Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Es kam nicht überraschend

Die US-Bestandsdaten sinken zum sechsten Mal in Folge. Die FED (US-Notenbank) wird den Markt mit mehr Geld fluten als erwartet. US-Wirtschaftsindikatoren fallen freundlich aus. Das waren gestern die preisrelevanten Schlagzeilen. Hingegen spielte die in den Kongresswahlen demonstrierte Ungeduld der US-Amerikaner mit ihrem Präsidenten keine nennenswerte Rolle an den Börsen.

Das Votum gegen Barack Obama wird nicht zu einem generellen Politikwechsel sondern nur zu einer politischen Lähmung führen. Es ist nicht zu erwarten, dass die begonnene Regulierung der Finanzmärkte zurückgenommen wird. Insofern ist die verhaltene Reaktion der Finanzszene plausibel. Dass die Wähler in den USA mehrheitlich gegen den Versuch gestimmt haben, gesellschaftliche Fehlentwicklungen durch staatliche Regulierung zu korrigieren, ist aus europäischer Sicht erstaunlich. Hier wünschen die Menschen mehr Staat als Korrektiv gegen zügellose Märkte. Dort rufen sie nach der Freiheit des Markts, der sie ruiniert hat. Dass die von Obama in bemerkenswertem Tempo durchgepaukte Finanzmarktregulierung neue Exzesse verhindern wird, darf bezweifelt werden. Ob die Europäer die Sache in der ihnen eigenen Langsamkeit besser machen, muss sich zeigen. Angesichts des Einflusses, den die Industrie auf die Regierungen hat, ist höchste Skepsis angebracht. Der Oberlobbyist der Finanzindustrie, Joseph Ackermann, bemüht sich redlich um die Amerikanisierung hiesiger Verhältnisse. Eine Wahlschlappe wie in den USA können Regierende auch hierzulande kassieren. Sie werden sie derzeit aber nicht kassieren, weil sie zuviel Staat schaffen, sondern weil sie den Staat an kleine, einflussreiche Teile der Industrie verschachern.

Die freundlichen US-Wirtschaftsdaten sind eine Momentaufnahme mit wenig Substanz. Deshalb sorgen sie allenfalls für marginale Tagesbewegungen an den Börsen. Insgesamt befindet sich die Wirtschaft in einem desolaten Zustand, aus dem es kein sichtbares Entrinnen gibt. Deshalb hat die FED die Entscheidung zum Drucken frischen Geldes getroffen. Gedruckt und geflutet wird im zweiten Quartal 2011. Als Effekt an den Börsen rechnet man mit einem weiteren Rückgang des Dollars. Die wage Hoffnung, dass mit frischem Geld wenigstens die altbekannte Kraft der Wirtschaft, der auf Masse statt Klasse setzende Konsum, stimuliert werden kann, sollte Aktien- und Ölnotierungen anziehen lassen. Im Gegensatz zur Phase vor dem Finanzcrash, in der die Börsenpsyche vor Zuversicht strotzte, liegt nun aber ein Schleier von Verzagtheit über den Finanzjongleuren. Deshalb dürften Aufwärtstrends nicht sehr weit tragen.

Die US-Bestände sind mittlerweile deutlich vom Jahreshoch zurückgekommen. Dieser Umstand legt ein Anziehen der Nachfrage nahe. Andererseits war das Jahreshoch ein historisches Hoch. Damit wird jeder Rückgang relativiert, der nicht wenigstens einen ganzen Anstiegszyklus annulliert. Eine Relativierung ist mit dem bisherigen Rückgang der Fall. Die aktuelle Bevorratung liegt noch über dem Jahresmittelwert. Für die letzte Woche melden DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) folgende Veränderungen in den öffentlichen US-Tanklagern:

Rohöl: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,3 (DOE) bzw. 11,6 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 82 Prozent gesunken. Ein unmissverständliches Signal für eine Nachfrageerhöhung liegt nicht vor.

Gestern und heute Morgen nahm die Preisentwicklung den erwarteten Verlauf. Öl wurde teurer. Der Dollar fiel. Dabei überwog die Veränderung der Ölnotierungen. Die Tonne Gasöl kostet zur Stunde 727 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 85,65 Dollar und in London 87,26 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,71 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise folgen den Börsenvorgaben. Sie legen ein wenig zu. Die Bewegung entspricht der Prognose. Weitere Preissteigerungen sind in den kommenden Tagen wahrscheinlich. Sie werden aber kaum dazu führen, dass der Seitwärtstrend aufgegeben wird. Die Preisspanne sollte relativ eng bleiben. Verbraucher werden im Heizölpreis weiterhin kein starkes Argument für oder gegen den Kauf finden. Die Kaufentscheidung sollte eher aus dem Füllstand des Tanks hervorgehen. Vermeiden Sie Knappheit! Die kann schnell zu Leerstand werden. Zudem saugt die Heizung bei tiefen Füllständen vermehrt ausgefallene Sedimente an, die zu Störungen im Brenner führen können. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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