Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Geschichte wiederholt sich

Der Irakkrieg hat begonnen. Die bereits mit der Ankündigung des Krieges ins Rutschen geratenen Preise, beschleunigten ihren Verfall heute Nacht. Aktuell sehen die Verluste seit dem 10. März wie folgt aus:

Rohöl der Marke Brent: -8,4$ oder -24,7%
Rohöl der Markte WTI: -11,6$ oder -28,9%
Gasöl Europa: -110$ oder -31%
Heizöl USA: -33$ oder -29,3%

Die Preisentwicklung ist mit der Situation im ersten Golfkrieg vergleichbar. Das Bild ist allerdings trügerisch. Die reale Marktlage ist keineswegs entspannt. Die Ölvorräte in den USA stehen nach wie vor bei historischen Tiefstständen. Gestern wurden die aktuellen Daten der Tanklager veröffentlicht. API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy) kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Für Rohöl liegen die Angaben zischen einem Plus von 5 Mio. Barrel und unverändert. Bei Heizöl sieht es ähnlich aus. Zwischen +1 Mio. Barrel und ?1 Mio. Barrel wird gemeldet. Auf Interesse stoßen die Daten momentan allerdings nicht. Der Krieg degradiert alles andere zu bedeutungslosen Randerscheinungen.

Bemerkenswert an den Lagerdaten ist der Umstand, dass die raffinierten Produkte trotz Zukäufen in Europa ihre schlechte Lage nicht verbessern konnten (siehe Charts). Das könnte in Zukunft noch eine Rolle spielen. Denn während Rohöl bei einem kriegsbedingten Ausfall von Lieferungen nun durch die strategischen US-Reserven aufgefüllt werden kann, gibt es für die Raffinerieerzeugnisse keine Lager, die sich plötzlich öffnen. Der Engpass bleibt bestehen.

Die aktuelle Preisentwicklung ist ein 100%iger Handel auf die Zukunft. Angebot und Nachfrage sind dabei ausgeblendet. Sollte der Krieg in der Tat wie vermutet verlaufen, nämlich mit einem schnellen und erfolgreichen Ende, könnte der Rückgang nachhaltig sein. Kommt es aber zu Störungen, kann die Richtung sehr schnell wieder wechseln.

Nicht nur aus den genannten Gründen sehen wir die Nachhaltigkeit des aktuellen Preisrückgangs skeptisch. Charttechnisch ist es höchste Zeit für eine Gegenreaktion auf die enormen Verluste. Und ob die Abwärtsbewegung ein echter Abwärtstrend wird, muss sich noch zeigen. Andererseits sprechen die Erfahrungen des letzten Golfskriegs dafür, dass er sich in der Tat ausbildet.

Heute Morgen setzt der Gasölpreis seine Abwärtsbewegung fort. Mit 277$ pro Tonne hat er das Januarniveau erreicht. Der Preis ist damit immer noch hoch. Somit ist die knappe Versorgungslage nicht vollkommen unberücksichtigt.

Unsere Heizölpreise fallen ebenfalls. Im Norden und Osten löst sich zudem die durch die US-Käufe bedingte Hochpreislage etwas auf. Zur Rückkehr zu normalen Verhältnissen in der Relation zwischen Norden und Süden kam es allerdings noch nicht. Aus oben genannten Gründen ist damit zu rechnen, dass sich die USA auch weiterhin bei uns mit Heizöl und Diesel und später auch mit Benzin eindecken werden.

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