Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Es könnte recht freundlich werden, wenn …

Nun muss sie doch ausfallen, die allgemeine Jahresendrallye an den Börsen. Die nach wie vor ausstehende Einigung zum US-Haushalt hat der Finanzszene das Spiel verdorben. Immerhin, der DAX hatte eine gehabt. Sie war vor Weihnachten und sie war ausgiebig. Beim Öl blieb sie hingegen aus. Die Notierungen halten seitwärts. Gemäß dem Motto, die Hoffnung stirbt zuletzt, vertagen einige Analysten die Rallye nun in das neue Jahr. Sie hoffen auf eine schmutzige Last-Minute-Einigung in Washington, die, ganz im Stil der neuen Zeit, nichts löst, aber vieles glauben lässt. Ihre Chancen stehen nicht schlecht. Schließlich braucht die Geldflut der FED Anlageobjekte. Öl ist eins, das allerdings, zum Vorteil der Verbraucher, seine sichere Gewinnchance einbüßt.

Ursächlich für diese entspannende Aussage sind der Ölpreisanstieg der letzen Jahre und der Gasboom in den USA. Die hohen Preise begünstigten Investitionen in alte und neue Quellen. Dadurch steigen die anzapfbaren Reserven, die Förderreserven und das Angebot. Es kommt partiell zu Überversorgung. Beim Erdgas, dessen Angebot in den USA durch Fracking noch viel stärker steigt, purzeln die Preise bereits ins Bodenlose. In der Folge wird Öl im größeren Stil durch Gas substituiert. Die Nachfrage sinkt deutlich. Nun sinken auch die Rohölpreise in den USA. Das ist seit zwei Jahren an den Notierungen für Texasöl (WTI) zu beobachten. Noch deutlicher ist der Effekt bei kanadischem Öl. Es kostet rund 45 Dollar pro Barrel. So billig ist kein anderes Rohöl weltweit. Wegen der fehlenden Transportinfrastruktur gelangt dieser Stoff nicht auf den Weltmarkt. Der Preis reicht kaum, um die Kosten zu decken. Ein neuer Schweinezyklus mit sinkenden Investitionen, sinkender Exploration, sinkender Förderung und in fünf bis zehn Jahren rasant steigenden Preisen kann heute bereits für Öl und Gas prophezeit werden.

Für die nähere Zukunft könnte die Welt der Ölverbraucher recht angenehm sein, wenn da nicht der Wahnsinn mit dem Gelddrucken und mit dem Iran wäre. Beide Themen nötigen uns immer wieder zu besorgten Kommentaren. Beide Themen stehen für ein fundamentales Fehlverhalten der USA. Das Gelddrucken als Rezept gegen Rezession hat dort seinen Ursprung. Wenn der Dollar nicht die Weltwährung schlechthin wäre, könnten wir es mit einem Kopfschütteln quittieren. Wir müssen es durchleiden. Die Kriegslust gegen den Iran liegt in der Tradition der Kriege in und mit seinen Nachbarländern Afghanistan und Irak. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass aus der Lust in Kürze eine Last wird. Der Iran ist reich genug an Bodenschätzen, um damit einen Krieg zu bezahlen. Der Fokus der Medienmaschinerie wird seit Jahren auf die Atomgefahr des Landes gelenkt. Diese bereitet einem Krieg den argumentativen Boden. Würden die USA eine glaubhafte Verhinderungsstrategie verfolgen, müssten sie mindestens gegenüber Nordkorea und Pakistan eine ähnliche Politik erkennen lassen. Da das nicht der Fall ist, liegen die Motive anders. Trotz der aus europäischer Sicht berechtigten Ablehnung der iranischen Politik ist die Tatsache, dass eine Atombombe die einzig mögliche Verteidigung gegen einen US-Ansturm ist, ein anerkennenswertes Faktum. Anders als in Nordkorea und in Pakistan werden die USA die iranische Atombombe höchst wahrscheinlich nicht dulden. Medial wird dabei die Israelkarte gespielt.

Die Ölpreise werden auch im nächsten Jahr von diesen beiden Themen in die Höhe getrieben. Alle anderen Ölthemen drücken sie abwärts. Ein wichtiges Argument ist die weiter sinkende Nachfrage in den USA. Die jüngsten US-Bestandsdaten machen das zum x-ten Mal deutlich. Trotz geringerer Raffinerietätigkeit stiegen die Produktenvorräte. Die Zahlen, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern vorlegten, sind hierzu eindeutig.

Rohöl: -0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,6 (DOE) bzw. 4,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 90 Prozent. Sie dürfte etwas höher sein, um das Problem der schwachen Heizölbevorratung endgültig zu überwinden. Dieses bietet Bullen derzeit noch Grund zum Zocken, wie dieser Chart zeigt.

Heute Morgen befinden sich die Börsennotierungen weiterhin auf Seitwärtskurs. Die Protagonisten warten weiterhin auf weißen Rauch aus dem US-Kongress. Wenn er kommt, wird es ein kurzes Aufbäumen der Börsen geben. Und was kommt danach? Dann wird es wieder spannend. Aktuell kostet die Tonne Gasöl 932,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 90,73 Dollar und in London zu 110,14 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,81 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Sie befinden sich ziemlich exakt auf Vorjahresniveau. Diese Aussage steht emotional im Widerspruch zu dem, was in den letzten Tagen vom ADAC in die Massenmedien getragen wurde. „2012 war das teuerste Öljahr aller Zeiten.“ Das stimmt. Es war aber auch das teuerste Stromjahr und das teuerste Gasjahr. Ob die Ölpreise weiter steigen, ist ungewiss. Die Strom- und Gaspreise werden gewiss steigen. Die Antwort auf etwaige Klagen kann nur lauten, runter mit dem Verbrauch. Beim Autofahren sind die Klagen offensichtlich unberechtigt. Denn statt verbrauchsschwacher Kleinwagen werden mehrheitlich SUV und andere PS-Protze gekauft. Die durchschnittliche Motorleistung bundesdeutscher Neuwagen beträgt 135 PS. Geht’s noch? Na gut, im nächsten Jahr wollen viele vieles besser machen. Glück Auf und guten Rutsch. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen.

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