Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Fachleute geben auf

Ostern ist vorüber. Nun können die Kraftstoffpreise wieder fallen. Das impliziert zumindest die mediale Darstellung der Lage. Und was lässt der Blick auf das Marktgeschehen erwarten, das in den Publikumsmedien nicht beschrieben wird? Er zeigt ein unübersichtliches Bild, dem es vor allen Dingen an Transparenz fehlt. Das macht die kurz- und mittelfristige Preisprognose so schwierig. Einzig bei der langfristigen Betrachtung äußern Fachleute und Dilettanten die gleichen Erwartungen. Die Preise werden steigen, weil Öl knapper wird. Der Einschätzung liegt kein Marktwissen, sondern die Ahnung zugrunde, dass die steigende globale Nachfrage das Ausbeutungspotenzial der Erde überfordert. Diese Ahnung ist bei aufgeklärten Konsumenten, zu denen auch Boulevardjournalisten zu zählen sind, zum Universalwissen gereift.

Wie heftig man sich mit kurz- und mittelfristigen Preisideen verschätzen kann, zeigt die Liquidation des Ölfonds Bluegold Capital. Seinen Managern gelangen 2008 und 2009 spektakuläre Gewinne, weil sie die Marktlage perfekt einschätzten. Damit erwarben sie sich den Ruf, profunde Kenner des Ölgeschäfts zu sein, das sie vor Gründung des Fonds bei Goldman Sachs und Vitol studieren durften. Ihre Fachkenntnis half ihnen und ihren Kunden in den letzten beiden Jahren allerdings nicht mehr. Der Markt schlug Haken. Die Fachleute wunderten sich und verloren. Um die Verluste zu begrenzen, schließen sie den Fond nun. Bluegold Capital ist nicht das einzige Opfer, das der wilde Markt ausknockte. Der Fond ist lediglich das bekannteste Opfer.

Wahrscheinlich ist die Politik den Bluegold-Managern in die Quere gekommen. Dabei hat sie ihnen aber nicht etwa durch neue Regeln für Finanzmarktgeschäfte zugesetzt. Vielmehr hat die Politik nach Ausbruch der Finanzkrise für unvorhersehbare Eingriffe in den Markt gesorgt, indem sie ihn mit Geld flutete. Jeder, der das Naheliegende erwartete, das nämlich Finanz- und Wirtschaftsysteme bis zu ihrer endgültigen Neuordnung eine Abwärtsbewegung durchlaufen werden, wurde überrascht. Das eigentlich defekte Finanzsystem wurde und wird mit genau den Mitteln am Leben gehalten, die zum Ausbruch der Krise führten. Der momentane Erfolg der Maßnahme besteht darin, dass die Wirtschaft weiter wächst. Die Kosten für dieses Wachstum sind unermesslich. Gezahlt werden sie irgendwann in der nahen oder nicht ganz so nahen Zukunft.

Zweifel und Unsicherheit konnte das irre politische Spiel nicht ausräumen. Und so reagieren die „Märkte“, genauer gesagt Finanzjongleure, sensibel bis neurotisch auf jede Veränderung im Setting. Kleinste Abweichungen von einem gewünschten Normal der Wirtschaftsdaten rufen große Reaktionen hervor. Gestern lag beispielsweise die Nachwirkung von etwas schlechter als erwarteten Arbeitsmarktdaten der USA und eine Beruhigung des chinesischen Wirtschaftswachstums im Markt. Den Ölpreis trieb es rasant abwärts. In New York wurde gar ein Zweimonatstief erreicht. Ohne neue Nachrichten trieb es den Preis dann allerdings wieder rasant aufwärts. Auslöser könnte die allgemeine Erwartung gewesen sein, dass Öl knapp ist. Wenn die Wirtschaft schwach ist, ist Öl aber nicht knapp. Wenn sie hingegen stark ist, wird Öl tatsächlich knapp werden und die Wirtschaft schwächen. Dieser Teufelskreis gibt ausreichend Anlass, aberwitzige Aktionen an den Börsen ablaufen zu lassen. Geldgewinn und Geldverlust liegen extrem nah beieinander.

Fundamental ist der Ölmarkt sehr nahe an den Verhältnissen kurz vor Ausbruch der Krise in 2008. Damals galt er als grenzwertig versorgt. Nicht zuletzt deshalb wuchs der Ölpreis zu einer Blase. Wesentliche Bedeutung dabei hatten die knappen Reservekapazitäten der Produzenten. Die stiegen nach Ausbruch der Krise deutlich an, teilweise weil neue Fördereinrichtungen hinzukamen, teilweise weil die Nachfrage kurzzeitig sank. Deshalb konnte der Ölpreis das damalige Hoch verlassen. Tendenziell steigt er heute wieder dorthin zurück. Der Unterschied besteht einerseits in der tiefen Verunsicherung, die damals kaum vorlag. Sie dämpft extrem stetige Preisbewegungen. Der Unterschied besteht andererseits in einem moderaten Wandel der Energiemärkte hin zu mehr regenerativen Energieträgern und zu mehr Eigenversorgung. Letztes gilt vor allen Dingen für die USA. Das generelle Problem, an den Grenzen knapper Ressourcen zu laborieren, wird damit allerdings nicht umschifft. Das Gesamtgefüge befindet sich in einem höchst labilen Zustand, der sowohl tiefere als auch sehr viel höhere Ölpreise hervorbringen kann.

Heute Morgen schwingen die Preise wieder abwärts. Wie der gestrige Handelstag zeigte, heißt das nicht, dass das am Ende des Tages auch noch so ist. Die Tonne Gasöl kostet 1.005 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,96 Dollar und in London zu 121,91 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,44 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben nach. Es ist durchaus möglich, dass sie den kurzfristigen Aufwärtstrend nach unten verlassen. Die Entwicklung der Ölnotierungen legt das nahe. Die Entwicklung des Dollars könnte das verhindern. In der jüngeren Vergangenheit brachten derartig indifferente Marktphasen seitwärtsgerichtete Heizölpreise hervor. Sie sind in einen übergeordneten Aufwärtstrend eingebettet. Insbesondere bei Heizölkäufern ist das Szenario des Finanzmarktkollaps’ als möglicher Gang der Geschichte noch greifbar. Er wird irgendwann kommen, aber nicht weil er in dieser Zeit nahe liegt, sondern weil die Geschichte solche Momente immer wieder hervorbringt. In diesen Tagen und Wochen ist er als Leitmotiv für den Heizölkauf ungeeignet. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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