrieben. Der Dollar ist nach wie vor die Hauptwährung im Ölhandel.

Die Meinungen zum Ölpreis sind nahe zu einstimmig. Banker, Broker, Ölhändler, Verbraucher, alle meinen, Öl sei zu teuer. Aber warum fällt der Preis nicht? An der Börse heißt es, der Trend hält so lange, bis er bricht. Dieser Trend ist trotz der Überhitzung offensichtlich noch attraktiv genug, um neue Glücksritter ins Geschäft zu ziehen. Immerhin, die Profis scheinen sich bereits abzuwenden. Ihr Engagement und ihr Überhang auf Kontrakte für steigende Kurse ist in der letzten Woche gesunken. Dennoch sind die Preise im Wochenverlauf kräftig gestiegen. Das sollte ein Zeichen für ein bevorstehendes Platzen der Ölpreisblase sein. Bevor es dazu kommt, wird die Übertreibung aber vermutlich noch extremere Züge annehmen.

Den bullisch eingestellten Marktteilnehmern werden hierzu weiterhin Argumente geliefert. Allen voran ist die teilweise Einstellung der Ölförderung und Ölverladung in Mexiko zu nennen. Diese wurden als Vorsichtsmaßnahme wegen eines starken Sturms im Golf von Mexiko veranlasst. Dadurch fallen täglich 0,6 Mio. Barrel Öl aus. Mexiko ist der zweitgrößte Lieferant der USA mit einem Exportvolumen von 1,45 Mio. Barrel pro Tag. Der Ausfall sollte auf wenige Tage begrenzt bleiben. Nachhaltige Folgen der Liefereinschränkung müssen derzeit nicht befürchtet werden. Weitere bullische Argumente sind der Konflikt zwischen der Türkei und dem Irak um die Eindämmung der terroristischen Aktivitäten der PKK sowie der Atomstreit mit dem Iran. In beiden Fällen ist derzeit keine ernsthafte Auswirkung auf die Ölversorgung absehbar.

Die Versorgungslage wird in guter Nährung durch die weltweiten Bestände wiedergegeben. Diese sind nach Auskunft der IEA (Internationale Energie Agentur) im langjährigen Vergleich unterdurchschnittlich. Die Tatsache rechtfertigt ohne Zweifel höhere Preise. Grund für eine Explosion der Preise bietet sie aber nicht. In den USA sind die Vorräte auf einem leicht überdurchschnittlichen Niveau. Die Gesamtvorräte waren zuletzt im Jahr 2005 vergleichbar hoch, wobei Heizöl deutlich niedriger bevorratet war als heute. Damals kostete das Barrel Rohöl 63 Dollar und die Tonne Heizöl 600 Dollar. Die aktuellen Preise sind 48 Prozent (Rohöl) und 28 Prozent (Heizöl) höher. Vor fünf Jahren waren sämtliche Vorräte deutlich geringer als heute. Rohöl und Heizöl kosteten rund ein Drittel des heutigen Preises.

Gegen die hohen Preise gibt es ein Rezept, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wirken wird, die Einsparung von Energie. Dieses Rezept wurde in der Vergangenheit bereits erfolgreich angewendet. Die Ölpreise wurden auf ein Drittel ihrer bereits erreichten Höhe reduziert. Allerdings litt die Wirtschaft damals, in den 1980er Jahren, zusätzlich an einer Rezession. Diese verstärkte den durch Energiesparen ausgelösten Preisrückgang. Damit Energiesparen preiswirksam wird, bedarf es neben der individuellen Entscheidung der Verbraucher eines politischen Konsenses der Industriestaaten. Erst wenn dieser Kontur annimmt, kann sich die Börsenstimmung grundlegend wandeln. Wenn der gesellschaftliche Wandel Energie aus dem ihr zugeschriebenen Verknappungsszenario herausholt, fällt der Grund, aus der Verknappung Börsengewinne zu erzielen. Bei richtigem Umgang mit Energie, wird diese niemals knapp werden. Dafür steht allein die Sonneneinstrahlung, die die Energie aller fossilen Quellen bei weitem übertrifft.

Heute Morgen hält der Sturm auf weitere Preishöhen inne. Die Tonne Gasöl kostet mit 767,50 $ weniger als gestern Abend. Die Wahrscheinlichkeit für eine konsolidierende Gegenbewegung ist groß.

Unsere Heizölpreise steigen wieder rasant. Der Dollarrückgang kann der Ölpreissteigerung nicht annähernd Paroli bieten. Die Preise kommen den historischen Höchstwerten aus dem Jahr 2005 immer näher. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die aktuelle Übertreibung im Laufe des Winters zu Ende geht. Kurzfristig sollten dann wieder attraktive Preise möglich sein. Ob damit ein grundsätzlich tieferes Preisniveau erreicht wird, ist allerdings fraglich.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen