Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Enttäuschte Hoffnung

Eine Gegenbewegung auf die überhitzten Preise war überfällig. Die Gegenbewegung wurde am Dienstag in Erwartung erfreulicher Zahlen über die Entwicklung der US-Ölvorräte eingeleitet. Aber die Zahlen enttäuschten. Und so machten die Preise das, was sie seit geraumer Zeit machen. Sie stiegen rasant in die Höhe. Wieder wurden die etwas entspannten Kurse als Einladung zum Nachkaufen von Long-Kontrakten, also den Papieren, die ihre Besitzer bei steigenden Kursen reich machen, genutzt.

Die marktbeherrschenden Themen sind seit Monaten gleich: Sorge vor einer Benzinverknappung in den USA während der Sommermonate, Angst vor Terror und Krieg im Irak und in der gesamten Nahost-Region sowie eine Verbrauchsexplosion in Fernost insbesondere in China. Alle Themen lassen derzeit nur steigende Preise zu. Bisweilen werden sie von freundlichen Randerscheinungen begleitet, die kleine Störungen in die Aufwärtslinie der Preise malt.

Eine solche Erscheinung ist die Diskussion der OPEC über ihre Ausstoßpolitik. Es zeichnete sich die Tendenz ab, dass die Mitgliedsstaaten eine Erhöhung der Quoten bereits vor ihrem nächsten offiziellen Treffen am 03. Juni in Beirut herbeiführen werden. Dieser Umstand unterstützte die beginnende Gegenbewegung zur dominanten Preisentwicklung.

Doch nachdem die Zahlen über die US-Vorräte schlecht ausfielen, wurde auch die hilfreich gemeinte OPEC-Diskussion in Zweifel gestellt. Die Mitgliedsstaaten fördern bereits über den Quoten. Die meisten von ihnen haben gar keine Möglichkeit mehr, ihre Produktion zu steigern. Eine Anhebung der Quoten kann allenfalls auf dem Papier eine Korrektur der Lage bringen. Die Realität bleibt unbeeinflusst. Diese frustrierende Erkenntnis bringt die OPEC zu der oft wiederholten Äußerung, dass sie die hohen Preise z.Z. nicht mit ihren Mitteln korrigieren kann. Die Preise werden durch Umstände getrieben, die außerhalb der Einflusssphäre der OPEC liegen.

Nun zu den US-Vorratszahlen von API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy), die die Märkte gestern enttäuschten:

Rohöl: -1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe werden Gewinne von 1,8 bzw. 4,6 Mio. Barrel ausgewiesen. Die Importe sind deutlich höher als in der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung ist mittelmäßig. Die Zahlen tragen zwar ein positives Vorzeichen. Aber nachdem die Vorräte seit Wochen fast unverändert blieben, hatte sich eine Erwartungshaltung auf einen kräftigen Anstieg insbesondere beim Benzin eingestellt. Dass der in der notwendigen Höhe ausbleibt, zeigt den Händlern, wie prekär die Lage ist, in der sich die Märkte befinden. Das löst, wen wundert es noch, neue Preissteigerungen aus.

Möglicherweise werden die heute als übertrieben angesehen und etwas korrigiert. Es sieht aber weiterhin nicht so aus, als sei in absehbarer Zeit mit deutlich fallenden Preisen zu rechnen. Längerfristig wird es vermutlich entspannende Tendenzen aus Fernost geben, weil das Wirtschaftswachstum dort nicht durchzuhalten ist. Derzeit herrscht aber Boom und der schafft das Fundament für die weltweit steigenden Ölpreise.

Der Gasölpreis hält heute Morgen inne. Mit 334$ pro Tonne befindet er sich auf dem Niveau von gestern Abend.

Unsere Heizölreise laufen Gefahr, kurzfristig noch stärker anzuziehen als die von Enttäuschung getriebenen Weltmarktpreise. Sie werden heute Morgen zu allem Überfluss von einem teureren Dollar belastet. Der Aufwärtstrend der Preise wird immer wieder neu bestätigt. Daher bleiben wir bei der Empfehlung, jetzt eine Teilmenge Heizöl zu kaufen, um damit weiteren Preissteigerungen zuvor zu kommen. Wenn die Preise in einigen Monaten doch nachgeben sollten, ist Freiraum im Tank vorhanden, um diese ausnutzen zu können. Wenn ein Preisrückgang auf lange Sicht ausbleiben sollte, haben Sie aber wenigstens etwas Heizöl zu moderaten Preisen eingekauft.

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