Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Gefangene Wirtschaft, gefangener Ölpreis

Ölpapiere sind in diesen Wochen ein Seismograf der Wirtschaftsstimmung. Ihnen fehlt eine klare Richtung. Ihre Preisausschläge sind bisweilen heftig. Und doch pendeln sie nur um einen annähernd konstanten Mittelwert. Gleiches gilt für Wirtschaftsprognosen. Zwischen euphorisiert und niedergeschlagen wird alles in kurzer Abfolge geboten. Aktuell überwiegt verhaltener Pessimismus. Nur hierzulande berauscht man sich an wunderbaren Zahlen. Die sind Ausdruck des deutschen Geschäftsmodells. Wenn irgendwo etwas geht, sind wir dabei. Mancherorts weit im Osten geht viel. Wie schön für uns. Das Problem ist nur, dass alles, was derzeit geht, auf alten Wirtschaftsmodellen beruht. Und denen sind natürliche Grenzen gesetzt. So ist absehbar, dass unsere wunderbaren Zahlen nicht weit tragen werden, wenn wir nur begehrte Produkte für alte Modelle schaffen.

Beispiel Autoindustrie. Sie feiert ein fulminantes Come Back. Deutsche Luxuskarossen finden in Ländern, in denen was geht, wieder reißenden Absatz. Mit unseren wunderbaren Autos wird allerdings ein gigantischer Ölkonsum exportiert. Die Fahrzeuge sollen andernorts schließlich das tun, was sie versprechen. Sie sollen fahren. In China verbraucht ein Mensch heute rund einen Liter Öl pro Tag. Mit der wachsenden Freude am Fahren und mit unseren herrlichen Autos wird der Bedarf steigen. Sollte der nur ansatzweise auf das Niveau klettern, das ein Mensch hierzulande für sich beansprucht, nämlich 5,5 Liter Öl pro Tag, kollabiert die Weltwirtschaft. Denn soviel Öl gibt die Erde nicht her. Der Export von Luxuskarossen kann nur kurzfristig ein attraktives Geschäftsmodell sein. Langfristig ist es zum Scheitern verurteilt. In Deutschland mutieren die fahrenden Designerräume zu Ladenhütern, weil sich eine neue Einstellung zum Spritverbrauch Bahn bricht. Die Autoindustrie mag das ignorieren, weil sie fern der Heimat gute Geschäfte macht. Sie wäre indes gut beraten, die Regungen deutscher Kunden ernst zu nehmen. Die tragen nämlich mehr Zukunftspotenzial in sich als die Luxusbedürfnisse neureicher Wirtschaftseliten weit im Osten. Dass sich hierzulande so etwas wie eine neue Bescheidenheit entwickelt, ist nicht nur schnöder Konsumverzicht. Es ist auch die stille Suche nach neuen Lebens- und Wirtschaftsmodellen, die diese Erde dringend braucht. Vielleicht wird gerade diese, von den Arrivierten verachtete Haltung einmal der neue Exportschlager.

Die Autos stehen nur exemplarisch für das allgemeine Problem, dass das westliche Konsummodell nicht global exportierbar ist. Die klassisch verstandene Wirtschaft befindet sich zwischen Pest und Cholera. Sollte sie global wieder anziehen, stieße sie schnell an Ressourcengrenzen. Die würden sie abwürgen. Sollte sie nicht wieder anziehen, wären die Ressourcen über längere Zeit gut verfügbar. In beiden Fällen bringt sie ein Beschäftigungsdefizit hervor. Im ersten Fall kommt das allenfalls später. Pest oder Cholera lassen sich nur vermeiden, wenn das Wirtschaftsverständnis neu geschrieben wird. Dafür gibt es aber noch keine Blaupause.

Das fehlende Skript für die Zukunft ist ein Grund, warum an den Börsen ohne klare Richtung gehandelt wird. Ein Absturz ist nicht geboten, weil es den Akteuren gut geht. Das wird sich kurzfristig auch nicht ändern. Ein verheißungsvoller Anstieg wird nicht kommen, weil die entsprechenden Zukunftsaussichten fehlen. Die können sich allenfalls temporär einstellen, da sie auf dem überkommenen, nicht haltbaren Wirtschaftsmodell beruhen. Beim Ölpreis kommt hinzu, dass die Versorgung selbst bei leidlichem Fortgang der Konjunktur kostenintensiver wird, da die alten, billig zu betreibenden Quellen langsam versiegen. Der Ölpreis muss bei natürlicher Entwicklung in einem ressourcenintensiven Wirtschaftsmodell steigen. Die natürliche Entwicklung ist derzeit ausgesetzt, weil das Angebot für einige Zeit außergewöhnlich hoch ist. Dieser Umstand ist auf die geringe Nachfrage während der akuten Krise zurückzuführen.

Heute Morgen steigt der Ölpreis. Dieser Umstand passt zu der Erwartung, dass der Preis im Wesentlichen einer Seitwärtsbewegung folgt. Der Preisrückgang der letzten Tage sieht einigermaßen abgearbeitet aus. Eine Fortsetzung dieses Rückgangs setzt mehr als den derzeit herrschenden, verhaltenen Konjunkturpessimismus voraus. Die Tonne Gasöl kostet 628,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 75,57 Dollar. Der US-Dollar wird zu 77,70 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sind dem Boden einer Seitwärtsbewegung sehr nahe gerückt. Viel mehr Rückgang erwarten wir bei der aktuellen Marktstimmung nicht. Die ist sehr labil. Ein Kippen zu mehr Pessimismus schließen wir deshalb nicht in Gänze aus. Es erscheint uns derzeit aber nicht zwingend. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Heizölpreise weiterhin in der zuletzt gültigen Handelsspanne bewegen werden, schätzen wir hoch ein. Damit wäre in Kürze eher ein leichtes Anziehen der Preise zu erwarten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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