Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Es ist Fahrsaison und keiner fährt

Es klappt. Die Preise bewegen sich abwärts. Und das sogar spürbar. Schwung auf dem Weg nach unten bekamen sie gestern von freundlichen Bestandsdaten und von der endgültigen Entwarnung vor dem Sturm Dolly. Beide Impulsgeber stammen aus den USA. Auf den Rest der Welt wird derzeit kaum geschaut. Die Ölpreise werden mal wieder in Amerika gemacht. Der Dollar wird von Zinsphantasien beflügelt. Er setzt seinen Anstieg passend zum Ölpreisrückgang fort.

Die Amerikaner sind über sich selbst erstaunt. Sie, die der Inbegriff des Auto fahrenden Menschen sind, lassen ihre Sprit saufenden Monster immer öfter stehen. Benzin ist ihnen zu teuer geworden und die Konjunktur lässt nichts Gutes erwarten. Das verleitet zu Sparsamkeit. Der Benzinverbrauch geht zurück. Nun stellen sie fest, dass sie seit zehn Jahren mitten in der Fahrsaison nicht mehr so hohe Benzinvorräte hatten wie heute. Es sieht so aus, als schaffte der hohe Ölpreis das, was kein Politiker schaffen kann, die USA zum Energiesparen zu führen.

Die Erkenntnis der hohen Benzinbestände stammt aus den gestern vom DOE (Department of Energy) veröffentlichten Zahlen. Das API (American Petroleum Institute) bestätigt diese Zahlen nicht. Im Zweifel wird dem DOE geglaubt. Die weiteren Bestandszahlen sind nicht berauschend. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,7 (DOE) bzw. 0,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe waren geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit brach um drei Prozent auf 87 Prozent ein. Vor nicht all zu langer Zeit wäre das ein bullischer Impuls gewesen. Nach der Entdeckung der Sparsamkeit sieht man die Sache gelassen. Wenn nicht so viel Benzin gebraucht wird, müssen die Raffinieren auch nicht so viel arbeiten. Gleiches gilt für Heizöl. Auch diese Vorräte befinden sich in einer komfortablen Lage.

Grund zu klagen, gibt es lediglich bei den Rohölvorräten. Aber wer will sich über einen geringen Vorrat beklagen, wenn der Verbrauch sinkt. Wie so oft hilft das Wissen um die Vorratszahl nicht bei der Klärung der Frage, ob ein unzureichendes Angebot oder ein geringes Kaufinteresse ursächlich für die relative Leere in den Lagern ist. Die OPEC legt sich auf Zweites fest. Sie beharrt bei der Aussage, dass der Markt ausreichend mit Rohöl versorgt sei.

Zu diesem Schluss kann man angesichts des jüngsten Preiseinbruchs kommen. Der Rohölpreis ist binnen zehn Tagen um 25 Dollar gefallen. Das dürfte noch nicht alles gewesen sein. Um die Übertreibung abzubauen, sollte der Preis weitere zehn Dollar abgeben. Wenn es denn so käme, wäre das ein historisch einmaliges Ereignis. Noch nie hat der Preis in der jüngeren Geschichte einen Preisverfall von 35 Dollar vollzogen. In den Medien wird bereits ein gewaltiger Preiseinbruch prognostiziert. Wohl wahr, er wäre gewaltig. Und doch wäre er kaum größer als der halbe Anstieg seit Januar dieses Jahres.

Welche Erkenntnis ergibt sich daraus? Zum einen sind in den Preisspitzen der letzten Wochen und Monate erhebliche Spekulationsanteile enthalten. Diese wurden von Ölgesellschaften, Banken und Institutionen wie der IEA (Internationale Energie Agentur) in ihren jüngeren Statements bestritten. Unbestritten ist zum anderen, dass der Preisanstieg auf einem realen Fundament von hoher Nachfrage und gerade ausreichendem Angebot stattfindet. Ob dieses Angebot morgen noch ausreicht, ist ungewiss. Darüber darf, ja darüber kann nur spekuliert werden. Das heißt, dass die Wahrscheinlichkeit für einen durch Angebot und Nachfrage getriebenen langfristigen Preisanstieg mit spekulativen Übertreibungen hoch ist.

Alle Zahlen deuten darauf hin, dass das Angebots-Nachfrage-Problem nicht auf der Angebotsseite gelöst werden kann. Es kann nach heutigem Wissen nur so gehen, wie die Amerikaner es gerade vormachen. Womit nicht behauptet werden soll, dass die Amerikaner beim Energieverbrauch bereits eine Vorbildfunktion erworben haben. Sie zeigen aber, dass Verbrauchsreduzierung möglich ist und dass sie die Preise beeinflussen kann. Wenn ihr Pro-Kopf-Ölverbrauch nicht mehr 10,5 Liter pro Tag sondern nur noch 5,5 Liter pro Tag beträgt, soviel verbraucht man in Deutschland, ist die Welt um eine Nachfrage von knapp 10 Mio. Barrel pro Tag befreit. Und wenn alle alten Industrienationen ähnliches schaffen, können sie sich sowohl moralisch als auch technisch gestärkt mit erhobenem Zeigefinder an die Schwellenländer wenden und einen Stopp ihres Nachfrageanstiegs verlangen. Sie müssen allerdings damit rechnen, dass sie einen Pro-Kopf-Verbrauch von nur einem Liter vorgehalten bekommen. Sollte der in der Zwischenzeit auf 1,5 Liter steigen, wäre die Reduktion der Amerikaner von 10 Mio. Barrel pro Tag fast wieder annulliert.

Heute morgen findet der Preisrückgang noch keine Fortsetzung. Dennoch stehen die Zeichen hierfür gut. Die Tonne Gasöl kostet 1.148,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 125,06 Dollar.

Unsere Heizölpreise ziehen sich weiter zurück. Die Bewegung verläuft nun sehr hoffnungsvoll. Man hüte sich allerdings vor übertriebenen Erwartungen an einen Preisrückgang. Den sehen wir derzeit bei einem denkbaren Minimum von 80 Cent pro Liter bezogen auf eine Liefermenge von 3000 Liter. Und selbst diese Zahl steht und fällt mit den Widrigkeiten der Börse. So lohnenswert die Beschäftigung mit den Marktpreisen plötzlich wieder ist, so notwendig bleibt langfristig die Beschäftigung mit dem Verbrauch. Das heute durch einen Preisrückgang gesparte Geld wäre in Maßnahmen für einen Verbrauchsrückgang bestens anlegt.

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