Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Glück gehabt

Das ist noch einmal gut gegangen. Öl wurde gestern nicht teurer, obwohl der Finanzszene eine entsprechende Offerte durch den physischen Markt unterbreitet wurde. Die US-Ölbestände sind nämlich rückläufig. Hinzu kommt ein erneuter, nennenswerter Dollarrückgang. Da die Grundstimmung zu Ölpapieren bullisch ist, dürfen Ölverbraucher den ausgebliebenen Preisanstieg als glücklich bezeichnen.

Tags zuvor wurden mit den heraufgesetzten Prognosen zum weltweiten Ölverbrauch bereits Impulse gesetzt, die die Bullen stimulieren. Zusammenfassend kann man sagen, es wird mehr Öl gebraucht als erwartet wurde. Die Grenzen der Versorgungsmöglichkeiten werden in 2010 aber keinesfalls erreicht. In 2011 wird das auch nicht der Fall sein. Aber gemäß den Prognosen wird dann der bisherige Maximalbedarf aus dem Jahr 2007 überschritten werden, wobei die Dynamik des Nachfragewachstums deutlich sinken soll. Schreibt man die Bedarfszunahme moderat fort, könnte sich in 2013 bereits eine angespannte Versorgungssituation ergeben. Das ist der Stoff, an dem sich bullische Finanzjongleure eigentlich berauschen.

Das Ausbleiben bullischer Exzesse liegt an der tief sitzenden Unsicherheit zu Öl- und Wirtschaftsprognosen. Seit Jahren sind diese nicht besser als die Lottozahlen. Vor Ausbruch der Finanzkrise wurde die Lage rosarot prognostiziert. Sie stellte sich als schwarz heraus. Dann wurde sie tiefschwarz vorhergesagt. Sie entwickelte sich grau. Das Grau hellte sich im Lauf der Zeit auf. Die Prognosen blieben grau. Erst mit Eintritt heller Farben nehmen Wirtschaftsweise diese zur Kenntnis. Nun gibt es Prognosen in gedeckten Farbtönen. Dass diese die Wirklichkeit annähernd treffen, erwartet nach dem Versagen der Volkswirtschaftslehre niemand mehr, der auf ihr Urteil angewiesen ist. Sämtliche Modellrechnungen zeichnen die Welt, so wie sie den Modellmachern gefällt. Pipi Langstrumpf lässt grüßen.

Auf die Weisheiten von Pipi Langstrumpf zu setzen geht der Finanzszene trotz ihrer Neigung zum Absurden dann doch zu weit. Und so beschreitet sie eher den Pfad ängstlicher Lemminge. Sie tastet sich in immer bullischere Gefilde vor - wohl wissend, dass der Abgrund jeden Moment auftauchen kann. Unten steht immerhin das Sprungtuch der Steuerzahler bereit. Diese Lektion haben sie in den letzten zwei Jahren gelernt.

Dass die Ölpreise gestern nicht umgehend nach Veröffentlichung der US-Bestandszahlen in die Höhe schnellten, mag weitere Gründe haben. Zeitgleich wurde bekannt, dass die US-Nachfrage nach Ölprodukten weiterhin rückläufig ist. Zudem erweckt die Qualität der Bestandsdaten kein hohes Vertrauen, da der wichtige Rohölwert der beiden berichtenden Institutionen DOE (Department of Energy) und API-Daten (American Petroleum Institute) erheblich differiert. Die Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,5 (DOE) bzw. 6,2 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 82 Prozent gesunken.

Ein Blick auf die jüngste Entwicklung in den US-Tanklagern spricht durchaus für die Durchsetzbarkeit bullischer Tendenzen bei den Ölnotierungen. Grundsätzlich unterstützt werden diese durch den Dollarverfall, dessen Ende nicht absehbar ist. Öl hat in der langfristig orientierten Investmentszene eine ähnliche Funktion wie Gold.

Heute Morgen sind bereits wieder Bestrebungen zu Ölpreissteigerungen auszumachen. Diese werden von Dollarverlusten begleitet. Die Tonne Gasöl kostet 715,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 82,95 Dollar und in London 84,25 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,95 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise bleiben im gewohnten Bild. Sie tendieren seitwärts. Die teilweise starken Preisbewegungen an den internationalen Börsen werden durch die gegenläufigen Entwicklungen von Öl- und Dollarkursen weitgehend glatt gestellt. Gestern kam dabei etwas Preisnachlass für Heizöl heraus. Heute und in den nächsten Wochen rechnen wir eher mit etwas Preisauftrieb. Der wird nicht sehr stark ausfallen. Uns scheint es aber wenig erfolgversprechend zu sein, auf einen baldigen, nennenswerten Preisrückgang zu setzen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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