Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Finanzszene wehrt sich

Die OPEC sieht den fairen Rohölpreis in einer Spanne zwischen 70 und 80 Dollar pro Barrel. Damit sind Finanzjongleure nicht einverstanden. Einige unter ihnen wollen mehr. Gestern gelang ihnen mehr. Mit ein paar netten Wirtschaftsdaten bewaffnet attackierten sie den drohenden Ölpreisrückgang. Dabei wendeten sie eine bemerkenswerte Taktik an. Sie schmissen ihr Spielgeld erst nach Veröffentlichung der US-Bestandsdaten in den Ring. Und man kann hinzufügen, sie schmissen ihr Geld trotz der Bestandsdaten in den Ring, denn diese Daten weisen steigende Vorräte aus. Ein Preisrückgang wäre somit logischer. Die Attacke erwischte den Rest der Finanzszene unerwartet. Die bemühte sich postwendend, Short-Positionen (Papiere auf fallende Kurse) los zu werden. Dabei kletterte der Ölpreis immer höher. Am Ende war er über drei Prozent teurer als zuvor.

Die Börse folgt den Wirtschaftserwartungen. Es gibt Phasen in der Geschichte, in denen der Satz zutrifft. Derzeit trifft er nicht zu. Das tägliche Hecheln nach frohen Botschaften aus dem Nebel der Wirtschaftsdaten ist ein alter Reflex der Finanzszene. Er hilft, die fundamentale Lüge ihrer Welt aufrecht zu erhalten. Die Lüge besteht darin, einen Sinnzusammenhang zwischen Finanz- und Realwirtschaft darzustellen. Die täglich gelieferten Daten, mit denen das geschieht, sind sinnlos. Sinn bekommen sie erst in einer längerfristigen Zeitreihe. Dann zeigen sie, wie zusammenhangslos die Finanzwirtschaft dasteht. In den alten Industrienationen wächst die Realwirtschaft nicht mehr. Allenfalls könnte sie noch einmal die alte Stärke wiedererreichen. Immerhin wird dieser Umstand ansatzweise im Finanzsystem berücksichtigt, indem die Aktien- und Ölnotierungen unter denen der Boomjahre liegen. Um die Finanz- und Realwirtschaft wieder zusammenzuführen, müssten Finanzwerte in ganz großem Stil aufgelöst oder umverteilt werden.

Blöd sind die Finanzjongleure nicht. Sie wissen um ihre Lüge. Deshalb wird es ihnen schwer fallen, die Kurse wie einst in die Höhe zu treiben. Ihr Reflex treibt sie dazu an. Ihr Intellekt macht sie ängstlich und zurückhaltend. Die Durchtriebenen unter ihnen schaffen es, die Angst zu zäumen. Sie nutzen den Intellekt weiterhin zur Gewinnmaximierung. Gestern zeigten sie, was sie drauf haben. Und sie legen nach, indem sie von Ölpreisen bis zu 100 Dollar pro Barrel noch in diesem Jahr fabulieren. Ausschließen kann man nicht, dass auch diese Attacke erfolgreich sein wird.

Ein entsprechendes Indiz in der Realwirtschaft ist zumindest aus US-amerikanischer Sicht nicht gegeben. Die Ölnachfrage lahmt weiterhin. Aussichten auf Änderung sind lediglich Hoffnungen, die höchst wahrscheinlich nicht eintreffen werden. Diese Hoffnungen lassen sich nicht einmal mit den aktuellen US-Bestandsdaten unterfüttern. Beide berichtenden Institutionen, DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zeigen wachsende Vorräte an. Im Einzelnen lauten die Daten wie folgt:

Rohöl: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,4 (DOE) bzw. 4,4 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 86 Prozent gestiegen. Das Plus beim importierten Rohöl landete mal wieder in den gewerblichen Vorratslagern und nicht beim Verbraucher. Der will das Öl nämlich nicht.

Heute Morgen kommen die Ölpreise langsam von den gestern erreichten Höhen zurück. Bis zur Stunde kann das als behutsame Auflösung einer Übertreibung angesehen werden. Ob sich die Preistreiber weiter durchsetzen können oder ob sie ihre Gewinne wieder abgeben müssen, ist noch ungewiss. Die Tonne Gasöl kostet 714,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 83,59 Dollar und in London 85,63 Dollar. Der US-Dollar wird zu 75,01 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise wurden von der gestrigen Rallye an den Ölbörsen in die Höhe gerissen. Der Dollar wirkte in keiner Weise dämpfend. Im Gegenteil, er legte sogar ein wenig zu. Der Preisanstieg darf als übertrieben angesehen werden. Er geht auf das Konto pfiffiger Finanzjongleure. Die lassen sich von der Politik laufend mit neuem Geld versorgen. Deshalb sind sie des Verbrauchs Last. Das eigentliche Problem für die Heizölpreise stellt derzeit der vergleichsweise hohe Dollar dar. Angesichts der Euroskepsis unter den Finanzakteuren ist nicht zu erwarten, dass sich dieser Umstand sobald auflöst. Leider muss man die Möglichkeit ins Auge fassen, dass der Seitwärtstrend der Heizölpreise nach oben durchbrochen wird. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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