Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Es läuft gut beim Öl

Meldungen sind in diesen Tagen positiv, zumindest in der Ölwelt. Das galt gestern auch für die US-Bestandsdaten. Sie wurden als weiterer Grund für Preisabschläge wahrgenommen. Die reale Versorgung läuft in diesem Jahr gut. Hohe Preise ergaben sich aus Befürchtungen, dass Störungen als Folge bestimmter Ereignisse auftreten könnten. Wegen des spekulativen Charakters spricht man von Risikoaufschlag im Preis. Dieser Aufschlag bricht momentan ein. Der Dollar legte gestern deutlich zu. Er erhöhte damit die Spanne seiner insgesamt eher ruhigen Seitwärtsbewegung.

Die Numerik der Bestandsdaten war nicht positiv. Gleichwohl wurden sie positiv aufgenommen. Wie soft funktioniert die selektive Wahrnehmung der Börse bestens. Derzeit wird Leichtigkeit und bärische Einstellung zelebriert. Folgendes Zahlenmaterial von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) sorgte für gute Stimmung:

Rohöl: -2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,6 (DOE) bzw. ein Abbau von 2,2 (API) Mio. Barrel. Die Gesamtlage war in den letzten acht Jahren selten besser. Zum gleichen Stichtag im Jahresverlauf war sie nie besser. Das gilt auch für die Einzelbetrachtung für Rohöl und Heizöl. Händler sind sogar mit der Benzinentwicklung sehr zufrieden. Der Preis gab in Folge der empfundenen Entspannung am Benzinmarkt in den letzten fünf Wochen um 27 Prozent nach. Benzin gilt als Schrittmacher des allgemeinen Preisrückgangs für Öl.

Die Importe liegen geringfügig unter den Werten der Vorwoche und deutlich über Vorjahresniveau. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf annähernd 94 Prozent gestiegen. Gute Naschrichten wurden auch von den Förderanlagen im Golf von Mexiko lanciert. So meldet BP die vollkommene Wiederherstellung der Bohrplattform Mars. Es handelt sich dabei um die größte Anlage im Golf. Sie wurde durch den Hurrikan Katrina schwer beschädigt.

BP sieht sich derzeit sogar in der Lage, die Produktion in Alaska bald wieder vollständig aufzunehmen. Das größte US-Ölfeld musste dort wegen defekter Pipelines zeitweise stillgelegt werden. Momentan wird es mit 50 Prozent der Kapazität betrieben.

Zur entspannten Stimmung trägt zudem die Unwahrscheinlichkeit von Sanktionen gegen den Iran, die reduzierte Hurrikanwahrscheinlichkeit in den USA und die Bereitschaft der OPEC, trotz leichter Überversorgung die Ausstoßmengen beizubehalten, bei. Einen Beschluss in dieser Sache wird es in der nächsten Woche geben, wenn die OPEC-Minister ihr turnusgemäßes Treffen abhalten.

Trotz der guten Laune an der Börse sind die Gefahren für den Ölpreis nicht aufgelöst. Geopolitische oder wetterbedingte Störungen können jederzeit wieder ernst werden. Solange das nicht der Fall ist, kann der Risikoaufschlag weiter sinken. Wie hoch er genau ist, vermag niemand zu sagen. Beim Rohöl betrug er in der Spitze geschätzte 25 Dollar. 13 Dollar sind bereits vernichtet.

Der Gasölpreis am Spotmarkt ist weiter rückläufig. Heute Morgen liegt er knapp unter 600 $ pro Tonne. Das war zuletzt im April dieses Jahres der Fall.

Unsere Heizölpreise werden vom Weltmarkt gedrückt. Die hohe Nachfrage im Inland verhindert allerdings, dass sie das volle Rückschlagspotential entfalten. Sowohl die Mineralölgesellschaften als auch der Handel sehen sich in der Lage, die Margen zu erhöhen. Da nicht zuletzt wegen der bevorstehenden MwSt.-Erhöhung kein Ende des Kaufbooms in Sicht ist, muss weiterhin mit einem vergleichsweise schleppenden Preisrückgang gerechnet werden. Gefahren für eine Umkehrung der Preisbewegung bestehen nach wie vor.

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