Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Erster Hurrikan verlief schadlos

Die Dominanz der Sturmangst ist unübersehbar. Zwischen Ankündigung und Abkündigung des ersten harmlosen Hurrikans der Saison stieg und fiel der Rohölpreis um 2,5 Dollar. Kurzfristig bleibt der Seitwärtstrend der Preisbewegung erhalten. Durch die positive Entwicklung im Atomstreit mit dem Iran erhöht sich der allgemeine Druck auf die Preise, so dass ein leichter Preisrückgang als Grundmuster möglich wird. Aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden die Hurrikane der nächsten Wochen für neuen, teilweise scharfen Preisauftrieb sorgen. Der Dollarkurs wird von Inflationsängsten und damit verbundenen Zinsphantasien geleitet. Er etabliert einen kurzfristigen Aufwärtstrend gegenüber dem Euro.

Nach dem starken Preisanstieg im April konsolidieren die Preise seit einigen Wochen. Auf Grund der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung wäre auch ein Preisrückgang denkbar. Die als global empfundene Eintrübung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat ihren Ursprung in den USA. Belastet durch hohe Energiepreise steigt die Inflation übermäßig stark. Hinzu kommt eine exorbitant hohe Staatsverschuldung und ein zu großes Außenhandelsdefizit. Fachkundige Beobachter wundern sich nicht über einen Rückgang des Wirtschaftswachstums der Supermacht. Im Gegenteil, die scheinbar robuste Wirtschaft erzeugte eher Erstaunen. Den Rest der Welt betrifft das allerdings noch wenig. Insbesondere die neuen Wachstumsmotoren in Asien laufen weiter auf Hochtouren. Ihr Energie- und Rohstoffhunger ist ungebrochen.

Da die USA knapp ein Viertel der Weltölproduktion für sich in Anspruch nehmen, hat eine Veränderung ihrer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach wie vor die größte Bedeutung für den Ölmarkt. Mittelfristig sollte ein Nachlassen des Nachfragewachstums positiv auf den Ölpreis wirken. Langfristig wird es durch die Entwicklung in China, Indien und anderen neuen Wirtschaftsmächten eher bedeutungslos. Da die Börsen eine hohe Zukunftskomponente handeln, wird der mittelfristige preisdämpfende Effekt begrenzt bleiben.

Das politische Gezerre um das iranische Atomprogramm war im April einer der Haupttriebsfedern für Preisauftrieb. Mittlerweile hat die internationale Politik einen erstaunlich ruhigen Kurs in der Sache gewählt. Außerdem wird immer deutlicher, dass sich der Iran wirtschaftlich keinen Einsatz der Ölwaffe leisten kann. Daher wäre es folgerichtig, wenn die Preise ihren ?politischen? Anteil wieder aufgäben. Er wird auf bis zu 25 Prozent geschätzt.

Die Börsenmeinung, dass die Preise grundsätzlich ein höheres Niveau verdienen als vor wenigen Jahren, wird inzwischen von den Mineralölgesellschaften übernommen. Zur Diskussion steht allerdings die Höhe. Während Investitionsplanungen vor Kurzem noch auf Rohölpreisen unter 20 Dollar pro Barrel basierten, werden heute bereits Werte von knapp 50 Dollar angewendet. Börsianer scheinen hier eher 70 Dollar als langfristige Zahl zu favorisieren.

Die Konsolidierung der Preise auf hohem Niveau wird durch das Engagement der großen Spekulanten gespiegelt. Nach einem historischen Hoch Ende April fiel es bis Mitte Mai deutlich ab. Nun steigt es wieder. Der Nettoüberhang auf Kontrakte für steigende Preise ging seit Ende April stetig zurück. Er ist allerdings nach wie vor deutlich positiv. Neben dem langfristigen Motiv dauerhaft hoher Energiepreise kann man die kurzfristige Erwartung aus der Hurrikansaison vermuten. Sie wird aktuell leicht preistreibend gesehen.

Preisauftrieb liegt heute Morgen nicht vor. Im Gegenteil, die gestern begonnene Entspannung setzt sich fort. Gasöl kostet 623,50 $ pro Tonne. Gestern Mittag lag der Preis noch bei 643 $.

Unsere Heizölpreise fallen. Im Gegensatz zu den Weltmarktpreisen ist die Wirkung allerdings gering. Der momentan erstarkende Dollar hält dagegen. Wir bleiben bei der Einschätzung, dass sich die Preise im Wesentlichen seitwärts bewegen werden, bis ein schwerer Hurrikan über die USA herfällt. Dann rechnen wir mit deutlich steigenden Preisen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen