Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Entspannt auf hohem Niveau

Der langfristige Aufwärtstrend wird weiterhin von Heizöl und Benzin gestützt. Zwar tendierten die Produktenpreise am Freitag und gestern etwas leichter, ein durchschlagender Impuls für einen Preisrückgang fehlt aber. Rohöl befindet sich dagegen in einem schwachen kurzfristigen Abwärtstrend. Der Dollar setzt seinen Aufwärtstrend fort. Er steht kurz davor, ein 22-Monats-Hoch zu markieren.

Die Preise werden z.Z. vom Heizölhandel hoch gehalten. Im Gegensatz zu Benzin und Rohöl wurden die Nettopositionen auf steigende Kurse in der letzten Woche erhöht. Insgesamt sind die Positionen der Händler für die Produkte leicht bullisch und für Rohöl bärisch. Die Positionsverschiebungen tragen dem überraschenden Aufbau der Benzinbestände und der guten Rohölbevorratung Rechnung. Die gut gefüllten Heizöllager werden dagegen nicht gewürdigt. Hier wird mit fiktiven Versorgungsengpässen im Winter gespielt.

Wie sich die komplexe Versorgungslage nach den Hurrikans wirklich darstellt, wird erst langsam deutlich. Es sieht so aus, als hätte Katrina vergleichsweise geringe Schäden an Bohrinseln und große Schäden an Förderanlagen und Raffinerien hinterlassen. Bei Rita verhält es sich umgekehrt. Die Raffinerien kamen glimpflich davon. Bohrinseln wurden in größerer Zahl zerstört. Einige Anlagen werden nach wie vor vermisst. Förder- und Raffinerieprobleme wirken vor allen Dingen kurzfristig auf die Preisbildung. Die Schäden an den Bohrinseln haben eher langfristige Wirkung. Sie betreffen viele Explorationsvorhaben, deren Abschluss nun um Monate oder sogar Jahre verschoben werden muss. Teilweise müssen Inseln ersetzt werden. Die entsprechende Industrie benötigt mindestens 18 Monate für den Bau einer Anlage. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Daher ist mit längeren Lieferzeiten zu rechnen.

In der letzten Woche waren noch 15% der US-Raffinerien abgeschaltet. Das entspricht 1,3% der weltweit raffinierenden Anlagen. Dem Markt gehen dadurch täglich u.a. 1,3 Mio. Barrel Benzin verloren. Trotz des Verlusts steigen die US-Benzinvorräte seit zwei Wochen, was allgemeines Erstaunen auslöst.

Das schwerwiegendste Problem der Ölversorgung, die knappen US-Raffineriekapazitäten, sollte sich in den nächsten Jahren zumindest nicht verschärfen. Es ist zwar lediglich der Bau einer einzigen neuen Raffinerie auf US-Boden geplant. Die bestehenden Anlagen werden aber, wenn es plangemäß verlauft, durch Aus- um Umbaumaßnahmen deutlich mehr Kapazität erhalten. Im Laufe der kommenden fünf Jahre sollte die Kapazität um 1 Mio. Barrel pro Tag wachsen. Das würde dem aktuellen Verbrauchswachstum entsprechen. Die heutige Deckungslücke der USA würde fortgeschrieben. Da in anderen Teilen der Welt kräftiger in Raffinerien investiert wird, sollte die weltweite Deckungslücke schrumpfen.

Die Rohölversorgung ist weder heute ein Problem noch scheint sie in den kommenden Jahren kritisch zu werden. Für Entspannung sorgen z.Z. u.a. Russland mit einer Steigerung der Förderleistung, die zu einem großen Teil in die USA fließt, und China, das die Pläne für den Aufbau der strategischen Reserven geändert hat. Es wird ausschließlich Öl aus eigener Förderung in die Kavernen gepumpt. Eine Belastung des Weltmarkts soll es nicht geben.

Diese im Rahmen der aktuellen Verhältnisse als freundlich einzustufenden Fakten werden durch die weitere Freigabe der strategischen US-Reserven in der kurzfristigen Zeitspanne bereichert. Negativ wirkt neben der allgemeinen Verunsicherung wegen des nahenden Winters der Atomstreit mit dem Iran und ein Streik in Frankreichs Ölhäfen. Während der Iran mit dem Griff zum Ölhahn für längerfristigen Ärger am Markt sorgen kann, ist dem Streik wenig Bedeutung zuzuschreiben.

Charttechnisch befindet sich der Markt in einer ambivalenten Lage. Eine klare Richtung lässt sich nicht interpretieren. Viele Charttechniker sehen den Aufwärtstrend dennoch leicht dominant.

Dazu passend ist heute Morgen Stillstand bei der Preisbewegung für Gasöl zu verzeichnen. Die Tonne kostet 624$.

Unsere Heizölpreise kriechen geringfügig abwärts. Wie am Weltmarkt ist auch für den heimischen Markt keine klare Richtung auszumachen. Die fundamentalen Umstände und die zeitliche Komponente sollten einen Rückgang ermöglichen. Die Psychologie der Märkte sprach aber mehrfach eine andere Sprache. Eine Störung, woher sie auch kommen mag, kann schnell zu einer Krise aufgebauscht werden und die Preise weiter in die Höhe treiben.

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