Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Entmachtung ist alternativlos

Bankenrettungen sind gefährlich. Sie verteuern die Lebenshaltungskosten und legen die Grundlage für die nächste Kreditklemme. Mit nicht werthaltigem Geld und zweifelhaften Versprechen werden bilanzielle Schieflagen temporär korrigiert. Bankenrettungen sind Brandbeschleuniger in einem halt- und grenzenlosen System aus Zahlen, das das reale Leben maßgeblich bestimmt. Gestern führte die pure Ankündigung einer umfassenden Bankenrettung in Europa zu einem kräftigen Anstieg der Öl- und Aktiennotierungen. Dabei blieb die Ankündigung jedwede Konkretisierung schuldig. Gewicht bekommen derartige Vorgänge nicht durch ihren Inhalt, sondern durch ihre Darsteller. Die Anwendung von Glaubenssätzen unter strikter Missachtung besserer Erkenntnis gibt der Szenerie Züge des mittelalterlichen Ablasshandels.

Abwesenheit notwendiger Konsequenzen muss dem Führungspersonal unseres Landes auch auf ihrem schillerndsten Gebiet, der Energiewende, vorgeworfen werden. Mit bemerkenswertem Trara wurde sie nach vorheriger Wende in die entgegengesetzte Richtung ausgerufen. Dabei war die aktuelle Richtung als Kompromiss nach langem Ringen unter den relevanten Gesellschaftsgruppen längst etabliert. Große und kleine Energieversorger kannten und akzeptierten den Fahrplan des Wandels. Ohne Not wurde dieser Fahrplan verworfen. Bei den größten Energieunternehmen des Landes wurden alte Begehrlichkeiten reaktiviert. Nachdem ihre Geschäftsplanungen auf Vergangenheit umgeschrieben waren, wurden sie mit der Wende von der Wende überrascht. Dass diese Unternehmen heute nicht an der Gestaltung der Energiewende, sondern am Rückbau ihrer Unternehmen arbeiten, um auf eine weitere politische Wendung schneller reagieren können, ist nachvollziehbar. Ohne diese Unternehmen, die das Große beherrschen, ist eine funktionierende Wende in Deutschland aber kaum zu haben. Und so hinkt ihre konkrete Umsetzung den formulierten Ansprüchen weit hinterher. Aus heutiger Sicht ist der Wendefahrplan Makulatur.

Der Ärger, den Verbraucher über die Ölpreise hegen, wird als Sorge über die Entwicklung von Rohstoffpreisen in der Industrie hörbar. Die zunehmenden Preisausschläge sind für Unternehmen, die auf Rohstoffe und Energie angewiesen sind, kaum noch beherrschbar. Sie werden existenzgefährdend. Dabei beklagen sich ihre Sprecher nicht über die stete Preissteigerung der knapper werdenden Rohstoffe. Dieser Grundtendenz müssen sich alle Marktteilnehmer stellen. Sie beklagen sich über das vom Finanzzirkus ausgelöste Auf und Ab der Preise, das nur mit der Kompetenz der Finanzjongleure selbst in den Griff zu bekommen ist. Die Finanzindustrie unterminiert mit ihrem Handeln einen Wirtschaftsbereich nach dem anderen. Ausgerechnet dieser Industrie wird von selbstverursachter Krise zu selbstverursachter Krise mehr Geld übergeben.

Aktuell spielt die Tatsache, dass die Ressourcen knapper werden, keine Rolle am Ölmarkt. Er ist gut versorgt. Die physische Entspannung wird in herabgestuften Nachfrageprognosen erkennbar. Längerfristig gehen Statistiker allerdings eher von steigender als fallender Nachfrage aus. Das US-Energieministerium hat den erwarteten Ölverbrauch für das Jahr 2035 gerade um 1,4 Prozent auf ein Plus von 26 Prozent angehoben. Ursächlich für den Anstieg sei im Wesentlichen die Mobilitätsentwicklung in China und Indien. Knapp die Hälfte des Mehrbedarfs sei den Erwartungen zufolge mit konventionellem, also relativ günstig förderbarem Öl zu decken. Der größere Teil muss mit teurem unkonventionellen Öl aus der Tiefsee und aus Ölsänden sowie mit Bioöl aufgebracht werden. Preissteigerungen, die auf realwirtschaftliche Kostensteigerungen zurückgehen, sind dabei unvermeidbar.

Zu diesen Kostensteigerungen, die mit Sicherheit weniger Einfluss auf die Ölpreise ausüben werden als die Finanzmarkteinflüsse, kommen preisrelevante Bedürfnisse einiger wichtiger Ölexportländer hinzu. Ihre Staatshaushalte sind auf erhebliche Einnahmezuwächse aus Öl angewiesen, um die soziale Stabilität zu wahren. In Saudi-Arabien und Kuwait wuchsen die Ansprüche an den zur Etatdeckung notwendigen Ölpreis zwischen 2008 und 2011 von 30 Dollar pro Barrel auf 85 Dollar pro Barrel. In Abu Dhabi und Bahrein schnellten die Ansprüche sogar auf über 100 Dollar pro Barrel empor. Wenn die Staatsführungen ihre Bevölkerungen nicht mit ausreichend Petrodollars besänftigen können, drohen die Gesellschaften zu explodieren. Dann wird der Ölfluss wie im Fall Libyens schwerwiegend unterbrochen werden. Die Preise würden ebenfalls explodieren.

Die Vorgänge in der arabischen Welt sind kaum vorhersehbar. Im Gegensatz dazu ist die Entwicklung der Finanzsysteme geradezu deterministisch beschreibbar. Die staatlichen Maßnahmen zur Beruhigung der „Märkte“ und zur Stabilisierung der Banken, die letzten Endes allesamt über weitere Schuldverschreibungen funktionieren, setzen das grenzenlose Anwachsen von Schulden und nicht werthaltigem Geld fort. Der Mangel an Werthaltigkeit führt in Kürze zur nächsten Abschreibungswelle bei den Banken mit der Konsequenz einer noch größeren Schuldverschreibungsaktion durch die Staaten. Der Teufelskreis wird solange fortgesetzt, bis auch hierzulande arabische Verhältnisse ausbrechen. Diese Entwicklung war bereits bei der ersten großen Bankenrettung in 2008 erkennbar. Nach jeder vermeintlich geglückten Rettungsaktion werden Öl- und Rohstoffpreise neue Kapriolen ausführen, weil das neue Geld nach neuer Anlage strebt.

Heute Morgen scheinen sich die Kapriolen der letzten Tage ein wenig zu beruhigen. Die Ölpreise geben leicht nach. Charttechnisch würde eine Umkehr der Preisentwicklung ins Bild passen. Die fundamentale Freude über neue Geldzuflüsse kann die Charttechnik allerdings aushebeln. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 947,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 84,72 Dollar und in London zu 108,24 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,39 Eurocent.

Unsere Heizölpreise kommen nach dem kräftigen Anstieg der letzten Tage ein wenig zurück. Gestern stach der rückläufige Dollar die steigenden Ölnotierungen. Wohin sich die Preise in den kommenden Tagen entwickeln werden, ist schwer einschätzbar. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden sie auf keinen Fall einbrechen. Davor bewahrt sie der feste politische Wille, die Finanzindustrie zu jeden notwendigen Kosten zu stützen. Diese Haltung kann sogar den langfristigen Aufwärtstrend der Ölpreise wiederherstellen. Um Ruhe ins System zu bringen, ist die Entmachtung der Finanzindustrie alternativlos. Die Wortwahl dieses Satzes dürfte der politischen Klasse vertraut und verständlich sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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