Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Gleichgewicht der Kräfte

Der Seitwärtstrend der Preise ist bemerkenswert stabil. Die gestern veröffentlichten Daten über die US-Vorräte führten zwar zu einem Anstieg. Aus der Bahn werden sie die Bewegung aber nicht werfen. Es hat sich ein Gleichgewicht der Kräfte eingestellt. Politik, Versorgung und Konjunktur neutralisieren sich gegenseitig. Der Markt reagiert zunehmend uninteressiert auf die Themen. Die Hurrikanerwartung scheint die Börsianer zu paralysieren. Der Dollar hat seinen kurzfristigen Zenit überschritten. Die Spekulation auf einen weiteren Zinsschritt ist bereits im Kurs enthalten. Die Währung gab gestern nach.

Folgt man den Aussagen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die jüngste Entwicklung in den US-Vorratslagern, kann man zu dem Schluss kommen, dass die Institutionen nichts Genaues wissen. Die Widersprüche sind groß. Der Handel kann sich das heraussuchen, was am besten zur Preisentwicklung passt. Die Vorratsdaten lauten wie folgt:

Rohöl: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,4 (DOE) bzw. ein Abbau von 3,7 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind gegenüber der Vorwoche und dem Vorjahr gestiegen. Die Raffinerieverfügbarkeit hat akzeptable 93 Prozent überschritten. Das wäre durchaus ein bärisches Argument. Die Erwartung der nächsten Hurrikanserie gibt diesem Umstand aber etwas Vergängliches, das zu bewerten sich kaum lohnt.

Die ohnehin gute Situation in den Lagern wird nach Aussage des DOE weiter aufgewertet. Ein Grund für fallende Preise. Die Gegenposition des API verhindert die Bewegung. Als allgemein negativ werten Analysten die Daten über die Entwicklung der Benzinvorräte. Tagesstimmung. Das Handelsinteresse an Benzin ist seit Monaten gering. Und es fällt weiter.

Die Schlussfolgerung aus den Vorratsdaten lautet, dass die Situation weiterhin außerordentlich komfortabel ist. Es gibt keinen Grund, sich Sorgen über einen Engpass zu machen. Dass die Preise dennoch hochgehalten werden, hat andere Gründe als die Beurteilung der realen Versorgungslage.

Die Geopolitik wird gerne genannt, der Atomstreit mit dem Iran, Unruhen in den Ölgebieten Nigerias und neu im Spiel die aggressive Rüstungspolitik Nordkoreas. Kein Thema, was nicht schon einmal behandelt wurde. Die höchste Bedeutung hat der Atomstreit, weil er Einfluss auf große Ölstrome haben kann. Im April bangte die Börse und schickte die Preise in die Höhe. Vor kurzem hoffte die Börse und deutete einen Preisrückgang an. Inzwischen herrscht Gelassenheit zum Thema. Der Iran arbeitet mit einer seit Jahren erprobten Hinhaltetaktik. Es wird vermutet, dass sich der Vorgang in epische Länge ziehen wird. Auf den Vorschlag der westlichen Völkergemeinschaft wird in einigen Monaten ein Gegenschlagschlag folgen. Aufregung und Abkühlung werden sich abwechseln. Eine gemeinsame Lösung wird angestrebt und nie erreicht werden. Handel und Wandel werden weiter gehen. Die Preise werden je nach Lage mehr oder weniger heftige Ausschläge zeigen. Solange die Politik die reale Versorgung nicht ändert, ist kein nachhaltiger Einfluss auf die Preisbildung zu erwarten.

Einen z.Z. nicht zu greifenden aber gleichwohl stärksten Einfluss hat das Wetter. Die Hurrikanerwartung überlagert alle anderen Themen. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von scharfen Preisspitzen bei einem schweren Hurrikan ist sehr groß. Sollten die Stürme wider die Erwartung ausbleiben, hätte ein moderater Abwärtstrend eine Chance. Realistisch wäre sein Eintritt frühestens im September zu erwarten.

Heute Morgen schließt der Gasölpreis dort an, wo er gestern Abend endete, bei 615 $ pro Tonne. Die Marke von 600 $ hatte sich in den letzten Tagen als stabile untere Grenze erwiesen.

Unsere Heizölpreise setzen ihre Seitwärtsbewegung erwartungsgemäß fort. Die Mittellinie liegt bei 0,60 Euro pro Liter bei 3000 Liter Liefermenge. Wenn es zu einem nennenswerten Ausbruch kommt, wird dieser eher nach oben als nach unten zeigen. Wer innerhalb der nächsten drei Monate Heizöl kaufen will, findet aktuell vernünftige Preise. Die Inlandsmargen sind wegen schleppender Nachfrage sehr gering.

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