Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Energiewende könnte kommen

Amerikas Freudentaumel hat den Ölpreisen eine blitzsaubere Gegenreaktion auf den Abwärtstrend eingebracht. Am Tag danach kehrt an den Ölbörsen Normalität ein. Und die heißt fallende Preise. Auf Sicht von mehreren Monaten ist die Gefahr für die entgegen gesetzte Richtung gering. Die OPEC wird sich zwar um diese entgegen gesetzte Richtung bemühen. Die weltweite Konjunktur und eine zu schwache Partnerschaft innerhalb der OPEC wird die Bemühungen aber konterkarieren.

Der neue amerikanische Präsident hat viele Baustellen zu bearbeiten. Die Baustelle „zu hohe Ölpreise“ wird auf absehbare Zeit nicht dazugehören. Dennoch wird die neue Politik langfristig großen Einfluss auf die Entwicklung der Ölpreise haben. Dieser Einfluss wird mittelbar über die Maßnahmen zur Reparatur der Wirtschaft eingebracht. Er hängt an der Entwicklung einiger politischer Großbaustellen. Die prominentesten sind der Irakkrieg und der Atomstreit mit dem Iran. Aber auch im so genannten Hof der USA wird dieser Einfluss gebildet. Hier steht die Beziehung zu Venezuela oben auf der Liste. Nicht zuletzt und besonders wichtig als Impulsgeber der Ölpreise wird die neue amerikanische Energiepolitik sein. Es ist nicht zu erwarten, dass diese eine reine Angebotspolitik sein wird. Sie wird auch eine Verbrauchspolitik werden. Man darf gespannt sein, was Change eines neuen, eines jungen, eines unverbrauchten Amerikas der Welt in dieser Hinsicht zeigen wird.

Angesichts der Begeisterung für den neuen US-Präsidenten drängt es sich auf, an ein „alles ist möglich“ zu glauben. Ein solcher Glaube widerstrebt uns altehrwürdigen Europäern. Viele Menschen in diesem Europa sehnen sich zwar nach einer starken, guten Führungspersönlichkeit, die die Dinge, die als ungerecht empfunden werden, endlich zurecht rückt. Zu diesen Dingen zählen definitiv die Öl- und Energiepreise. Aber unsere Geschichte verbietet es, einer solchen Figur einen all zu großen Führungsanspruch zuzugestehen. Vielleicht jubeln wir auch deshalb so sehr über einen positivistischen Führer in den USA. Das ist unverfänglich.

Zwei Unstände machen die neue Führungspersönlichkeit so interessant. Zum einen ist es die Nähe zur Clintonpolitik der 1990er Jahre. Diese Politik brachte den USA einen nie für möglich gehaltenen ausgeglichenen Staatshaushalt. Mehr noch, es wurden sogar Überschüsse generiert. Zum anderen erlebten die USA und ein Teil der Welt einen wirtschaftlichen Hype ungeahnten Ausmaßes. Am Ende der Clintonära herrschte das Gefühl, die Wirtschaft sei neu erfunden worden. War sie auch, allerdings als gewaltige Blase. Und diese Blase platzte. Spätestens beim Platzen der Blase wurden die zuvor angestoßenen neoliberalen Prozesse zu Exzessen, die die Gesellschaft spalteten. Barack Obama gilt als Mann mit brillanter Auffassungsgabe. Diese sollte es ihm gestatten, das Positive der Clintonpolitik von den Fehlern zu trennen, und daraus einen neuen Weg zu entwickeln. Zu den Fehlern gehört aus heutiger Sicht eine unreflektierte Fokussierung auf persönlichen, monetären Reichtum bei Ausblendung der Folgen für die Welt und ihre Gesellschaft. Hilfreich für den Erfolg clintonscher Wirtschaftspolitik war übrigens ein über weite Strecken historisch niedriger Ölpreis. Es sieht so aus, als sollte Obama in eine ähnlich günstige Lage kommen.

Der zweite interessante Umstand ist die Interpretation der Führungsrolle, zumindest so wie sich diese aus den bisherigen Reden ableiten lässt. Barack Obama versammelt die Menschen um sich, um ihnen mitzuteilen, dass sie selbst die ausübenden Kräfte der sehnsüchtig gewünschten Veränderung sind. Er durchkreuzt ständig den Traum vom guten Führer, der das Wohl aller herstellen wird. Der Bewegung für dieses Wohl wird das Wort geredet. Bewegen müssen sich die Menschen selbst. Insbesondere beim Thema Energie und ihr Preis ist dieser Ansatz so wertvoll. In weiten Zügen kann es keine Regierung der industrialisierten Länder zum Wohl ihrer Menschen richten, wenn diese Menschen nicht ihre Eigenverantwortung erkennen. Kürzer als in den Worten Yes we can und Change kann man eine Veränderung als gemeinsames Handeln nicht fassen. Das Gegenteil ist die Forderung, dass die Politik für günstige Ölpreise sorgen soll. Diese Forderung weist jede Eigenverantwortung von sich.

Gestern war nicht nur der Tag nach einer geschichtsträchtigen Präsidentenwahl. Es war auch der Tag der US-Bestandsdaten. Die bedürfen allerdings kaum der Erwähnung. Sie waren vollkommen unbedeutend. Folgendes gaben DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) als berichtende Instanzen zu Protokoll:

Rohöl: +0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,3 (DOE) bzw. 1,5 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit liegt unverändert bei schwachen 85 Prozent.

Heute Morgen geht die gestern wieder aufgenommene Abwärtsbewegung der Ölpreise weiter. Die Tonne Gasöl kostet 648 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 64,10 Dollar.

Unsere Heizölpreise bewegen sich seit einigen Wochen seitwärts. Die spezielle Situation des Binnenmarktes hat sie vom Weltmarkt entkoppelt. Die nachfragebedingte Preisüberhöhung liegt immer noch zwischen sieben und siebzehn Prozent. Nach wie vor raten wir dazu, mit dem Heizölkauf zu warten. Nach unserer Einschätzung wird der Preis in einigen Wochen tiefer liegen als heute. Das ist eine Einschätzung. Es ist selbstverständlich kein Fakt. Als Unterstützung für die langfristige Veränderung des eigenen Verbrauchsverhaltens empfehlen wir esytrol.com. Denn am langen Ende steht wieder der Umstand, dass der Preis für Wärme durch den eigenen Bedarf bestimmt wird. Und der soll schließlich bezahlbar bleiben.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen