Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Finanzszene hat andere Interessen

Vor einem Jahr wunderte sich das Publikum über den großen Preisunterschied zwischen Rohöl in den USA und in Europa. Der übliche Gleichtakt der beiden Leitnotierungen WTI (West Texas Intermediate) und Brent (Nordseeöl) driftete hart auseinander. Anfang Februar war WTI, das rund zwei Dollar wertvoller ist als Brent, bereits zehn Dollar billiger. Wir witterten spekulative Attacken von Goldman & Sachs und der Deutschen Bank. Die Einschätzung traf nicht zu. Das Phänomen hatte eine realwirtschaftliche Ursache. Das Andienungslager für WTI in Cushing, Oklahoma war sehr gut gefüllt. Abflüsse konnten nur über das Landesinnere organisiert werden, weil es keine Pipeline zu den Hafenanlagen der Südküste gibt. In Cushing gelagertes Öl muss verarbeitet und verbraucht werden, um es los zu werden. Bei sinkender Nachfrage in den USA dauerte das länger als erwartet. Etwas Abhilfe wurde über den Export von Endprodukten geschaffen. Das war eine ungewöhnliche Situation für den Topverbraucher USA.

Auf der anderen Seite des Atlantiks wurde Rohöl knapp, weil es Probleme mit einigen Quellen in der Nordsee gab. Als dann im Verlauf des Frühjahrs der Lieferausfall Libyens hinzukam, explodierte der Preisunterschied. Er erreichte in der Spitze knapp 28 Dollar. Wirkliche Knappheit bestand zu keinem Zeitpunkt. Wäre das der Fall gewesen, hätte es Möglichkeiten für einen Mengenausgleich zwischen den Kontinenten gegeben. Der unwesentliche Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage hatte einen Preiseffekt von rund 30 Prozent. Nennenswerte Spekulation lässt sich darin kaum erkennen. Der Vorgang zeigt, wie sensibel der Markt (hier ist expliziert der physische Markt gemeint) auf kleine Ursachen reagiert.

Im Verlauf des Jahres näherten sich die Preise wieder an. In erster Linie lag das an der schnellen Rückkehr libyschen Öls in den Markt. Unterstützend wirkten zudem Hoffnungen auf ein Anziehen der US-Konjunktur und damit der Nachfrage. In diesen Tagen zeigt sich, dass die US-Nachfrage nicht wächst. Deshalb öffnet sich die Preisspanne zwischen den beiden Ölsorten wieder. Langfristig wird es Möglichkeiten geben, Rohöl aus den USA zu exportieren. Dann werden sich die Preise in der Mitte treffen. Auf welchem Niveau das geschehen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Anzunehmen ist, dass es nicht in einer Situation üppigen Angebots erfolgen wird. Die globale Ölnachfrage nimmt ungeachtet konjunktureller Schwankungen zu. Angebotsseitig ist in absehbarer Zeit keine Stabilität zu erwarten. Im Gegenteil, je mehr die großen Reserven des Nahen Ostens gebraucht werden, desto stärker wird die politische Instabilität der Region auf die Preisbildung wirken.

Heute stehen die USA wieder im Fokus des Interesses. Neben enttäuschenden Konjunkturdaten liegen die Zahlen über die US-Bestände vor. Sie untermauern die rückläufige Tendenz der Nachfrage. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) melden unisono Lageraufbau.

Rohöl: +4,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 7,1 (DOE) bzw. 2,9 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung liegt weiter bei 82 Prozent. Die Gesamtbestände sind fünf Prozent geringer als vor einem Jahr. Die schwache Raffinerieauslastung ist ein weiterer Ausdruck der geringen Nachfrage.

Der beschriebene Sachverhalt lässt erahnen, dass die Finanzszene einen geringeren Preiseinfluss hat, als ihr allgemein zugeschrieben wird. Mit Sicherheit ist ihr Einfluss keine konstante Erscheinung. Es gab definitiv Phasen hoher spekulativer Verwerfungen. Seit einem halben Jahr ist der Handel mit Paperbarrels aber rückläufig.

Heute Morgen gibt es nichts Neues über die Ölpreisentwicklung zu berichten. Sie folgt schwankend einem Seitwärtstrend. Freundliches lässt sich hingegen über den Dollar sagen. Er verzichtet derzeit darauf, der Charttechnik zu folgen. Damit bleibt die erwartete Teuerung aus. Die Tonne Gasöl kostet 968,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 97,94 Dollar und in London zu 112,48 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,89 Eurocent.

Unsere Heizölpreise ziehen ein wenig an. Heute werden sie von den Ölnotierungen getrieben. Das kann morgen bereits anders sein, da der Bewegung ölseitig kein Aufwärtstrend zugrunde liegt. Es ist durchaus möglich, dass in Kürze erneut entspannende Vorgaben von den Börsen kommen. Anders sieht es im Inland aus. Die Insolvenz der Petroplus-Guppe und die daraus folgenden Raffinerieprobleme haben ausreichend Potenzial, Heizöl einige Cent zu verteuern. Dabei kann schnell ein neuer Höchststand der Preise erreicht werden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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