Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Enorme Preisschwingung

Die Preise gaben erheblich nach. Der Preisanstieg der letzten Woche mit neuen Höchstkursen beim Gasöl wurde vollständig annulliert. Geopolitische Verwerfungen und die reale Versorgungslage werden aktuell entspannt beurteilt. Aggressiv in den Markt drängende Longspekulanten haben einen Zenit überschritten. Der mittelfristige Verlauf wird seitwärts bei großen Preisausschlägen erwartet. Kurzfristig erscheint sogar ein Abwärtstrend möglich. Der Dollar behielt seinen Abwärtstrend während der letzte Woche bei. Gestern setzte er zu einer lange erwarteten Gegenbewegung an.

Der Markt wird heute anders gesehen als im April. Die Selbstverständlichkeit von Knappheit existiert nicht mehr. Die positive Entwicklung der US-Vorräte und eine moderate Reduzierung der prognostizierten Nachfragesteigerung durch die IEA (Internationale Energie Agentur) trugen wesentlich dazu bei. China ist bemüht, den Import durch Stützung der eigenen Währung zu bremsen. Der Saudische Ölminister Naimi warnt seine OPEC-Kollegen vor der Erwartung eines dauerhaften Ölpreisanstiegs. Auf einer Konferenz in Amman interpretierte er die Geschichte der 1980er Jahre als die Preise nach einem starken Anstieg auf historische Höhen um 80 Prozent fielen, weil die Industrienationen sich alternativen Energieträgern zuwandten. Der kausale Zusammenhang von Preisverfall und Energiealternativen ist allerdings zweifelhaft. Damals rutschte die Weltwirtschaft nicht zuletzt wegen des Ölpreisanstiegs in eine Rezession.

Auf dem Weg der Änderung befindet sich auch die geopolitische Sicht der Marktteilnehmer. Der Atomkonflikt mit dem Iran, der Ölkrieg in Nigeria und der Streit Venezuelas mit den USA bekommen etwas Alltägliches. Damit schwindet das gefühlte Bedrohungspotential. Derzeit wird die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran als gering eingeschätzt. Die EU ist bemüht, ein Einlenken Teherans mit umfangreichen wirtschaftliche Hilfen zu goutieren. Der Ton des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad klingt derweil salonfähiger. In Nigeria erklären Rebellen ausländischen Gesellschaften laufend Krieg. Es gelingt ihnen auch, die Produktion zu behindern. Zum Stillstand werden sie sie aber nicht bringen. Die jüngste Explosion einer Pipeline mit Hunderten von Toten geht nicht auf ihr Konto. Sie war Folge eines ?normalen? Öldiebstahls. Venezuelas Präsident Hugo Chavez droht den USA mit Einstellung der Öllieferungen, wenn die empfundene Bedrohung nicht beendet wird. Er fürchtet Umsturzversuche durch die CIA. Die USA sind Hauptabnehmer des minderwertigen venezuelanischen Öls. Nur die USA verfügen über ausreichend Raffinerien, die dieses Öl verarbeiten können. Sollte Chavez das Öl nicht mehr in die USA liefern, würde sein Land wirtschaftlich kollabieren, denn anderweitig kann er es nicht in großem Stil verkaufen.

Die genannten Aspekte lassen den Markt von einer übertrieben bullischen Einstellung in eine neutrale bis bärische Stimmung gleiten. Langfristig wird die Entwicklung allerdings nach wie vor bullisch beurteilt. Das ergibt sich aus strategischen Handlungsweisen von Investmentbanken und Fondgesellschaften, den oft erwähnten großen Spekulanten. Diese engagierten sich bisher an den Ölbörsen in sogenannten Paperbarrels. Zunehmend kaufen sich diese Gesellschaften nun auch in das physische Ölgeschäft ein. Das prominenteste Beispiel ist Goldman Sachs mit umfangreichen Beteiligungen an Produktions- und Raffinerieunternehmen. Aus dem Erwerb von Firmenanteilen lässt sich schließen, dass die Banker die Ölpreisentwicklung langfristig als steigend beurteilen. Damit stehen sie übrigens auf einer Gegenposition zu den Mineralölgesellschaften, die fast unisono fallende Preise prognostizieren. Die Tiefe des vorhergesagten Falls wird allerdings immer geringer.

Die großen Spekulanten senkten in der letzten Woche den Nettoüberhang an Kontrakten auf steigende Preise. In der Vorwoche hatte der ein historisches Hoch erreicht.

Heute Morgen befindet sich der Gasölpreis weiterhin im Rückwärtsgang. Die Tonne kostet 606 $.

Unsere Heizölpreise sind deutlich gefallen. In der Monatsdarstellung beschreiben sie nun einen Abwärtstrend. Die klarere Trendausprägung als am internationalen Markt ist dem geradlinig nachgebenden Dollar zu verdanken. Wir halten die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Preisrückgangs für hoch. Die Preise schwingen dabei heftig. Eine plötzliche Bewegungsumkehr gehört zur Tagesordnung. Spekulativ eingestellte Verbraucher sollten die Erwartung an einen Preisrückgang nicht überziehen.

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