Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Erster Erfolg für die Unbestechlichen

In diesem Markt geht es nicht um Öl. In diesem Markt geht es um Geld. Der Ölpreis ist lediglich das Gewinnbarometer für einen kleinen Club großer Geldschieber. Für die maßgeblichen Preismacher ist es unerheblich, dass eben dieser Ölpreis einen ganz realen Bezug zum Gütermarkt hat und das Leben der meisten Menschen mindestens in den Industrienationen spürbar beeinflusst. Gegen diese unerträgliche Ignoranz ziehen ein paar mutige Menschen zu Felde. Die Unbestechlichen. Entschuldigung, der Titel ist geklaut. Die Sache ist aber tatsächlich Stoff für großes Kino. In der Hauptrolle Gary Gensler, Chef der Terminbörsenaufsicht CFTC. Der Mann weiß, wie seine Gegner ticken. Der Mann war selbst sein Gegner, bevor er das Lager wechselte. Es ist schwer vorstellbar, dass dieser smarte Volkswirt und seine Leute der Geldarmee unter Führung von Goldman & Sachs und der Deutschen Bank Einhalt gebieten können. Aber genau das macht ja den Reiz der Geschichte. Gensler hat den Segen Barack Obamas. Er persönlich vertraute ihm die Aufgabe an.

Mittlerweile macht die Truppe um Gensler von sich Reden. Sie sorgt für Unruhe im Markt. Mehr als die Unruhe wird sie allerdings den Hohn der Branche spüren. Goliath in Form der Banken wird sich von David Gensler das Geschäft nicht verderben lassen. In der Tat haben sich die Unbestechlichen durch einige Kommunikationsfehler bereits lächerlich gemacht. Aber Fehler gehören zum Geschäft. Aus ihnen lernt man, wenn man Unbestechlicher ist. Und so dürfen wir als Publikum uns auf einen spannenden Verlauf der Geschichte freuen und auf ein Happy End hoffen.

Der aktuelle Preisrückgang am Ölmarkt könnte ein kleiner Etappensieg für die Unbestechlichen und damit für das Publikum sein. Die Gegner nennen zwar mehrheitlich die Unsicherheit aus den Aktienmärkten, insbesondere aus China, als Ursache. Diesen Grund kann der Spekulantenclub schließlich leichter zugestehen, als von David Gensler einen Nadelstich erhalten zu haben. Wie unangenehm die Streiter für einen ehrlichen Markt dem Club zusetzen, zeigt indes die Schließung eines Ölmarktfonds der Deutschen Bank. Dieser Fonds, PowerShares DB Crude Oil Double Long, ist im Ölgeschäft kein Peanut. Und die Deutsche Bank ist im Spekulationsgeschäft ein Riese. Es wird bereits gemunkelt, dass das erst der Anfang ist. Weitere Fonds werden schließen, weil sie durch die von Gensler durchgesetzte Begrenzung von Positionen nicht mehr handlungsfähig sind. Im Klartext bedeutet das, dass sie den Markt nicht mehr manipulieren können, indem sie ihn mit ihrem unermesslichen Geldvermögen dominieren. Man darf auf die Fortsetzung der Geschichte gespannt sein.

Der Ölmarkt selbst bot gestern die US-Bestandsdatenshow. Die war wenig ergiebig. Es handelte sich wie so oft um ein Nichtereignis. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) brachten mit den Benzinzahlen zwar einen knackigen Rückgang auf den Plan. Der tangiert die außergewöhnliche Höhe des Gesamtbestands aber nur unwesentlich. Und so war es plausibel, dass aus den Daten kein Richtungswechsel der Preise folgte. In Zahlen lauten die Bestandsdaten wie folgt:

Rohöl: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,2 (DOE) bzw. 5,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind unverändert zur Vorwoche und tiefer als im Vorjahr. Die US-Raffinerieverfügbarkeit ist um 3 Prozent auf 87 Prozent gestiegen. Das kann als bärischer Impuls durchgehen, weil es die gute Versorgungslage unterstreicht. Hart gesottene Bullen können darin allerdings den Beweis für ein Anziehen der Nachfrage finden.

Und dann war da noch eine Meldung der BP. Die hat eine bedeutende Entdeckung gemacht. Sie fand im Golf von Mexiko ein gigantisches Ölfeld. Das verspricht langfristig einen nennenswerten Beitrag für die Ölversorgung zu leisten. Es zeigt aber auch, dass die Preise nicht mehr so niedrig bleiben werden, wie sie einmal waren. BP musste nämlich mehr als zehn Kilometer tief bohren, um an das Öl heranzukommen. Dass das unglaublich teuer ist, erschließt sich dem interessierten Verbraucher sofort. Auf die Preisbildung hatte die Meldung keinen Einfluss.

Die Preisbewegung macht einen ausgereizten Eindruck. Die Charts lassen bereits wieder steigende Preise erahnen. Die Aktienmärkte geben entsprechende Vorgaben. Hier lohnt erneut der Blick auf China. Shanghai Composite hatte gestern ein Plus von 1,2 Prozent. Heute Morgen stehen fast 5 Prozent Steigerung auf der Kurstafel. Kurzfristig kann es also wieder aufwärts gehen. Mittelfristig hoffen wir auf Gensler. Aktuell kostet die Tonne Gasöl 550 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 68,64 Dollar. Der US-Dollar wird zu 69,93 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise zeigten einen flotten Fall. Der große Wurf wird es dennoch nicht werden. Man muss sich mit begrenzten Vergünstigungen begnügen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Für den Jahresverlauf sehen wir durchaus die Möglichkeit tieferer Preise. Wer dringend Heizöl braucht, sollte darauf allerdings nicht bauen. Er sollte die Gunst der Stunde nutzen. Am ganz langen Ende, das heißt in ein paar Jahren droht Heizöl, wie alle anderen Energieträger auch, viel teurer zu werden. Damit das nicht schmerzt, muss man sich heute mit der Reduzierung des Verbrauchs auseinandersetzen. Ein Einstieg ist www.esytrol.com.

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