Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Finanzindustrie diktiert die Themen

Es gibt viele gute Gründe für tiefere Ölpreise. Das ist nicht zuletzt den Bullen in der Finanzindustrie bewusst. Gründe hin, Gründe her, ihr Interesse gilt weniger einer realitätsnahen Markteinschätzung als den Gewinnaussichten ihrer Investments. Und die haben in erster Linie mit der Laufrichtung der Spekulantenherde zu tun. Naturgemäß ist es beliebter, den Preisanstieg zu laufen. Angesichts der vielen guten Gründe für den Preisabstieg befallen die Herde bisweilen Zweifel. So geschah es von Mitte Januar bis Mitte Februar. Zahlen über die Engagements von Banken und Investmentfonds zeigten einen rasanten Ausstieg aus Longpositionen. Das sind Ölkontrakte, mit denen man auf steigende Kurse wettet. Seit Ende der vorletzten Woche sind die Zweifel überwunden. Die jüngsten Zahlen weisen eine Rückkehr der Großspekulanten in die Longpositionen aus. Das bekamen wir mit der Preisentwicklung zu spüren.

Mittlerweile sind die Preise recht hoch aufgelaufen. In New York wird das Barrel Rohöl schon wieder oberhalb der 80-Dollar-Marke gehandelt. Das letzte Hoch zu Jahresbeginn lag bei 84 Dollar. Man braucht viel guten Willen, um den Abwärtstrend nicht als beendet zu bezeichnen. Eine letzte Chance liegt in dem Umstand, dass der Preisanstieg charttechnisch einen ausgereizten Eindruck macht. Selbst Insider der Finanzbranche sprechen nun von erheblichem Rückschlagspotenzial. Es sollte also niemanden wundern, wenn sich die Preisrichtung in dieser Woche erneut umdrehen würde. Klare Signale für diese Möglichkeit gibt es allerdings keine.

Insgesamt werden die Preisaussichten am Ölmarkt sehr kontrovers diskutiert. Solche Diskussionen werden erstaunlicherweise anhand fundamentaler Markteinschätzungen geführt. Darin stecken die Informationen, die die Versorgungslage beschreiben. Die Prognosen beschäftigen sich also tatsächlich mit dem Ölmarkt, während die jeweils aktuelle Preisbildung diesen weitgehend außer Acht lässt. Das für Spekulanten schöne an den Prognosen zum Ölmarktgeschehen ist die außerordentlich hohe Uneinschätzbarkeit. Damit bietet dieser Markt eine ideale Wettbasis. Ausdruck findet die Uneinschätzbarkeit beispielsweise in der Peak Oil Debatte. Sie war es, die im Jahr 2008 dazu führte, dass der Rohölpreis auf 150 Dollar schnellte. Es geht in dieser Debatte um die Frage, wann das Fördermaximum beim Öl erreicht sein wird oder erreicht war. Die Spanne der Expertenmeinungen reicht von 2007 bis 2035, wobei 2007 bereits widerlegt ist.

Im letzten Jahr wurde die Debatte angesichts eines dramatischen Nachfragerückgangs zunächst als Folge der Wirtschaftskrise und darauf als Folge nennenswerter Effizienzsteigerungen beim Verbrauch für irrelevant erklärt. Aus Peak Oil wurde Peak Demand, die Frage nach einer anstehenden Verbrauchsspitze. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, die Menschheit würde vom ungezügelten Verbrauch fossiler Ressourcen ablassen und sich zu einer vernunftgesteuerten Rohstoffnutzung entschließen. Statt der Frage, woher bekommen wir, was wir brauchen, wird die Frage, wie viel brauchen wir, debattiert, kurz die Suffizienzdebatte geführt. Die Finanzindustrie hat ein natürliches Interesse, eine solche Diskussion im Keim zu ersticken. Ihre derzeitige Geschäftsgrundlage wäre ruiniert, wenn ausgleichende Vernunft nicht endende Gier überflügeln würde. Und so wird von den themensetzenden Divisionen großer Banken wieder die Peak-Oil-Karte gespielt. Natürlich ist nun nicht mehr die alte Industriewelt ursächlich für die fortlaufende Verbrauchssteigerung. Die kommt einzig aus den Schwellenländern. Das jüngste Beispiel für die Rückkehr des Themas Peak Oil dreht sich um Brasilien. Das an fossilen und an nachwachsenden Rohstoffen reiche Land ist wegen zu hohen Nachfragewachstums nicht mehr in der Lage, seine Benzinversorgung aus eigener Kraft zu bewerkstelligen. Zu dieser unbefriedigenden Lage hat allerdings eine Missernte beigetragen, die den hohen Bioethanolanteil an der Benzinversorgung einbrechen ließ. Ob es sich dabei um einen dauerhaften Zustand handelt, ist noch nicht absehbar. Die Finanzindustrie diskutiert den Fall aber bereits wie ein zweites China. Das Land wurde 1993 von einem Ölexporteur zu einem Ölimporteur mit exorbitant steigendem Bedarf.

Interessant ist der Ausblick, den die Intelligenz der Finanzwelt aus Fällen wie Brasilien ableitet. Für die einen hat das Land ein ans Unerschöpfliche grenzendes Potenzial der Energiebereitstellung. Für die anderen wird das Land in 2011 sein Peak Oil erleben. Die Preisprognosen orientieren sich wieder mehr an der Idee vom ungenügend verfügbaren Öl. Sie liegen spätestens ab 2012 jenseits der 100-Dollar-Marke mit nach oben offener Gestaltung. Die geballte Unsicherheit zum Thema geben die Analysten von Bank of America Merrill Lynch preis. Sie nennen für 2014 eine Preisspanne zwischen 50 und 150 Dollar pro Barrel.

Heute Morgen ist von einer weiten Spanne der Ölpreise nichts zu spüren. Ruhig geht es an den Börsen zu. Das war auch gestern schon so. Handel und Preisbewegungen sind schwach. Die Tonne Gasöl kostet 634,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 80,09 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,11 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise stiegen gestern schwach an. Durch die rasante Steigerung in der Vorwoche haben sie sich mittlerweile auf ein 12-Monatshoch emporgeschwungen. Noch kann die Bewegung mit Fug und Recht als seitwärts eingestuft werden. Eine weitere Steigerung darf aber nicht mehr hinzukommen. Sonst läuft es auf einen Aufwärtstrend hinaus. Einstweilen bleiben wir bei der Idee, dass Seitwärts erhalten bleibt. Daraus würde sich demnächst wieder ein Kaufmoment ergeben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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