Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Geordneter Rückzug der Preise

Trotz durchwachsener Bestandsdaten aus den USA setzte der Preisrückgang seinen Lauf fort. Er hat sich zu einem klaren Trend entwickelt. Dieser verlief bisher ruhig. Von einer eventuellen Verkaufspanik ist nichts zu spüren. Einzig die US-Benzinkontrakte erlebten gestern einen fulminanten Absturz. Sie machten die Entwicklung der anderen Ölpapiere zunächst nicht mit. Gestern holten sie sie schlagartig nach. Der Dollar setzt zu einem Aufwärtstrend an. Die US-Konjunktur wird seit einigen Tagen deutlich entspannter beurteilt. Viele Analysten trennen sich von der Rezessionsidee für die USA.

Während Politiker lautstark darüber nachdenken, wie sie den Markt reglementieren können, ohne seine systemtypische Freiheit einzuschränken, zeigt der Markt, dass er funktioniert. Er schafft die Korrektur aus eigener Kraft. Während Politiker noch Schuldige für Preisexzesse suchen, die zum Wesen jeder Börse gehören, ziehen sich die Profiteure eben dieser Exzesse still und leise zurück. Während die Gesellschaft durch das spekulative Hin- und Herschieben von immer größeren Summen unproduktiven Kapitals in Gewinner und Verlierer bzw. in Reich und Arm geteilt wird, vergessen Politiker, dass nur produktives Kapital sozialverträglich ist. Produktives Kapital kann Werte zum Wohl der ganzen Gesellschaft schaffen. Je weiter sich der Ölpreis in nächster Zeit von seiner Spitze entfernt, um so unwilliger wird sich die Politik der notwendigen Diskussion hierüber widmen. Wenn dann die nächste, noch höher schlagende Preiswelle ihren Höhepunkt erreicht, werden Politiker wieder Konsequenzen für ein System ankündigen, über das sie gar keine Kontrolle haben.

Haben Spekulanten ein Einsehen, dass es ihnen schadet, wenn sie die Wirtschaft ruinieren? Oder haben sie schlicht das Gespür dafür, im richtigen Moment auszusteigen? Es ist müßig, die Antwort auf diese Frage zu finden. Beides führt zu nachgebenden Kursen. In beiden Fällen ist damit zu rechnen, dass die Spekulanten über kurz oder lang zurückkommen werden, wenn sie zwischenzeitlich keine andere Anlageidee gefunden haben. Eine solche deutet sich aktuell nicht an. Die Grundlage dafür könnte aber gerade in den USA gelegt werden. Die Gesellschaft scheint sich in ihrem Kern ernsthaft zu wandeln. Die USA sind vom Ölpreisschock am schwersten getroffen. Die USA haben nicht zuletzt deshalb das größte Potenzial für einen Paradigmenwechsel beim Energieverbrauch. Und sie werden als weltgrößter Verbraucher den größten Effekt erzielen. Der Umstand, dass sie sich in einem äußerst spannenden Wahljahr befinden, sollte den möglichen Wandel beflügeln.

Wandel bedeutet nicht, dass der Preis für Öl, Gas, für Biokraft- und Brennstoffe langfristig sinken wird. Sollte das der Fall sein, würde es keinen Wandel geben. Denn Wirtschaft wird immer den Weg des geringsten Widerstands gehen. Solange es billiger ist, Rohstoffe zu verbrauchen als diese durch verbrauchsschonende Techniken zu erhalten, werden sie verbraucht. Da die spekulationsgetriebenen Preise nun zurückkommen, könnte man meinen, dass der Wandel ausbleibt. Das wäre gut für Spekulanten. Denn sie folgten weiterhin der Idee, dass Energie und Rohstoffe knapper werden und trieben die Preise auf diese Weise erneut in die Höhe. Damit wäre die Grundlage für den Wandel und für Investoren in diesen Wandel wieder gestiegen. Von welcher Seite man sich der Thematik auch nähert, folgt das gleiche Ergebnis. Teurere Energie und Rohstoffe werden uns den Paradigmenwechsel beim Verbrauch aufzwingen. Wir können ihn nur gestalten nicht verhindern.

Die aktuell rückläufigen Preise sind kein Ausdruck langfristiger Einschätzungen. Sie folgen den Tagesereignissen. Diese werden von der momentanen Börsenstimmung überlagert und teilweise sogar negiert. Das gilt beispielsweise für die US-Bestandsdaten. Die Zahlen von DOE (Department of Energy) weisen erneut einen Rückgang für Rohöl aus. Üblicherweise wird das mit steigenden Notierungen quittiert. Im Gegensatz dazu steht die Nennung von API (American Petroleum Institute). Sie ist positiv. Im Zweifelsfall wird allerdings dem DOE geglaubt. Die Zahlen lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: -4,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,4 (DOE) bzw. 8,9 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 90 Prozent gestiegen. Das ist ein für US-Verhältnisse guter Wert.

Dass die Bestandsdaten so eindeutig zu einem Kursrückgang führten, ist ein Indiz dafür, dass sich die Meinung eines anstehenden Nachfragerückgangs in den USA durchsetzt. Der Paradigmenwechsel liegt tatsächlich in der Luft. Er wiegt momentan stärker als die Sorge vor Hurrikanen und die Aufhellung der US-Konjunktur. Eine stabile Größe ist er aber noch lange nicht.

Heute Morgen bleibt der gestrige Preisrückgang bestehen. Die Tonne Gasöl kostet 1.135,00 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 122,49 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben erneut nach. Die Bewegung hat Potenzial auf einen Fortgang. Verbraucher sollten die Preise nun eng verfolgen. Denn nach Erreichen eines Tiefpunkts ist mit einem abrupten Anstieg zu rechnen. Der erfreuliche Rückgang mindert die langfristige Notwendigkeit für Verbrauchssenkung nicht, denn das Preisniveau wird gemessen an früheren Zeiten hoch bleiben. Der Rückgang verschafft aber etwas gefühlte Luft, um sich des Themas in Ruhe anzunehmen. Mit esytrol kann man seine persönlichen Verbrauchsverhältnisse kennen lernen.

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