Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Es wird ruhiger am Ölmarkt

Tendenziell sinkt der Ölpreis. Gestern passte die Preisbildung allerdings nicht zur Tendenz. Ein paar positive Unternehmensmeldungen ließen die Aktienindizes zeitweise steigen. Mit diesen Indizes steht der Ölpreis zurzeit in Symbiose. Und so stieg er ebenfalls. Der Zusammenhang wird auch heute bestehen. Die mittelfristigen Trends am Aktien- und am Ölmarkt weisen seitwärts mit einem leichten Hang zu abwärts. Um diese Trends schwingen die Tagesnotierungen. Aktuell steht die fallende Flanke der Schwingung auf dem Programm. Vorbehaltlich des regulären Programmablaufs werden die Ölpreise am Ende des Tages tiefer stehen.

Der Ölmarkt ist in diesen Tagen außerordentlich uninspiriert. Er bietet wenig Phantasie. Damit ist in erster Linie die Legendenbildung um irgendwelche Versorgungslücken gemeint. Trotz Deepwater Horizon und der aus dem Unglück entstandenen restriktiven Folgen für die Ölindustrie funktioniert der Zufluss von Rohöl gerade zu üppig. Die Verarbeitung des Rohstoffs zu Produkten kennt keine Bottlenecks mehr. Sie kennt derzeit nur Überkapazitäten. Die Frage ist gegenwärtig weder, woher das Öl kommen soll, das wir täglich brauchen, noch wo die Mengen zu Produkten verarbeitet werden sollen, die Frage ist allenfalls, wann wird die Überversorgung zu Ende gehen? Die IEA (Internationale Energie Agentur) kündigt das Ende bereits an. Sie nennt 2013 als Termin. Das ist eine vage Prognose. Es gibt berechtigte Vorbehalte dagegen. Ohnehin werde der Termin nach IEA-Schätzung nur eingehalten, wenn die Wirtschaft wieder festen Tritt fasst. Auch daran gibt es beachtlichen Zweifel.

Um die Nachfrageseite kann trefflich spekuliert werden. Weniger spekulativ ist hingegen die Angebotsseite. Die nachgewiesenen Ölreserven, das sind die Mengen, über die die Ölindustrie sicher zu verfügen glaubt, stiegen im letzten Jahr geringfügig. Sie befinden sich nahe dem historischen Hoch von 2006. Zu diesen Mengen gehört auch Öl aus schwer zugänglichen Lagern tief unter dem Meeresboden. Ob dieses Öl tatsächlich gehoben wird, ist derzeit ungewiss. Auf Grund der fallenden Nachfrage in 2009 hat sich die statische Reichweite der Ölreserven auf 52 Jahre erhöht. Bei dieser Reichweite wird von einer konstanten Nachfrage ausgegangen. In der Betrachtung enthalten ist Öl aus Ölsand. Dieses Öl steht auf Grund seiner extrem umweltschädlichen Gewinnungsweise in der Kritik. Jüngst hat die Stadt Bellingham in Washington USA die Verwendung dieses Öls als Raffineriegrundprodukt untersagt. Nicht in der Reichweitenbetrachtung enthalten ist hingegen Bioöl. Sein Anteil an der Gesamtversorgung steigt seit Jahren. Als Element der Versorgungssicherheit steht die Bedeutung von Bioöl außer Frage. Darüber, ob es umweltfreundlicher als Mineralöl ist, wird hingegen weiterhin gestritten.

Zum Leidwesen der Ölindustrie entwickelten sich erhebliche Überkapazitäten bei Raffinieren. Diese entstanden sowohl durch neue Anlagen weltweit als auch durch die deutlich gesunkene Nachfrage. Um überhaupt noch profitabel produzieren zu können, muss die Industrie Kapazitäten brach liegen lassen. Während bis 2006 durchschnittliche Auslastungen nahe 90 Prozent üblich waren, liegt die Rate heute nur noch knapp über 80 Prozent. In Deutschland kämpft die Raffinerieindustrie um die Vermeidung von Verlusten. Die musste sie zuletzt 1995 hinnehmen. Immerhin haben sich die Margen an den Tankstellen erholt. Seit dem letzten Jahr werden ordentliche Gewinne erzielt. Das ist ein Genuss, der nicht nur der Industrie sondern auch dem Mittelstand zugute kommt. Der Betrieb von Tankstellen war zuvor über Jahre wirtschaftlich unbefriedigend.

Vor dem skizzierten Hintergrund ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Angebotsseite des Ölmarkts in absehbarer Zeit wieder zum beliebten Spielball der Finanzindustrie werden wird. Wie heute werden sich Finanzjongleure auch zukünftig eher von der Nachfrageseite inspirieren lassen müssen. Dadurch hat die Verknüpfung des Ölpreises mit den Aktienmärkten eine plausible Logik. In beiden Fällen urteilt man über die Aussichten von Konsumwachstum. Dieses Wachstum löst sich in den OECD-Staaten zunehmend vom Energieeinsatz. Innerhalb von zehn Jahren wuchs die Wirtschaft um 18 Prozent. Der Energiebedarf sank im gleichen Zeitraum um 5 Prozent. Dieser Umstand zeigt ohne Zweifel Effizienzgewinne an. Er ist aber auch auf die Verschiebung energieintensiver Produktionen in Regionen außerhalb der OECD zurückzuführen. Hinsichtlich der Entkopplung von Konjunktur und Energieeinsatz befinden wir uns in einer frühen Phase. Da ist noch sehr viel möglich.

Ölinteressierten Finanzjongleuren wird die Freude am Spiel auch durch neue Regeln genommen. Die US-Finanzmarktregulierung stärkt die Aufsichtsbehörden. Sie können zukünftig besser gegen Preismanipulationen vorgehen. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) wird eingreifen können, wenn sie ein rücksichtsloses Verhalten der Spieler feststellt. Die Beweislast für Verfahren gegen solche Spieler wird reduziert. Die Finanzszene ist bemüht, die Regulierung durch die Darstellung von Horrorszenarien für den Handel und negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft in Misskredit zu bringen. Es handelt sich um pure Vertretung eigener Interessen. Das Gesetz sollte noch in dieser Woche von Barack Obama unterzeichnet werden.

Heute Morgen ist wenig Leben im Preisgefüge des Ölmarkts. Stattdessen spielt die Musik erneut beim Dollar. Er verliert weiter an Wert. Sein Trend ist schwer bärisch. Die Tonne Gasöl kostet 639,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 76,75 Dollar. Der US-Dollar wird zu 77 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise hängen genauso fest wie der Ölpreis am internationalen Markt. Der schwache Dollar drückt sie auch nicht nennenswert abwärts. Die Möglichkeit weiterer, begrenzter Abschläge sehen wir dennoch als gegeben an. Innerhalb der in den letzten Wochen gebildeten Extremwerte sollte der Preis weiter schwingen. Damit stehen spekulierende Heizölkäufer wieder nahe einer Kaufsituation. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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