Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Es geht noch was rein

Obama rettet die Preise. Sein geplantes Stimulusprogramm verhinderte gestern einen Absturz. Zu dem setzten die Ölnotierungen spätestens nach Veröffentlichung der US-Bestandsdaten an. Diese übertrafen die Erwartungen erneut beträchtlich. Doch bereits zuvor purzelten die Preise wegen übler Meldungen über die Konjunktur. Sie werden zur Gewohnheit. Gewöhnen will sich dennoch niemand daran. Der Preistrend der meisten Ölpapiere weist mittlerweile schwach abwärts. Lediglich der aktuelle Future für US-Rohöl, der seit zwei Wochen Tiefpreise produzierte, ist nach Erreichen des letzten Auslaufdatums und dem Wechsel auf den nächsten Monat in einen Seitwärtstrend gesprungen. Es ist zu erwarten, dass sich die Preisbildung der Ölsorten in Kürze wieder im Gleichtakt entwickeln wird. Der Dollar schwingt nach wie vor weit um eine gedachte Seitwärtslinie. Die negative Entwicklung am Aktienmarkt sorgt für Geldflüsse in die vermeintlich sicherere US-Währung. Dadurch steigen die Notierungen.

Neben den Erwartungen an die konjunkturbefruchtenden Maßnahmen der neuen US-Regierung stehen die Kürzungsbemühungen der OPEC und im Speziellen Saudi Arabiens auf der preistreibenden Seite. Gestern war von einer weiteren Kürzung um 0,3 Mio. Barrel pro Tag die Rede. Es ist allerdings noch unklar, wie weit die Umsetzung der zuvor beschlossenen Ausstoßreduzierung gediehen ist. Einige Analysten meinen in der relativ robusten Preisentwicklung des OPEC-Korbs innerhalb der letzten zwei Wochen ein Indiz für wirkende Kürzungen erkennen zu können. Andere sehen derzeit noch keine Datengrundlage, um über die Umsetzung ein Urteil zu fällen. Dass die hochtrabenden Vorgaben des Kartells eins zu eins umgesetzt werden, gilt als abwegig. Die Geschichte zeigt, dass dem Preisdruck einer wegbrechenden Konjunktur mit Kürzungen der Öllieferungen kaum beizukommen ist. Zumal diese sehr sensibel gehandhabt werden müssen, um keine zusätzliche Belastung der Wirtschaft darzustellen.

Nun spricht vieles für die seit einiger Zeit geäußerte Erwartung einer Bodenbildung der Preise. Vollkommen unabhängig von den aktuellen Angebotsmengen scheint der Preisverfall einen Punkt erreicht zu haben, an dem der Wert der Ware wieder erkannt wird. Das Bewusstsein, dass es sich beim Öl um ein endliches Gut handelt, ist trotz des jüngsten Ausverkaufsszenarios noch vorhanden. Den Protagonisten ist klar, dass allein für das Halten der aktuellen Förderung große Geldsummen in den Aufbau der Infrastruktur investiert werden müssen. Sollte das unterbleiben, wäre jede Kürzungsdiskussion noch überflüssiger als sie ohnehin ist. Denn dann würde nicht wirtschaftlich denkendes Führungspersonal den Ölfluss entsprechend des Bedarfs regeln, dann würde die Natur den Fluss mit einer degressiven Kennlinie drosseln. Erfreulicherweise sinkt nicht nur der Ölpreis. Auch die Kosten für Infrastruktur geben in der Krise spürbar nach, was in Teilen den sinkenden Ölpreis rechtfertigt. Während des Preisbooms stiegen beispielsweise Explorationskosten um jährlich 19 Prozent. Heute fallen sie. Stahl für Bohr- und Produktionsplattformen verbilligte sich seit dem letzten Sommer um 50 Prozent. Charterpreise für Bohranlagen sanken um 30 Prozent.

Vor dem Hintergrund der US-Vorratsentwicklung mutet die notwendige Knappheitsbetrachtung geradezu akademisch an. Wie sich gestern wieder herausstelle, fließt derzeit mehr Öl in die Vorratstanks, als ihnen entnommen wird. Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gelieferten Daten zeigen zumindest für Rohöl diese übereinstimmende Tendenz. Zuletzt war häufig zu hören, dass die Tanks randvoll seien und dass sogar schon Schiffe zur Lagerung dienen müssen. Der Blick auf die Vorratsentwicklung zeigt allerdings, dass noch Platz ist. Vor eineinhalb Jahren lagerten in den Tanks über sechs Prozent mehr Rohöl als heute. Der Aufbau kann also weitergehen. Die Lagerung auf Schiffen hatte eher steuertechnische Gründe während des Jahreswechsels. Folgende Zahlen über die wöchentliche Veränderung der US-Vorräte wurden verkündet:

Rohöl: +6,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +9,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +6,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 13,4 (DOE) bzw. 9,9 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und etwas geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 83 Prozent gesunken. Dieser schlechte Wert scheint in Übereinstimmung mit der Nachfrage zu stehen. Denn ein bullisches Signal geht in keiner Weise von ihm aus. Gleichwohl bleibt die gewollte Raffinerieschwäche ein ständiger Preistreiber für Produkte.

Die Gesamtvorräte waren seit über zehn Jahren nicht mehr so hoch wie heute. Sowohl Rohöl als auch die Produkte werden deutlich über den langjährigen mittleren Tankinhalten bevorratet. Von Knappheit gibt es keine Spur.

Heute Morgen herrscht erneut Preisdruck. Die Tonne Gasöl kostet 412 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 42,09 Dollar. Im Gegenzug steigt der US-Dollar auf 0,78 Euro an.

Unsere Heizölpreise geben leicht nach. Mittelfristig folgen sie einem Seitwärtstrend. Kurzfristig zeigen sie einen schwachen Abwärtstrend. Möglicherweise erreichen sie nun doch schneller als erwartet die Tiefpreise von Ende Dezember. Angesichts der starken Nachfrage wegen tiefer Temperaturen und vergleichsweise günstiger Heizölpreise rechneten wir zuletzt erst zum Ende des Winters mit neuen Tiefstpreisen. Ein rechnerisches Rückschlagspotenzial gibt es wegen der mehrprozentigen Überhöhung gegenüber den Weltmarktpreisen immer noch. Das sollte bei zunehmend schwächerer Nachfrage früher oder später ausgeschüttet werden. Trotz günstiger Preise empfehlen wir, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs auseinanderzusetzen. Schauen Sie hierzu mal auf esytrol.com. Außerdem weisen wir auf unsere Diskussionsseiten zur Ölpreisbildung und zum langfristigen Umgang mit Öl hin.

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