Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Giftiges geopolitisches Klima treibt Preise

Die Preise streben einem neuen Aufwärtstrend entgegen. Das geopolitische Klima und die Sorge vor Hurrikanen im Golf von Mexiko treiben sie an. Die reale Versorgungslage bietet dagegen keinen Grund für Preissteigerungen. Der Dollar steigt entgegen den Erwartungen. Das US-Handelsbilanzdefizit wuchs im Mai geringer als befürchtet.

Gestern wurden die aktuellen Daten über die US-Ölvorräte gemeldet. Die zuständigen Institutionen, DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), ließen die Märkte auf Grund widersprüchlicher Angaben im Unklaren über die Lage. Folgende Zahlen wurden zu Protokoll gegeben:

Rohöl: -6,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 3,8 (DOE) bzw. ein Aufbau von 2,7 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist wieder auf magere 90 Prozent gefallen.

Die Börse reagierte zunächst gutmütig auf die Daten. Der starke Abbau der Rohölvorräte wird nach Feststellung der API durch den Aufbau bei den Produkten überkompensiert. Ohnehin ist es müßig, die wöchentlichen Schwankungen in den Vorratslagern einzeln zu bewerten. Die Bevorratung ist seit geraumer Zeit so gut, dass sie kein Motiv bietet, die Sicherheit der realen Versorgung in Zweifel zu ziehen.

In den USA wird der momentan wachsende Benzinverbrauch kritisch betrachtet. Er sei in letzter Zeit für Preissteigerungen verantwortlich gewesen, deren Kreise bis zu unseren heimischen Tankstellen reichen. Mit Blick auf die Vorräte handelt es sich um eine Überreaktion der Börse. Ob das saisonal übliche Wachstum eine Rückkehr zu den alten Steigerungsraten der Nachfrage bedeutet, ist noch nicht geklärt. Dennoch, die Preissteigerungen sind real.

Die bisherige Börsenreaktion auf die aktuelle geopolitische Lage ist in keiner Weise hysterisch. Die Wiedereinführung der Gewalt im Nahen Osten und die Weigerung Teherans, eine einvernehmliche Lösung im Atomstreit zu suchen, nähern alte Ängste über die Sicherheit der Ölversorgung. Die Spekulation über die Einstellung von Öllieferungen aus der Region ist ein klares bullisches Thema. Es wird diskutiert. Es zeigt Wirkung in der Preisbildung. Aber bisher blieb der zündende Impuls für einen rasanten Aufwärtstrend aus.

Möglicherweise liegt das am wachsenden Zufluss irakischen Öls. Das hatte kaum jemand auf dem Plan. Fast unbemerkt haben sich die Lieferungen wieder auf über 2 Mio. Barrel pro Tag empor geschwungen. U.a. wird dieser Umstand auf die Erneuerung von Fördereinrichtungen zurückgeführt. Er gibt Anlass zur Hoffnung auf eine weitere Zunahme des Angebots. Angesichts der explosiven Lage im Land ist die Sicherheit der Lieferungen aber keineswegs gewährleistet.

In ihrem aktuellen Report schätzt die IEA (Internationale Energie Agentur) die Angebotssteigerung in diesem Jahr etwas geringer ein als die Nachfragesteigerung. Das Missverhältnis soll sich aber bereits im kommenden Jahr umkehren. Ein deutlicher Förderzuwachs wird vor allen Dingen in Russland, in Afrika und in Nordamerika erwartet. Aber auch die OPEC wird das Angebot steigern können. Damit sind die planmäßigen Aussichten für die Entwicklung des Marktes neutral bis positiv. Eine Fortsetzung des rasanten Preisanstiegs der letzten Jahre wäre auf dieser Basis nicht zu erwarten. Es bleibt abzuwarten, welche wetterbedingten oder politischen Störungen den Plan und damit die Preisentwicklung stören.

Heute Morgen steigt der Gasölpreis. Das ist angesichts der aktuellen Einflussfaktoren kaum anders zu erwarten. Die Tonne kostet 640,50 $.

Unsere Heizölpreise stehen, genau wie die Weltmarktpreise, unter dem Einfluss der geopolitischen Vorkommnisse. Sie steigen. Die Aussichten für Verbraucher bieten derzeit kaum Anlass zu Optimismus. Charttechnisch bildet sich zwar nur ein sehr schwacher Aufwärtstrend aus. Die Gefahr, dass dieser beschleunigt wird, nimmt momentan aber zu.

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